Die berüchtigte, alljährliche
TOBSUCHT-Party auf der Buxtehuder Waldlichtung ging in die nächste Runde, bei freiem Eintritt und billigen Getränken wurde von einem zur Bühne ausgebauten Anhänger rustikaler Punk versprochen und eingehalten und die beschauliche Ruhe des Geländes empfindlich gestört. Auch hier kam ich mal wieder vornehm zu spät und verpasste 72 JUNGFRAUEN & 1 BOMBE (oder so), die nach meinen Berechnungen eine Coverband gewesen muss, die sich in erster Linie an RAMONES-Material vergriff. ULTRAPENIS war dann die Zwei-Mann-Ukulelen-Combo, die witzige Eigenkompositionen irgendwo zwischen MIKE KRÜGER und EISENPIMMEL sowie diverse Coverstücke zum Besten gab und die Stimmung hob. Der Fanclub war auch anwesend und entrollte ein eindrucksvolles „We love Ultrapenis“-Transparent. Fantastisch! T.B.C. schockierten erst mit ihrem Äußeren – wieder eine Zwei-Mann-Combo, diesmal in Bundeswehr-Jogginganzügen (oder so) und Drummer Tim mit schlimmstem Lippenspoiler – und im Anschluss mit ihrer Musik: Gefühlt 60 30-Sekunden-Songs, mit Drums und Gitarre instrumentiert und hektisch runtergeknüppelt. In seiner Konsequenz durchaus beeindruckend, Musik muss eben auch mal wehtun. Die Reaktionen fielen gemischt aus, O-Ton aus dem Publikum: „Hau ab, du Terrorist!“
Auf den HAMBURGER ABSCHAUM konnten sich dann wieder alle einigen, schon lange ist die achtköpfige (!) Band inkl. Kettensägenspieler sehr gut eingespielt und verdammt souverän. Auch hier war der Sound übrigens zumindest im Zuschauerbereich sehr gut, die deutschsprachigen, hörenswerten, von zwei Sängern vorgetragenen Texte sogar recht gut verständlich und manch Refrain zum Mitgrölen einladend, während musikalisch optimaler Pogo-Punk geboten wurde. HAMBURGER ABSCHAUM eben, sollte man mal gesehen haben. Mittlerweile war man gut am Feiern und nötigte den Herren auch noch ’ne Zugabe ab. TOBSUCHT bescherten dann wie üblich den Rest. Das abgetaucht geglaubte Bandmitglied Micha war sogar überraschend zurückgekehrt, fand zurück auf die Bühne und präsentierte sein ungewaschenes Genital. Der betont simpel gehaltene deutschsprachige Pogopunk versprühte ein Höchstmaß an Authentizität und ging direkt ins Bein. Das machte eine zeitlang eine Menge Spaß. Doch mittlerweile scheint man im Laufe des gefühlt 25-jährigen Bandbestehens über so viele Songs zu verfügen, dass der Gig kein Ende nehmen wollte und sich irgendwann etwas abnutzte. Das Schöne an TOBSUCHT: Unbeirrt spielen sie weiter und ziehen ihren Stiefel durch, bis kaum noch jemand vor der Bühne ist. Respekt! Nach Beendigung des „offiziellen“ Teils kletterte der ebenfalls überraschende Besuch aus Lüneburg auf die Bühne und versuchte sich volltrunken an manch NDW-Klassiker etc… während dort also fleißig weiter gelärmt wurde, trank man noch das eine oder andere Abschiedsbierchen und zog irgendwann von dannen. Am nächsten Tag erzählten die Organisatoren mir, dass man diesmal anscheinend tatsächlich einige Gäste weniger als im Vorjahr vorzuweisen hatte, so dass finanziell nichts wirklich hängenblieb. Dafür kann ich aber mit Gewissheit sagen, dass das anwesende Volk die von mir erwartete, angenehme Mischung durch alle Altersklassen hindurch, von den üblichen lokalen Verdächtigen über lang nicht mehr gesehene Gesichter bis hin zu Leuten von Außerhalb und natürlich den örtlichen Alkoholikern und etwas zerfeierten, schrägen Existenzen bot. Diese Leute einmal im Jahr friedlich zusammenzubringen und eine geile lokale Party zu feiern, ist, besonders, wenn das Wetter auch noch so gut mitspielt, immer wieder eine feine Sache. Die Musik wird zur Nebensache, Klönschnack und Gesabbel sowie Urlaub vom Alltag, auch dem gewohnten Konzert-Alltag, stehen im Vordergrund. Danke an TOBSUCHT für die Party und alle beteiligten Bands, die die Sause mitgemacht haben. Und natürlich an alle, die wieder einmal den Weg ins abgelegene Areal gefunden hatten.

