Karsten vom ostfriesischen Klabautermann-Records-Label hatte vor ein paar Wochen bereits ein Konzert in der Kiez-Punk- und -Rock’n’Roll-Kneipe „King“ veranstaltet und nun dasselbe noch mal mit seinen niederländischen Bekannten, der Hardcore-Band CHELSEA SMILE von kurz hinter der Grenze, vor, die eine Mini-Deutschland-Tour absolvierte. Als Support dachte er dabei netterweise an uns und einmal abgesehen davon, dass wir gerade erst zwei HH-Gigs hinter uns hatten, passte uns das gut, denn die Devise lautet noch immer: Live-Erfahrung sammeln! Außerdem hatten wir im King noch nie gespielt, so dass ich mich auf diese Erfahrung freute – schließlich klappere ich gern so viele verschiedene Läden wie möglich ab. Streetpunk vs. Hardcore also, und dass im King eher unregelmäßig Konzerte stattfinden, wurde dadurch deutlich, dass es dort gar keine P.A. und auch keinen Soundmenschen gibt. Glücklicherweise braucht man dort aufgrund der überschaubaren Größe bis auf die Gesänge aber auch nichts abzunehmen, so dass das Mischpult von CHELSEA SMILE ausreichte. Über all das hatten wir uns kurzfristig im Vorfeld verständigt. Überrascht waren wir dann aber doch alle, als wir vor Ort erfuhren, dass wir auch noch Boxen benötigen, die nun niemand dabei hatte, aber glücklicherweise kurzerhand geliehen werden konnten. Nach anfänglichen Schwierigkeiten gelang uns dann mit vereinten Kräften auch der Niederländer ein akzeptabler Sound und nach dem mittlerweile beinahe obligatorischen Abendmahl bei Befried, bei dem manch Bolanow-Brawler zum Kölschtrinker mutierte, ging’s dann auch irgendwann los, ohne viel Zeit zu verlieren:
Erst machte Stulle den Alleinunterhalter, doch noch während ich meine After-Dinner-Kippe in den Fingern hielt, blies die Band bereits zur Attacke und vor ca. 40 Leuten (Eintritt war gegen Spende) zockten wir unser komplettes Standard-Set durch. Ja, weitere Live-Erfahrung zu sammeln ist gut und wichtig, denn zugegebenermaßen zeigte sich doch, dass wir vor einem etwas reservierten Publikum noch nicht unbedingt die bandgewordene Souveränität sind. Außerdem gehen mir meine Ansagen nach drei Gigs schon selbst auf den Sack, aber spontan fällt mir auch nicht immer gleich was Neues ein. Aber wenn man sonst keine Probleme hat… 😀 Der Rest war glaube ich soweit ok, ich hatte das Gefühl, etwas anders als sonst zu klingen, was entweder an der DMF-Probe am Abend zuvor oder eben an den technischen Umständen gelegen haben dürfte, Iron Eisert überraschte mit einem ganz neuen Intro zu „Where is my Hope“ (es klang irgendwie… kölsch), die Rhythmussektion um Raoul und Stulle war glaube ich weitestgehend im grünen Bereich und der unlängst von IVV-Frontmann Ladde zum Gitarrengott gekürte Ole blieb gar komplett fehlerfrei! Sicher kein legendärer Gig, aber achtbar aus der Affäre gezogen, würde ich meinen.
