Günnis Reviews

Autor: Günni (page 76 of 111)

PLASTIC BOMB #72

(www.plastic-bomb.de)

Die neue Bombe trägt ihren Namen endlich mal wieder wirklich zurecht, denn bombig geworden isse, die aktuelle Ausgabe. Ich habe das Gefühl, dass man sich, wie es die letzte Ausgabe bereits erhoffen bzw. erahnen ließ, auf alte Stärken besann und vor allem wieder ein richtig engagiertes, festes Team hat, das an einem Strang zieht. Die internen Strukturänderungen nach dem Wegfall langjähriger Schreiber und Mitherausgeber scheinen abgeschlossen und man kann man frohen Mutes in die Zukunft blicken. Das wird am deutlichsten in den Vorworten, in denen sich endlich auch mal Leute wie Dirk und Ullah gleichberechtigt zu Wort melden. Micha freut sich über die vielen Reaktionen auf die letzte Bombe und wird ein paar ehrliche, längst überfällige Sätze zur höchst durchschnittlichen, seit Jahren anhaltenden Tonträgerveröffentlichungsflut los, Helge geht auf sein National“sozialismus“-Special in der „Anders le(s)en“-Rubrik ein, Ronja stellt all die relativ neuen Plastic-Bomber vor und plaudert auch ansonsten viel aus dem Nähkästchen, was sogar soweit geht, dass sie uns zuallererst darüber in Kenntnis setzt, nicht mehr mit ihrem Freund zusammen zu sein (was mich verwunderte, denn viel Persönliches gab sie in der Vergangenheit ja nicht unbedingt preis). Dirk geht auf verschiedene Punkfestivals ein, Ullah stellt sich ausführlich vor und erzählt von seiner Deutschpunk-Leidenschaft und auch Basti ergreift die Gelegenheit zu einer (späten) Vorstellung. Ein Highlight ist das kritische, aber sehr faire, interessante Interview mit SLIME-Sänger Dirk, das Ullah und Micha führten, Ronja war auf dem „Break The Silence“-Festival und schreibt einen sehr anschaulichen Bericht, Jay Bentley von BAD RELIGION stellt sich den Fragen von Micha und Philipp, was sich auch für Nicht-Fans der Bands informativ liest, außerdem wird der Fanziner-Kollege vom Useless-Zine ausgequetscht, der mit seinem Projekt neue Wege der Veröffentlichung ausprobiert. Andi führte ein ausführliches Gespräch mit der RIOT BRIGADE und zeigt sich zusammen mit Henni etwas enttäuscht von den Antworten der US-amerikanischen HC-Punkband SOCIAL CIRCKLE, die ich persönlich gar nicht als so nichtssagend empfand. Sehr detailliert wird es dann im Bericht vom schwedischen „Punk Illegal“-Festival, der humorvoll von gleich mehreren Leuten geschrieben wurde und anschließend im Interview mit einer der Organisatorinnen auch auf die politische Intention der Veranstaltung eingeht. Meines Erachtens ein weiterer Höhepunkt des Hefts. Bemerkenswert auch das Interview, das Ronja mit ANTITAINMENT führte, bei dem man zunächst nicht so recht warm miteinander wurde. Sehr enttäuscht war ich hingegen vom Gespräch Ronjas mit Thorsten von der Horrorpunkband THE OTHERS, der gleichzeitig das Label Fiendforce Rec. (von Ronja konsequent „Fienforce“ genannt) betreibt, Chefredakteur einer Porno-Postille und auch noch des Magazins „Kinkats“ ist, dem „Playboy für die Subkultur“, wie Thorsten es nennt und von dem ich mich frage, wer so etwas braucht?! Dieses Interview hätte soviel Raum und Anlass zur kritischen Auseinandersetzung geboten, aber Ronja macht leider nicht viel draus und lässt zum wiederholen Male trotz angeblicher Abneigung gegen sog. „Grauzonen-Bands“ etc. vollkommen unerwähnt, was für ein reaktionärer alter Sack Bibelrocker ALICE COOPER mittlerweile geworden ist. Sehr schade. Toxo und Henni unterhielten sich mit den RESTARTS und auch hier wurden für meinen Geschmack die richtigen Fragen gestellt, was zu einem lesenswerten Ergebnis führte. Für ein Kurzinterview knöpfte Basti sich die alten Antifa-Oi!