Am Vorabend meines Geburtstags stand nach langen Jahren mal wieder ein konzertbedingter Besuch im fast schon legendären Juki 42 in Ahrensburg, einem der schönsten Jugendzentren der weiteren Umgebung, an. Mit einigen Chaoten im Anhang traf man allerdings etwas zu spät ein, so dass ich, nachdem ich den lächerlich geringen Eintritt abgedrückt hatte, aufgrund diverser Begrüßungsrituale die letzten Songs der SUIZIDE QUEENZ lediglich am Rande mitbekam. Ex-PUSHUPS-Högis und Ex-SMALL-TOWN-RIOT-Andys neue Band hatte einen ihrer ersten Gigs in teils abgefahrener Verkleidung und viel Schminke, offensichtlich an die 80er angelehnter Poser-Glam-Rock’n’Roll mit Punkrock-Rotz. Im Anschluss sollte ich dann endlich Gelegenheit bekommen, die von mir in der jüngeren Vergangenheit sträflich vernachlässigten SMALL TOWN RIOT in der neuen Besetzung mit Timo an der zweiten Gitarre und Neuzugang Herrn Lehmann an der Schießbude zu sehen. SMALL TOWN RIOT spielten sich souverän durch ein ausschließlich aus Hits – derer sie nun wirklich viele haben – bestehendes Set und ernteten die verdiente positive Publikumsresonanz, indem die Meute inkl. meiner lauthals mitsang. Ein englischsprachiger Streetpunk-Kracher der melodischen Sorte jagte den nächsten und der zweistimmige Gesang zwischen Goldkehle (Norman) und Rotzröhre (Timo) war erstklassig wie eh und je. Herr Lehmann entpuppte sich anschließend auch noch als überaus sympathischer Zeitgenosse, so dass er sich perfekt in die STR-Familie einreihte. Klasse Gig, der nach so langer Abstinenz mal wieder richtig Laune machte. Mittlerweile hatte ich auch nicht zuletzt dank der punkrockerfreundlichen Getränkepreise reichlich vorgeglüht, so dass dem Auftritt der unbestrittenen No.-1-Asi-Skin-Oi!-Punk-Heroen EIGHT BALLS nichts mehr im Wege stand. Mit Ladde als festen zweitem Gitarristen nach Mückes Abgang reihte sich auch hier Kracher an Kracher und wurde von mir und anderen frenetisch unter fleißigem Körpereinsatz abgefeiert. Coverversionen von MISFITS („Skulls“) und SLIME („1,7-Promille-Blues“) fügten sich nahtlos in die abwechslungsreiche Songauswahl ein, während ich in meinen Geburtstag hineinprollte – und bei „Für immer Punk“ von den Goldenen Zitronen wurd’s dann noch mal richtig feierlich. Ladde an der Gitarre abzufeiern, wurde zum Running Gag zwischen den Songs. Natürlich war ich einmal mehr schwer begeistert; die Band war mit ihrem Auftritt hingegen anscheinend nicht sonderlich zufrieden. Mir war’s (Achtung, Wortspiel) ladde, denn um irgendwelche Fehler, Verspieler etc. mitzubekommen, war ich eh zu euphorisiert (bzw. voll) und von meiner eigenen Party eingenommen. Wenn ich feiern will, dann feier ich, egal, wie gut oder schlecht die Band gerade drauf ist. Die Nacht nahm einen angenehmen Ausklang während einer chaotischen Odyssee in größerer Gruppe zurück auf den Kiez und ich konnte ein weiteres Lebensjahr abhaken bzw. einläuten. Danke, Jungs!