Unverständlich hingegen, dass nach unserem Auftritt manch einer den Ort des Geschehens verließ und den Niederländern (die ich absichtlich nicht „Holländer“ nenne, weil es sich laut Karsten um Friesen handelt) nicht einmal eine Chance gaben. Diese hatten es mit dem Sound dann etwas leichter, da nur eine Gitarre am Start und rissen absolut souverän ihren in Unkenntnis aller HC-Schubladen von mir jetzt einfach mal als „middleschool“ oder „halbmodern“ bezeichneten Hardcore eindrucksvoll herunter. Druckvolles Riffing, kräftiger Gesang, fette Grooves, Oldschool-Attitüde mit einigen moderneren Einflüssen (oder so). Aber eben die weniger auf Melodie setzende Variante, möglicherweise daher der geringere Publikumszuspruch? Wir unterstützten die Band jedenfalls und Songs wie „Rhythm of Your Heartbeat“ oder „Tidal Waves“ können einfach auch wat. Zudem erwiesen sie sich als sympathische Zeitgenossen, mit denen sich sehr kollegial zusammen“arbeiten“ lässt, weit entfernt von irgendwelchen tumben Bollo-Affen. Unsere Zugabe, einen astreinen und perfekt passenden Trinksong, bekamen wir dann auch und schon war die Sause auch wieder vorüber, denn während Karsten, der zusammen mit CHELSEA SMILE extra aus Ostfriesland angereist war, schnell noch wenige Stunden Schlaf zu bekommen versuchte, weil er am nächsten Morgen schon wieder in der Heimat arbeiten musste (! – das ist Einsatz!), fuhr die Band direkt weiter nach Hannover zum nächsten Gig. Danke an Karsten, das King und CHELSEA SMILE für den Gig und an alle, die uns trotz der einen oder anderen „Konkurrenzveranstaltung“ unterstützt haben!
P.S.: Fotos von Karsten

Der alljährlich zelebrierte Hamburger Hafengeburtstag steht neben enormem Besucherandrang gern mal im Zeichen von Schmuddelwetter und Suff, vor allem aber von einem innerhalb zahlreicher Live-Musik-Angebote breit aufgestellten subkulturellen Programm auf mittlerweile gleich drei Bühnen: der offiziellen, großen Jolly-Roger-Bühne sowie der kleineren Onkel-Otto-Bühne am Störtebeker und der vor ich glaube zwei Jahren hinzugekommenen Bühne an der Hafen-Vokü. Alle sind recht nah beieinander gelegen, so dass es problemlos möglich ist, sich innerhalb dieses Dreiecks aufzuhalten und den Rest der Massenveranstaltung weitestgehend zu ignorieren. Auf der Jolly-Bühne wird satte drei Tage lang Programm geboten, auf den anderen beiden Freitag und Samstag – alles umsonst und draußen! Freitag konnte ich’s zeitlich noch nicht einrichten und hab’ dadurch glatt spannende Bands wie FAST SHIT, PLATZANGST, THE BABOON SHOW und MOSCOW DEATH BRIGADE verpasst, aber Samstag war ich rechtzeitig zum spontan auf der Onkel-Otto-Bühne als Opener eingesprungenen PROJEKT PULVERTOASTMANN am Start. Ca. 17:30 Uhr dürfte es gewesen sein, als ich zu den Klängen des ersten Songs das Areal betrat. Nach und nach versammelten sich dort immer mehr Leute und wurden Zeugen eines fantastischen Auftritts. Der Sound stimmte und donnerte brutal, Shouter Snorre gab absolut ALLES, bis seine Birne zu platzen drohte und der doch ziemlich individuelle Mix der Pulvertoasties aus Streetpunk, Hardcore und dem, was man auch gern mal als Deutschpunk bezeichnet, wurde von mir vermutlich noch nie in solch nüchternem Zustand rezipiert, bestand diese Herausforderung aber selbstredend spielend! Besonders gefreut hat mich, dass es nach längerer Zeit mal wieder klappte, denn solch eigentlich unverzichtbare Veranstaltungen wie die Record-Release-Party etc. hatte ich zuletzt regelmäßig versäumt.