-Recken von THE OPPRESSED bzw. deren Kopf Roddy Moreno vor und Henni nahm sich der seltsamen Berliner KOTZREIZ an, die einen unbändigen Spaß am Reproduzieren von Deutschpunk-Klischees zu haben scheinen und es als vergnügliches Abenteuer ansehen, durch die Gegend zu tingeln und all die Unannehmlichkeiten auf sich zu nehmen, die das Dasein als „kleine“ für Spritkohle in Jugendzentren spielende Band so mit sich bringen. Das klingt für mich alles irgendwie nach Hobby von ein paar gelangweilten Leuten, die eigentlich fest im bürgerlichen Leben stehen und wirkt auf mich ehrlich gesagt nicht ganz ernst gemeint. Ist das so’ne Art Verarschungsprojekt? An Bastis Interview mit den italienischen Skapunks TALCO gefallen mir besonders deren Antworten, die beispielsweise an ihren Landsleuten kein gutes Haar lassen und harsch die italienische Mentalität kritisieren. Björn besuchte ein ANGRY-SAMOANS-Konzert, war davon nicht sonderlich begeistert und unterhielt sich mit Bill, während Sänger „Metal Mike“ noch eine etwas wirr erscheinende E-Mail hinterherschickte. Zu guter Letzt wurden noch die Hannoveraner Lindenstraße-Freaks FRANZ WITTICH vors Mikro gezerrt, die ein paar ziemliche Plattitüden von sich geben und keine Lust aufs Force Attack und auf Oi! haben. Eine weitere Neuerung scheint mir zu sein, dass Stanley Head nun auch DVD rezensiert, was er ziemlich gut macht. Damit möchte ich noch auf die Rubriken eingehen, die diesmal ohne „Führerecke“, „Herstory“ und „Geschichten aus der Gruft“ auskommen müssen, aber dafür wieder eine brillante Kolumne von Chefsatiriker Chris Scholz beinhalten („Der arme Köhler. Der beste Bundespräsident, den wir je hatten. Keiner seiner Vorgänger konnte den Menschen in diesem unserem Lande bisher besser vermitteln, wie überflüssig so ein Bundespräsident ist.“). Stanley Heads Ska-Ecke darf natürlich ebenso wenig fehlen wie die Exoten-Punk-Reviews und Vascos großartige „Wunderbare Welt der Propganda“, in der er sich diesmal der augenwischenden Medienhysterie um die „Griechenland-Hilfen“ widmet. Im zweiten Teil des „Anders le(s)en“-Specials empfiehlt Helge weitere Bücher zum Thema National“sozialismus“ und tonnenweise Tonträger- und Fanzine-Kritiken sind natürlich ebenso obligatorisch wie die Termine und News, die diesmal auf ihrer ersten Seite leider irgendwie falsch gesetzt und daher die Zeilenanfänge abgeschnitten wurden. Das blieb aber zum Glück der einzige grobe Layoutpatzer dieser Ausgabe, die außerdem ein USA-Tourtagebuch der UPRIGHT CITIZENS aus dem Jahre 1985 (!) enthält, das einer Zeitreise gleicht und sich nicht nur wegen des großen zeitlichen Abstands hochinteressant liest. Gerne in Zukunft mehr solcher Schmankerl! Vielversprechend ist in jedem Falle auch Ullahs „Deutschpunk-Tribunal“, für das er sich jetzt regelmäßig hoffnungsvoller Krachcombos annehmen möchte – den Anfang machen FRONTEX. Nicht unerwähnt lassen möchte ich auch Ronjas Top-Ten der Punkplatten mit Frauengesang, die natürlich schwer subjektiv ist, in deren Anbetracht ich mich aber frage, ob Ronja schon einmal etwas von den PLASMATICS gehört hat…? Puh, ich tipp mir hier die Finger wund, aber nicht ohne Grund: Die neue Bombe ist die beste seit langem, die neuen Teammitglieder bringen einen verdammt frischen Wind ins Heft, trotz einiger großer Namen bei den Interviews bleibt genügend Platz für den Underground und alles in allem wirkt sie wieder richtig rund und sympathisch. Auffallend ist das starke Engagement Ronjas, die (von o.g. Interview einmal abgesehen) immer besser wird und mir diesmal auch weniger von oben herab erschien. Weiter so – und am besten noch Rubriken wie „Menschliche Zeitbomben“ reanimieren! Kommt wie immer mit „Pay-To-Play“-CD und kostet in Deutschland 3,50 EUR. Günni

