Geballte und stilistisch abwechslungsreiche Punk-Power im Gängeviertel, zu der so viele Gäste erschienen, dass man den Einlass irgendwann kurzerhand wegen ausgereizter Kapazitäten dichtmachen musste – das gibt’s auch nicht alle Tage. Die Hamburger RACCOON RIOT betraten gegen 21:30 Uhr die Bühne für ihren erst dritten Gig überhaupt. Mit zwei Klampfen und in englischer Sprache gab’s ‘ne Mischung aus HC- und Streetpunk auf die Löffel, die von superkurzen eruptiven Songs wie dem Opener bis zu längeren, ausarrangierteren Stücken reichten, zwei an der Zahl sogar mit weiblicher Bratschenbegleitung! Mal was anderes. Musikalisch ist natürlich noch Luft nach oben, doch es rumpelte nicht uncharmant. Aus den Gitarren lässt sich aber, gerade wenn gleich zwei zur Verfügung hat, noch einiges mehr herausholen. Der durchgestylte Shouter hat dafür ‘ne ordentliche Bühnenpräsenz und ein angenehmes, raues Organ. Ohne Zugabe ging’s dann auch nicht von der Bühne, es folgte noch einmal der erste der beiden Bratschen-Songs.
Die SEWER BRIGADE aus Barcelona war gerade auf Tour, vier kurzhaarige Herren offerierten klassischen UK-Streetpunk mit einem Bein im ’77-Punk, getragen von vornehmlich durch den Bassisten gespielten Melodien. Anfänglich klang der Gesang noch etwas dünn, doch als des Sängers Stimme nach zwei, drei Songs schön angeraut war, lief mir das doch sehr gut rein. Gecovert wurde „Janie Jones“ von THE CLASH, womit man natürlich direkt einen Stein bei mir im Brett hatte, zumal der Sänger auf Tuchfühlung mit dem Publikum ging und mich den Refrain ins Mikro brüllen ließ. Mit einem BLITZ-Cover folgte später ein weiteres Cover, war’s „Someone’s Gonna Die Tonight“ oder „Razors in the Night“? Bekomme ich nicht mehr ganz zusammen, war aber ein lässiger, überzeugender Gig.
CUT MY SKIN, Sängerin Pattis SCATTERGUN-Nachfolge-Combo, hatte ich zuletzt vor nun auch schon wieder fünf Jahren live gesehen und die Jahre sind auch an Patti anscheinend nicht spurlos vorbei gegangen. Auf der Bühne haben die Berliner aber nix verlernt, kämpferischer, melodischer UK-style-Punk mit ausdrucksstarkem Gesang und immer mal wieder zu Singalongs neigenden Refrains machte immer noch Laune und wusste zu gefallen. Ein einzelnes Stück gab’s sogar in Muttersprache und Patti schien ebenso in ihrem Element wie große Teile des Publikums, die die Band abfeierten.
Der Job der letzten Band ist oftmals ein etwas undankbarer, doch nicht so an diesem Abend: Die Hamburger ASIMATRIX feierten die Release-Party ihrer Debüt-LP, die – ein weit verbreitetes Phänomen – leider nicht rechtzeitig zum Gig aus dem Presswerk gekommen ist. Scheißegal, mit zahlreichen Auftritten hat sich die Band einen guten Namen erspielt. Nachdem sie seinerzeit im Menschenzoo für uns als DÖDELHAIE-Support eingesprungen war, hatte ich allerdings nicht noch einmal das Vergnügen, was sich nun endlich änderte. Die Band mit ihrem Mix aus giftigem HC-Punk und dreckigem Ska-Core agiert nun noch selbstbewusster auf der Bühne, Sängerin Juli klingt nach wie vor nicht nach Schönwetter-Punk und Gitarrist Lars stellt weiterhin seine Entertainer-Qualitäten unter Beweis, wenn er grobmotorisch die Klampfe schrammelt und den Sound um partielle Brülleinlagen erweitert. Geile Party zum Abschluss des einmal mehr herrlichen Abends im Gängeviertel, von dem mir leider meine Fotos verschütt gegangen sind. Glückwunsch schon mal an ASIMATRIX zur Platte und danke an alle, die wie üblich sehr viel Spaß für Eintritt gegen Spende geboten haben, sprich die Beyond-Borders-Crew & Co.!





























Rock’n’Rolf alias Rotten Rolf wurde 44 und feierte in Billstedts Finest rein. Coole Nummer, schließlich hatte ich ihn – damals noch zu seinen ostfriesischen Zeiten – auf seiner Party zum 30. kennengelernt. Ursprünglich waren vier Bands geplant, doch die Berliner 100000 TONNEN KRUPPSTAHL mussten leider kurzfristig absagen. Theoretisch hätte ich sogar mit einer meiner Bands einspringen können, wie man mir vor Ort mitteilte, doch Anti-Social-Media-Rolf hatte meine Telefonnummer nicht mehr… Was soll’s, schließlich waren noch drei Bands übrig und zu denen ließ sich bestens durchdrehen.

