Anschließend ging’s die Treppe runter zur Jolly-Roger-Bühne, wo die SHITLERS aus Bochum ihren satirischen Punkrock auf ein verdutztes Hamburger Publikum niederprasseln lassen wollten. Das Trio auf einer solch großen Bühne zu sehen, war ein reichlich ungewohnter Anblick. Noch eigenartiger jedoch wurde es, als man sich die Gesichter genauer ansah: Entweder hatte sich Gitarrist Martin Shitler einer Ganzkörpertransplantation unterzogen oder er wurde durch jemand anderen ersetzt. Wir wussten, dass er am Abend zuvor einen Solo-Auftritt im Kraken hatte, bei dem ich zum Glück nicht anwesend war. Was war passiert? Hatte ihn ein aufgebrachtes Kneipenpublikum erschlagen? Oder lief der Abend derart erfolgreich, dass er kurzerhand beschloss, solo Karriere zu machen und bei den SHITLERS auszusteigen? Oder wurde er schlicht Opfer eines fiesen Attentats? Vor der Bühne lagen eine herrenlose Tasche ebenso wie ein vollkommen unbeachteter Pullover. Waren es Martins Sachen, der längst auf dem Grund der Elbe lag? Wir waren in großer Sorge und konnten uns kaum auf das anspruchsvolle Programm der Band konzentrieren. Dies schien diese zu bemerken und erklärte die Bedeutung von Songs wie „Oi! und Rap“ noch einmal, tat jedoch auch so, als würde sie unsere Fragen nach Martin nicht hören. Ansonsten gaben sie sich wieder betont spackig, Frank sprang gar barfuß auf der Bühne herum wie der letzte Hippie und die Irritation des Hamburger Publikums war perfekt. Glücklicherweise waren dann doch einige dazwischen, die die Band und ihren Humor kannten und ob ihrer Reaktionen dem unwissenden Rest vermitteln konnten, dass man damit durchaus Spaß haben darf. Später erfuhr ich dann, was wirklich mit Martin geschehen war: Vor, während und vor allem nach seinem Solo-Auftritt hat er sich anscheinend so dermaßen die Kirsche zugehauen und die Nacht um die Ohren geschlagen, dass seine Bandkollegen verzweifelt eine Kneipe nach der anderen auf der Suche nach ihm abklapperten, ihn schließlich in desolatem Zustand aufgriffen und glücklicherweise ihren Aushilfsgitarristen dabei hatten, der Martin bereits einmal während längerer Abwesenheit vertreten hatte und dafür Sorge trug, dass der Gig nicht abgeblasen werden musste. Damit hat sich Martin den goldenen Ehrenkronkorken verdient und ich verneige mich in Ehrfurcht vor so viel Attitüde, die ich einem SHITLER gar nicht unbedingt zugetraut hätte.
Nach einem kurzen Abstecher in meine „Wochenendwohnung“ auf dem Kiez ging’s dann wieder zur Onkel-Otto-Bühne, wo ich endlich einmal RODHA, die Band meines Stammtätowierers, live sehen konnte. Obwohl’s die nun schon seit ein paar Jährchen gibt, war es mir bisher nie vergönnt. Das hängt sicherlich auch damit zusammen, dass es nicht 100%ig meine Mucke ist: Doomiger Metal-Sound mit tiefgestimmten Gitarren und schweren Riffs, worüber der Sänger infernalisch kreischt. Sowohl technisch als auch körperlich ist das aber überaus respektabel, dem guten Stülpo steht so’ne Klampfe ausgezeichnet und was der Shouter da leistet, ist absolut unmenschlich! Krasse Nummer und daher meinen Respekt. Weniger ASHPIPE als vielmehr ein Treffen mit weiteren Freunden zog mich wieder vor die Jolly-Roger-Bühne, wo es dann auch richtig feierlich wurde: Zu mittlerweile fortgeschrittener Stunde traf man reichlich bekannte Gesichter und konnte sich dem einen oder anderen Gedankenaustausch (und sei es nur ein „Prost!“ – „Prost!“) hingeben, während ASHPIPE den Soundtrack dazu lieferten. 2010 bekam ich mal eine Platte der Band zugeschickt, zu der ich schrieb: „Bei ASHPIPE handelt es sich um eine italienische Band, die Streetpunk mit Folk- und Offbeateinflüssen auf englisch sowie in Landessprache mit zwei Sängern kredenzt und dabei einen recht ordentlichen Eindruck hinterlässt.“ Der Funke sprang musikalisch an diesem Abend jedoch nicht ganz über und so blieb es bei nicht unangenehmer Hintergrundbeschallung. Es war nun aber auch längst mal an der Zeit, der Vokü-Bühne einen Besuch abzustatten, wo ich mich gleich pudelwohl fühlte und dem Gig von STAHLSCHWESTER entgegensah, die nach längerem Auslandsaufenthalt einzelner Bandmitglieder nun wieder live spielen können. Da ging’s dann auch direkt vom ersten Song an richtig rund, nach Erklingen dieses klassischen Punk-Beats und den simplen, aber höchst effektiven Auf-die-Fresse-Riffs gab’s für mich kein Halten mehr und ich schwang erstmals an diesem Abend die alten Knochen. Shouterin Peppels war diesmal gar nicht so dermaßen aufgestylt, sondern gab sich natürlicher, was ihr ebenfalls gut zu Gesicht steht, ihr eindringlicher Alarmgesang ist natürlich derselbe. Ein starker Auftritt und genau das, was ich zu diesem Zeitpunkt brauchte. Das ging natürlich nicht ganz ohne Blessuren ab und so stauchte ich mir den rechten Daumen. Das hat sich indes gelohnt, aber dass ich dadurch THE OPPRESSED, die unten die Jolly-Bühne headlinten, eiskalt verpasst hab’, ist die Kehrseite der Medaille – aber zerreißen kann ich mich ja nun schlecht… Nach dem einen oder anderen Gespräch strich ich die Segel und begab mich in meine „Wochenendwohnung“.

