DMF-Gitarrero und Eierkopp Kai hat sich erlaubt, mal wieder ein Jahr mehr auf s Kerbholz zu kriegen und lud deshalb zur öffentlichen Gratis-Geburtstags-Eska(i)liererei auf den altehrwürdigen Hamburger Gaußplatz ins El Dorado, die kultige Platzkneipe. Wir Motherfuckers sollten spielen, kündigten nach längerer Zeit ohne richtige Proben in weiser Voraussicht aber eine „öffentliche Probe“. Als zweite Krachmacher wünschte er sich ausgerechnet meine andere Combo BOLANOW BRAWL. So wurd’s der erste Abend überhaupt, an dem ich mit beiden Bands ran musste und ich hatte keine Ahnung, ob das klappen würde – aber wo, wenn nicht auf dem Gaußplatz kann man so was mal probieren? Der Abend ließ sich bei Bier und Nudelsalat dann auch gut an, bis wir uns mit BOLANOW BRAWL zu fünft in der kleinen Hütte verteilten, um unser Set durchzurocken. Die Bude war wie üblich gefüllt mit Platzbewohnern und anderem Volk und eigentlich lief alles gut durch, Wurzel besorgte den passenden Sound, Getränke gab’s satt und den Anwesenden schien’s zu gefallen. Ab und zu vernahm ich seltsam schiefe Töne, schob das aber auf den Alkoholkonsum meiner Mitstreiter. Erst hinterher erfuhr ich, dass Bassist Stulle zwischendurch sein Plektrum zerschredderte und in der Enge des Kneipe auch mal ein ganzer Gitarren-Amp runterflog – das Plek war unwiederbringlich verloren, dem Amp geht’s aber nach wie vor gut. Beim vorerst letzten Song „Where is my Hope“ verpasst e ich glatt den Einsatz zur zweiten Strophe, aber das hat vermutlich keine Sau gemerkt. Da Publikum, allen voran „Organisator“ Kai sprang zu Teilen vergnügt vor meiner Nase herum und mittlerweile habe ich mich ja schon fast daran gewöhnt, dass man mir in die Brustwarzen kneift, an den Sack greift und mich mit Bier bespritzt. Dass ich mitten im Song abgeknutscht werde, war jedoch selbst mir neu – an dieser Stelle hätte ich gut das Schild gebrauchen können, das seit einiger Zeit im Internet kursiert: „Während des Auftritts bitte nicht am Sänger lutschen!“ Als Zugaben ließen wir es uns nicht nehmen, KACKSCHLACHT zu covern (again: Wenn nicht hier, wo dann?!) und noch mal „Total Escalation“ zu diddeln. Dann war für die anderen Brawler Feierabend, während ich mich notdürftig für den nächsten Gig zu regenerieren versuchte. Ein nicht ganz so einfaches Unterfangen, denn wie ich feststellen musste, war der Sauerstoffgehalt in der Bude mittlerweile längst unters Existenzminimum gesunken. Demensprechend im Arsch war ich dann, als wir mit DISILLUSIONED MOTHERFUCKERS begannen – wenn wir denn überhaupt begannen, denn die dreiköpfige Saitenfraktion hat erst mal einen Sound fabriziert, von dem ich nicht wusste, wo er herstammte, jedenfalls nicht aus unserem Proberaum! Gefühlte Stunden wurden dann damit verbracht, die Instrumente und sich aufeinander abzustimmen zu versuchen, und irgendwie blieb’s beim Versuch… Kai hatte als Geburtstagskind