NEW DEVICE – TAKIN’ OVER CD

(www.poweragerecords.com) / (www.myspace.com/newdevice)

Die 2007 gegründeten Londoner NEW DEVICE wollen hoch hinaus – im Infowisch zum Debütalbum ist direkt von Stadionrock und großen Bühnen die Rede und immerhin haben sie auch schon für Bands wie BON JOVI und EUROPE eröffnet. Ja, ihr lest richtig – mit ihrem hochkommerziellen, glatt polierten Hardrock passen NEW DEVICE zu diesem Online-Fanzine wie Ottfried Fischer in einen Kleinwagen, nämlich GAR NICHT. Keine Ahnung, warum wir plötzlich mit so etwas beehrt werden. Hat man uns auf dem Weg in die Rockarenen dieser Welt so nötig? Haha. Bei aller Kalkulation erscheint die Platte jedenfalls recht abwechslungsreich, als wolle man ein möglichst breites (bzw. breitgefächertes, wir sind hier schließlich nicht bei den DIMPLE MINDS) Publikum ansprechen. Ein paar Songs rocken ganz ordentlich drauf los und würden anders produziert bzw. in einem anderen Kontext vielleicht tatsächlich die GUNS N’ ROSES- oder GLUECICOPTERS BABIES-Fraktion ansprechen. Auch ein paar passable Metalriffs haben sich unter das Gejaule des Sängers gemogelt. Andere Songs hingegen sind auf Radiotauglichkeit getrimmte Schmachtfetzen, die unglaublich klinisch klingen. Außerdem wird die Stimme des Sängers bei manch hohen Tönen ganz schön dünn. Fazit: Crazy-United-inkompatibler Kommerzrock, der auf mehreren Hochzeiten zu tanzen versucht und einen Spagat zwischen dem Stadion-Hardrock der 1980er und moderner klingenden Produktionen versucht. Professionell und langweilig. Die CD kommt im Pappschuber mit alternativem Cover, das Booklet enthält die Texte und ein Bandfoto. Zwölf Songs in 46 Minuten. Ohne Wertung. Günni

BRDIGUNG – TOT ABER LEBENDIG CD

(www.brdigung.com) / (www.antirockstar.de)

Kiek an, wat neues von der BRDIGUNG. Das Debütalbum vor zwei Jahren fand ich ja noch durchwachsen, konnte aber viele gute Ansätze erkennen. Und jetzt? Hat man fast alles richtig gemacht. Die Jungs spielen immer noch ihren treibenden Metal-Punk, aber die geniale Lead-Gitarre kommt noch geiler rüber und fiedelt sich einen ab, dass manche Metal-Band vor Neid erblassen dürfte. Der Gesang ist rauer geworden und die düsteren, ausschließlich in deutscher Sprache vorgetragenen Texte sind besser. Dabei wird ein breites Spektrum abgedeckt: Von persönlich bis kritisch, dabei oft voller Pathos und manchmal etwas ZU dick aufgetragen, aber nur noch selten holprig, dafür umso öfter richtig gut. Und glücklicherweise beließ man es bei einem einzigen selbstbeweihräucherndem Song der Frankfurter Schule. Kräftige Refrains zum Fäusteballen, ein paar Chöre zum Mitgrölen und eine fette Produktion machen das Vergnügen perfekt. Im alle Texte enthaltenden Booklet präsentiert man sich mit professioneller Gestaltung und ebensolchen Bandfotos stylisch ohne Ende. Für Punk-Puristen ist das sicherlich nichts; aufgeschlossenere Menschen, die bei den Begriffen „Metal“ oder „Streetrock“ nicht gleich panisch die Flucht ergreifen, sollten aber unbedingt mal reinhören. Wem bereits das Debüt zusagte, kann blind zugreifen. Eine beachtliche Steigerung – von dieser Band wird man noch viel hören. 14 Songs in 48 Minuten ohne einen einzigen Ausfall! 2. Günni