Nachdem Hard & Smart Booking seine Konzerte bisher im Indra-Club auf dem Kiez oder auch im Knust an der Feldstraße veranstaltet hatte, machte man sich Anfang des Jahres von diesen Läden unabhängig und errichtete im ehemaligen Kir in der Barner Straße in Altona den Monkeys Music Club. Nach Konzerten mit THE CRACK, OI POLLOI, EVIL CONDUCT etc. stand das italienische Ska-Punk-Orchester BANDA BASSOTTI auf dem Plan. Eigentlich sollten wir Freitag zusammen mit ADHS aus Jena in der Kiezkneipe Pooca-Bar spielen, denn ADHS hatten einen Support gesucht und PROJEKT PULVERTOASTMANN uns freundlicherweise vermittelt. Den Laden kannte ich nur vom Hörensagen und die Kommunikation gestaltete sich sehr schwierig: Mails wurden nicht beantwortet und wir über den Ablauf komplett im Dunkeln gelassen. Immerhin konnten ADHS, als sich der Termin näherte, in Erfahrung bringen, dass das Konzert auf jeden Fall stattfände. Wenige Tage aber vorher dann das, was ich irgendwie erwartet hatte, mein negatives Gefühl wurde bestätigt: Die Pooca-Bar sagte den Gig kurzfristig ab, die Begründung wolle man „am Montag auf unsere(r) fb seite, Website, lokalen Medien via Pressemitteilung veroeffentlichen“ (Original-Zitat). Um ADHS ebenfalls davon in Kenntnis zu setzen, sah man offenbar keinen Anlass und die angekündigte Begründung lässt bis heute auf sich warten. Ich muss aber zugeben, gar nicht unbedingt so unglücklich damit gewesen zu sein, denn am Wochenende zuvor hatte ich mir eine Hardcore-Erkältung aufgesackt, die besonders auf Hals und Kehle schlug. Ich klinkte mir diverseste Medikamente ein, versuchte es in meiner Verzweiflung mit Fenchel-Honig, Voodoo und Reiki und hoffte, am Wochenende wieder halbwegs fit zu sein. Daran tat ich auch gut, denn noch kurzfristiger als die Pooca-Absage erreichte uns die Anfrage von Hard & Smart, ob wir den Support für BANDA BASSOTTI einen Tag später machen könnten. Natürlich sagten wir zu, denn somit ergab sich nicht nur doch noch ein vielversprechender BOLANOW BRAWL, sondern auch für mich die Gelegenheit, mir erstmals den Monkeys Music Club anzusehen. So feilte ich weiter an meiner Gesundheit und fühlte mich Samstag glücklicherweise wieder einigermaßen hergestellt. Gegen 17:00 Uhr trafen wir ein, kurze Zeit später folgten die Italiener in Fußballmannschaft-Größe und eröffneten uns, keinerlei Backline dabei zu haben. Wir hatten unsere komplett am Start, so dass das kein Problem darstellte. Wir bauten auf und machten uns über das kalte Büffet her, schauten uns um. Da ich auch nie im Kir gewesen war, war der Ort für mich quasi vollkommen neu: Der Club befindet sich auf einem Gewerbegelände und weist mal so ganz andere Ausmaße als eine typische kleine Muckebutze auf, hat reichlich Platz, gleich drei Tresen, einen abgetrennten Pub-Bereich mit britischem Bier vom Fass, ’nen recht großen Backstage-Bereich, professionelle P.A., reichhaltige Getränkeauswahl etc. – und das alles, ohne spröden, kalten Hallen-Charme zu versprühen, im Gegenteil: Der stilvoll eingerichtete Laden wirkt einladend und gemütlich. BANDA BASSOTTI hatten ihren eigenen Mischer dabei, der den ausführlichen Soundcheck mit seinen Jungs durchführte, was mit reichlich Blechbläser-Getröte einherging. Unser Soundcheck ging dann natürlich etwas