die deutlichste Schlagseite und so richtig fit waren wir alle nicht mehr, der Alkohol forderte seinen Tribut und so gab’s ein reichlich chaotisches Set, zerhackstückt durch etliche Stimmpausen, während derer ich immer wieder darauf hinwies, dass es sich eine Probe handelt. Hätte eigentlich nur noch gefehlt, dass wir wie im Proberaum Kippenpausen einlegen… Das Publikum hielt uns trotzdem die Treue und war selbst alles andere als nüchtern – ich möchte wetten, der eine oder andere bemerkte gar keinen Unterschied :D. Die Live-Premiere des neuen Stücks „IS-SS“ sah dann so aus, dass einfach irgendetwas gespielt wurde, auf das ich es immerhin schaffte, den gesamten Text unterzubringen. Ich war mittlerweile völlig fertig, bekam gegen Ende kaum noch einen Ton heraus und japste nach Luft, war froh, als es vorbei war – böse Zungen mögen behaupten, ich wäre nicht der einzige gewesen. Die Party allerdings ging anschließend noch fröhlich weiter und war vom Feinsten! Danke an Kai und den Gaußplatz, speziell an Wurzel und die Tresen-Mann- und Frauschaft sowie das unverstörbare Publikum! Fazit: Astreine Party und aufschlussreiches Experiment, aber so’nen Doppel-Gig mach ich nicht noch mal. Und um Geburtstags-Motherfucker Kai in Bezug auf den DMF-Gig zu zitieren: „Das einzige, was gestimmt hat, war der Alkoholpegel!“


Nachdem Sänger Tor seinen Lebensmittelpunkt von London nach Hamburg verlagert hatte, hat er mit neuen Leuten seine Band LUCIFER STAR MACHINE neu aufgebaut. So sind nun u.a. Norman und Timo von SMALL TOWN RIOT als Gitarrist respektive Drummer dabei. Der erste Gig in neuer Besetzung fand am 23.01.2015 im Hamburger Kraken statt und natürlich war auch diesmal die sympathische Kiez-Punk-Kneipe voll mit interessiertem Mob. Ich hatte es vermieden, vorher in die alten Aufnahmen hereinzuhören, wollte mich überraschen lassen – mein erster Eindruck sollte LIVE entstehen. Meine schlimmsten Befürchtungen waren, dass mich biederer, prolliger oder schlicht belangloser Schweinerock erwarten würde, doch davon ging ich natürlich nicht ernsthaft aus. Um es auf den Punkt zu bringen: Ich wurde sogar positiv überrascht. LCM zelebrierten dreckigen Punk’n’Roll mit, vor allem durch Tors Gesang, MISFITS- bzw. DANZIG-Kante, bei dem sofort der Funke übersprang. Das hatte Druck, Attitüde und Asi-Charme, wurde sehr souverän dargebracht und wusste bestens zu unterhalten – genau das Richtige nach einer stressigen Arbeitswoche im noch jungen Jahr. Dann und wann durfte ein Refrain durchs Mikro mitgegrölt werden und mit dem GG-ALLIN-Cover „I Kill Everything I Fuck“ bewies man guten schlechten Geschmack. Das Publikum nahm’s sehr gut an und entpuppte sich als gut durchmischt, Punks trafen auf Metal-Kutten und die Turbojugend (naja…) hatte sich auch unters Volk gemischt. War ‘ne feine Sause und dürfte in den Clubs nicht nur der Republik wieder gut durchstarten!