VIOLENT INSTINCT luden zur Release-Party ihres Debüt-Albums „Bis hierhin lief’s noch ganz gut“ und diesen freudigen Anlass mitzufeiern lasse ich mich natürlich nicht zweimal bitten. Steigen sollte die Sause in den Fanräumen des FC St. Pauli, in denen seit geraumer Zeit vornehmlich die St.-Pauli-Skins Konzerte veranstalten, doch den Eingang am Millerntor galt es zunächst einmal zu finden – bisher hatte es mich noch nicht dorthin verschlagen. Und nun war auch noch Winter-Dom-Eröffnung, jene überdimensionierte Hamburger Kommerz-Kirmes mit dem besonders hohen Nervfaktor, sprich: ein riesiges Spektakel auf dem Heiligengeistfeld, Menschenmassen, Zäune und Absperrungen. In Folge dessen war ich etwas orientierungslos und als wir schließlich doch nicht umhin kamen, den Dom zu betreten, fanden wir endlich das rettende Schlupfloch zum Ort des Geschehens. BORDERPAKI aus Neumünster hatten gerade mit ihrem deutschsprachigen Punkrock losgelegt, viele bekannte Gesichter waren vor Ort und das Bier gab’s ab 1,50 EUR – alles gut also, bis auf den zu leisen Gesang Rübis, der sich mit seiner Band ansonsten wacker durchs Set schlug und sich doch auf einige refrainsichere Gäste verlassen konnte, die gegen Ende auch mal kräftig mit einstimmten. Als Zugabe coverte man COCK SPARRERs „Watch Your Back“ und dann war Feierabend. Etwas mehr Wumms und Dreck hätten der Darbietung meines Erachtens aber sicherlich nicht geschadet.










Ennepetal, die Zweite: Nachdem wir anno dazumal unseren zweiten Gig überhaupt in jenem Ruhrpott-Nest gespielt hatten, lud man uns erneut im Rahmen der Geburtstagsfeier Pepes und Wolles in die Krombacher-Räumlichkeiten ein, um zusammen mit ein paar lokalen Combos auf die Kacke zu hauen. Das Aufgebot wurde im Vorfeld jedoch noch mal kräftig durchgewirbelt, denn die eine oder andere Band musste aus diversen Gründen absagen und der EDELPENNER war schlicht nicht auffindbar. Letztendlich fanden sich aber dennoch fünf Combos. Die für Besucher kostenlose Sause fand diesmal im anderen, m.E. besser geeigneten Saal statt und nach überraschend schneller und reibungsloser Anfahrt durch unseren Fahrer T. fiel zunächst einmal auf, dass da ein wesentlich kälterer Wind als in Hamburg wehte – gibt’s das?!






































Neben dem musikalischen Programm war natürlich das Wiedersehen mit zahlreichen alten Pott-Wemmsern ein freudiges, die ich ursprünglich über Kais Konnektschens kennengelernt hatte. Der gute Tristan beispielsweise war eigens aus seinem Berliner Exil angereist und drohte schon wieder einen DMF-Gig in der Reichshauptstadt an, was uns natürlich gelegen käme,
Endlich mal wieder nach Billstedt zu Hamburgs Top-Adresse in Sachen Mäddl: „Iron Underground Vol. 1“ hieß der Anlass, für den gleich fünf Bands über die Bühne geschliffen wurden. Zu Hause brach ich die Sportschau ab und machte mich auf den Weg, denn schon um 20:30 Uhr eröffneten CHEROKEE den Abend, die für die leider verhinderten HH-Thrasher REAVERS eingesprungen waren. Die Kölner zockten gediegenen Retro-Hardrock mit weiblichem Gesang, der in seinen stärksten Momenten etwas an THIN LIZZY erinnerte. Auf der Bühne ging ’ne Buddel Whiskey um und wenn CHEROKEE bischn Gas gaben, ging’s mir gut ins Ohr, ansonsten war‘s aber weniger meine Mucke und bei Räucherstäbchen (die immerhin in einem Tierschädel steckten) krieg‘ ich tendenziell Plaque, während ich Fransenwesten zu keinesfalls erhaltenswerten ‘70er-Modesünden zähle. Nichtsdestotrotz hatte die Sängerin ’ne gute Stimme, verstand ihr „Handwerk“ und waren auch ihre Kollegen technisch durchaus versiert, so dass Freunde dieser Musik mit CHEROKEE auf ihre Kosten kommen dürften.
















































































Ich weiß gar nicht, ob ich jemals zuvor auf ‘nem Konzert in Hamburgs rustikalster Punkkneipe war, diese finden dort nämlich nur äußerst unregelmäßig statt. An diesem Freitag jedenfalls schien mir Freizeit-Ökonom der Kneipen-Gig zweier mir unbekannter Bands die Veranstaltung mit dem attraktivsten Preis-Leistungsverhältnis zu sein – zumal mit WIRRSAL ‘ne mir noch unbekannte HH-Punk-Band spielen sollte und CRUZ aus Barcelona als Metal-Punk angekündigt worden waren. Als ich gegen 22:00 Uhr an der Balduintreppe eintraf, verging noch ‘ne ganze Weile, bis WIRRSAL schließlich mit ihrem deutschsprachigen, angenehm dreckigen HC-Punk losbretterten. Laut Bandinfo gibt’s die schon neun Jahre, lief jedoch bis dato komplett an mir vorbei. Inhaltlich überwiegend die übliche Themenpalette abdeckend, stieß das bewegungsfreudige Quartett sofort auf das Interesse der trotz der beengten räumlichen Verhältnisse nicht tanzfaulen Anwesenden und integrierte ein paar respektable Gitarrensoli in ihren Pogo-Sound. Punk von der Basis für dieselbe, der Sound passte, technisch streikte nur zeitweilig ein Mikro und das Bier schmeckte – gelungener Auftakt ins Wochenende.