flotter über die Bühne und beruhigt nahm ich zur Kenntnis, dass meine Stimme in befriedigendem Maße regeneriert war. Der lockere, sympathische und kompetente Soundmensch des Clubs bastelte uns einen 1A-Bühnensound, vielleicht den besten, den wir je hatten. Und diesmal dachten wir sogar wieder daran, unseren Banner aufzuhängen… Der offizielle Beginn wurde mit ca. 21:15, 21:30 Uhr angegeben und wir bekamen etwas mehr Spielzeit als zuletzt im Hafenklang, der Zeitplan war nicht allzu straff. So flogen diesmal nur „Fame“ und unser OXYMORON-Cover aus dem Set. Allein schon, um nicht doch noch zeitlich in die Bredouille zu kommen, bliesen wir pünktlich wie die Maurer zum Angriff, was Clubchef Sam zunächst etwas zu überraschen schien. Schnell zeigte er sich jedoch überzeugt von unserem Vorhaben und scheuchte uns auf die Bühne. Um auf Nummer sicher zu gehen, ließ ich mir noch ’nen Schluck Whisky einschenken, der in meiner Vorstellung jegliche Bakterien abtötet. Von diesem von mir angestrebten Placebo-Effekt schien der Barmann jedoch nie etwas gehört zu haben, war er doch der Ansicht, das würde meiner Stimme eher schaden. Zu seinen Worten „Was für eine Verschwendung!“ kippte ich das Zeug („Gib mir den Stärksten, den du hast!“) herunter und begab mich gen Bühne. Der Laden war längst beachtlich gefüllt und unser Gig ging erstaunlich reibungslos über die Bühne. Ich hab’ jedenfalls keine Texte durcheinandergewürfelt und mir sind keine nennenswerten Verspieler aufgefallen. Das Brawl’sche Bühnenchaos hielt sich also in Grenzen, aber natürlich nicht ohne das Gesabbel zwischendurch, das ich zu meinem Leidwesen aufgrund des erwähnten Bühnensounds diesmal wieder komplett verstand – zumindest akustisch. Wenn ich mich so umsah, bestätigte sich, was ich ohnehin erahnt hatte, nämlich dass uns heute wieder ein weitestgehend neues Publikum gegenüberstehen würde. Doch auch ohne polizeiliche Aufforderung verließ niemand den Raum und dem Applaus nach zu urteilen schienen wir ganz gut anzukommen. Beide Sechssaiter gaben alles und spielten sich gegenseitig die Bälle zu, gebettet auf das sichere Fundament der Rhythmus-Fraktion um Stulles Bass, den nach dem Soundcheck noch mal lauter zu drehen sich als gute Entscheidung erwies, und Raouls Präzisionsdrums, die der Doppelbelastung mit den Background-Chören immer besser standhalten. Einziger möglicher Wermutstropfen: Hinterher wurden ein paar Stimmen laut, dass der Gesang etwas zu leise abgemischt gewesen sei. Nun allerdings war es Zeit für den musikalischen Kontrast, auf unseren Melodicrotzstreetpunk folgten BANDA BASSOTTI mit ihrem Working-Class-Ska-Punk. Die Band gibt es schon seit einer halben Ewigkeit und hat sich nicht nur streng antifaschistischen, sondern klassenkämpferischen Inhalten verschrieben, nimmt Bezug auf alte Klassenkampflieder und covert diese ebenso wie manch Szeneklassiker – bei „Revolution Rock“ schien mich der Sänger auf die Bühne zu bitten, als er mein entsprechendes Clash-T-Shirt erspäht hatte, aber ich traute mich nicht, außerdem war’s da oben schon voll genug. Zahlreiche eigene Stücke dürften in dieselbe Kerbe schlagen und die Truppe zeigte sich äußerst fit und spielfreudig, brachte die rappelvolle Tanzfläche zum Kochen und spielte derart lange, dass ich