Die Bochumer Fun-/Satire-Punk-Truppe DIE SHITLERS gab mir mit der im Hamburger Kraken stattgefundenen Release-Party ihrer neuen Platte (und das als Bochumer Band – haben wohl in Bochum keine Fans ;)) die Möglichkeit, nach dem Gig, den sie kurz zuvor im Vorprogramm der EIGHT-BALLS-Reunion absolviert hatten, sie mir einmal aufmerksamer zu begutachten, und tatsächlich zündete ihr Humor diesmal gleich bei mir. Dialoggefechte, in denen sich das Trio gegenseitig beleidigt, obskure alkoholische Getränke, die es sich einverleibt und viele bekannte Melodien mit die eigene Subkultur (und mehr) aufs Korn nehmenden Texten boten kurzweilige, angenehme, anarchische Unterhaltung einer Band, die sichtlich Spaß daran hat, was sie so treibt, gleichzeitig aber auch den Eindruck vermittelt, eine gewisse Distanz zum Punk-Zirkus zu wahren, um ja nicht mit den diversen Klischees in Verbindung gebracht zu werden. Quasi so, als behalte sie sich das Hintertürchen offen, jederzeit behaupten zu können, sich ja lediglich darüber lustig zu machen. Dem gegenüber steht aber das durchaus vorhandene musikalische Talent in Sachen melodischen Punks und Hardcores, das dazu führte, dass ich den einen oder anderen Song doch eigentlich ganz gerne komplett gespielt in den Originalversionen gehört hätte. Gefühlt war man meines Erachtens auch ziemlich schnell mit dem Programm und der Show durch, dafür mischten sich die Jungs anschließend unters Publikum des gut gefüllten Krakens, tranken mit und ließen sich in Gespräche verwickeln, was einen sympathischen Eindruck hinterließ. Die beiden zum Spottpreis von je 5 Eiern verscherbelten CDs hab ich mir dann auch gleich zugelegt, mir aber noch in derselben Nacht klauen lassen. Der arme Dieb – bzw. was muss der von mir und meinem Musikgeschmack denken?! 😀 Egal. Ich glaube, die SHITLERS wären reif für einen Gig mit BOLANOW BRAWL, z.B. im Bochumer Raum…

Nach unserer letztjährigen Schmach, zu Zeiten, als der Kraken noch Skorbut hieß, konnten wir froh sein, dass man uns wieder in diese sympathische Punkrock-Kneipe mitten auf dem Kiez lud und beschlossen, diesmal das Gesaufe auf nach den Gig zu verschieben. Im Gepäck hatten wir einen neuen Song zur Uraufführung und im Nacken zahlreiche Konkurrenzveranstaltungen, von der Flora über den Gaußplatz bis hin zu MOTÖR-fuckin‘-HEAD und einem euphemistisch „Hooligans gegen Salafisten“ genannten Fascho-Aufmarsch in Hannover am nächsten Tag, zu dessen Gegenveranstaltung ebenfalls der eine oder andere frühmorgens aufzubrechen gedachte und ihm demnach vernünftigerweise weniger der Sinn nach einem Bolanow-Rausch in der Nacht zuvor stand. So sah es längere Zeit eher mau aus, was den Publikumsandrang betrifft. Zum Startschuss gegen 22:45 Uhr aber kamen aus allen möglichen Ecken plötzlich zahlende Gäste, so dass die Party mit stattlicher Anzahl Feierwütiger gesichert war! Was den Sound betraf, machte es sich bezahlt, dass wir (nachdem ich mit beiden Bands zuletzt paar Soundprobleme im Skorbut bzw. Kraken hatte) trotz Zuspätkommens in aller Ruhe einen ausgiebigen Soundcheck mit Soundmensch Andy absolviert hatten. Ohne Gefiepe, Rückkopplungen etc. und unverwaschen klangen wir so, wie wir es wollten und dank reparierter Hochtöner in den Boxen konnte ich mich auf der monitorlosen Bühne selbst ebenfalls prima hören. Der neue Song „Tattooed Like Me“ funktionierte ebenfalls problemlos und so bekam der Mob zwölf Bolanow-getränkte Streetpunk-Songs von uns, welcher es uns mit Tanz und Gejohle dankte. Trotz zahlreicher Aufforderungen zogen wir uns nicht aus, sondern gaben mit unserem OXYMORON-Cover und der Wiederholung des Openers „Total Escalation“ für alle Zuspätgekommenen noch zwei Zugaben, bevor sich die Bandkollegen ihren wohlverdienten Alkoholrausch am Tresen abholen konnten. Ich bin der Meinung, dass das einer unserer besten Gigs bis dato war; klar gab’s hier und da kleine Verhacker, aber sonst lief alles molto bene und hat arschviel Laune gemacht. Danke an alle, die uns MOTÖRHEAD & Co. vorgezogen und uns unterstützt haben sowie an die Kraken-Crew für den geilen Abend!