zugegebenermaßen nur ca. die Hälfte des Sets sah – backstage gab’s nämlich, neben Bier satt, das eine oder andere Interessante zu bequatschen. So endete irgendwann ein wieder mal spitzenmäßiger Abend, an dem wir sogar noch alles komplett wieder abbauten und in den Proberaum verfrachteten, für Stulle und mich die After-Show-Party aber erst am nächsten Tag mit dem Abpfiff des siegreichen Altona-93-Spiels endete, zu dem es uns bei klasse Wetter getrieben hatte. Danke an Sam und sein Team für die Einladung, an Holger P. für manch helfende Hand als sechster Mann, die Jungs von BANDA BASSOTTI allein schon dafür, dass sie dank ihres Bandnamens den Abend zu einem der B-Alliterationen machten und das aufgeschlossene Publikum! Das Monkeys hat einen prima Eindruck auf mich hinterlassen und was die Eintrittspreise etc. betrifft, bin ich überzeugt, dass die Kohle bei den Richtigen landet – das ist nun mal kein autonomes Zentrum, aber ein Laden von der Szene für die Szene und wenn Personal, Hauptact, Support (das kann ich nämlich bestätigen) etc. fair entlohnt werden, tue ich dafür auch gern den einen oder anderen Taler mehr raus. Ich wünsche Sam & Co. viel Glück, hoffe, dass es weiter so gut läuft wie an diesem Abend und das Monkeys sich mit seinen Konzerten, Nightern und Partys als feste Größe etabliert – sowie ein stets glückliches Händchen bei der Bandauswahl. 😉
Wir freuen uns über jedes Konzert, das wir spielen können. Als das Hafenklang unsere Anfrage nach einem Support-Slot für die Schweizer Punkabillys THE PEACOCKS bestätigte, war die Freude jedoch besonders groß, zählt das Trio doch zu den musikalischen Favoriten des einen oder anderen Brawlers, was insbesondere für die Live-Gigs gilt – doch dazu später mehr. Es wurde unser zweiter Auftritt im Hafenklang, einem meiner liebsten Live-Clubs überhaupt. Der Nachmittag allerdings kam zunächst buchstäblich etwas stockend in Fahrt, denn auf dem Weg vom Proberaum zum Hafenklang gerieten die Jungs in einen handfesten Feierabendverkehrs- und Baustellen-Innenstadt-Stau, der ein zügiges Vorankommen unmöglich machte. Die PEACOCKS allerdings standen ebenfalls im Stau, und zwar noch auf der Autobahn, so dass letztlich ich der einzige war, der pünktlich vor Ort eintraf. Der Zeitplan wurde kurzerhand umgeworfen, erst gab’s (wieder spitzenmäßiges, allein dafür lohnen schon diese Gigs!) Essen, dann den Aufbau, der schnell erledigt war. Noch vorm Soundcheck bot man uns seitens des Hafenklangs Geld, damit wir nicht spielen, unser Ruf eilte uns voraus. Abgewichst wie wir sind haben wir die Penunsen eingesteckt und trotzdem zum Soundcheck geblasen. Schön, mal wieder auf ‘ner Bühne dieser Größe zu stehen, wo jeder seinen eigenen Monitor und genügend Platz hat. So feilten wir etwas am Bühnensound und gingen davon aus, vom gewohnt guten Hafenklang-Klang (äh…) zu profitieren (was anscheinend auch funktionierte). Als die ersten Gäste eintrudelten, hatten wir noch reichlich Zeit, den sonnigen Donnerstagabend an der Elbe zu genießen und uns über den Getränkevorrat des Backstage-Kühlschranks herzumachen. Recht flott füllte sich der Ort des Geschehens, Donnerstag hin oder her, die PEACOCKS machen die Bude wohl jedes Mal problemlos voll; Hamburg scheint eine Art Heimspiel für sie zu sein.