BORDERPAKI – 1362 CD

(www.borderpaki.de) / (www.sn-punx.de)

BORDERPAKI aus Schleswig-Holstein gibt es mittlerweile schon seit 15 Jahren, trotzdem ist das dritte Album das erste, das ich in Gänze zu hören bekomme – bisher kannte ich die Band nur von Sampler-Beiträgen. Zu deutschsprachigem Gesang wird flotter, gekonnter, aber recht überraschungsarmer Punkrock der melodischeren Form dargeboten, dessen Riffs immer mal wieder verdächtig an die anderer Bands erinnern – zumindest teilweise aber beabsichtigt. Rübis Gesang ist klar und die von ihm vorgetragenen Texte pendeln zwischen Klischee, Betroffenheitslyrik und nicht recht zünden wollendem Humor auf der einen und norddeutschen Themen wie Sturmfluten (daher auch der Titel), Seefahrerromantik und bissiger Systemkritik auf der anderen Seite. Lyrisch ist man sehr bemüht, was mal mehr, mal aber auch weniger fruchtet, z.B. wenn sich „Maybach“ auf „Reibach“ reimt o.ä… Produziert ist das recht ordentlich, der Gesang kommt gut rüber und ist verständlich. „1362“ ist für mich ein durchschnittliches „Deutschpunk“-Album mit einigen guten Ansätzen. Etwas mehr Eigenständigkeit würden BORDERPAKI aber gut zu Gesicht stehen. Vom Bodensatz ihres Ex-Labels „Nix Gut“ sind sie aber glücklicherweise viele Seemeilen entfernt. Das Booklet enthält alle Texte und wurde ansprechend in Schwarzweiß gestaltet. Warum allerdings der Promo-Wisch die Band anpreist wie Sauerbier und dabei keine noch so abgedroschene Phrase auslässt, will mir nicht in den Sinn. Das finde ich echt peinlich und möchte ich an dieser Stelle aber nicht speziell auf Band bzw. Label gemünzt verstanden wissen, sondern auf ALLE Bands und Labels, die sich einem nicht näher definierten Underground zugehörig fühlen, aber derartige Werbeschreiben verbrechen. Nix für ungut. Zwölf Songs in 42 Minuten. 3. Günni

DIE ARBEITSLOSEN BAUARBEITER – LIVE IM SO36 BERLIN CD

(www.diearbeitslosenbauarbeiter.de) / (www.pukemusic.de)

DIE ARBEITSLOSEN BAUARBEITER aus Karl-Marx-Stadt haben im Dezember 2009 ein Live-Album im Kreuzberger SO36 aufgenommen, das zu beurteilen mir schwer fällt, da ich bisher quasi nichts von der Band kannte. Musikalisch würde ich das als Funpunk mit ein wenig Asi-Charme à la LOKALMATADORE oder so einordnen. Der Live-Sound klingt sehr ordentlich und macht Laune, scheint eine gelungene Party gewesen zu sein. Ein paar Ohrwürmer sind ebenso dabei wie Coverversionen der TOTEN HOSEN („Auswärtsspiel“), von BLUR („Song 2“) und von J.B.O. („Ein Fest“). Die Platte hat viel Energie und verleitet zum hektischen Mitwippen und Biertrinken, was das gut zu hörende Publikum sicherlich auch tat. Dem tut auch der lispelnde Sänger keinen Abbruch. Ohne lange Ansagen oder Pausen folgt ein Song auf den nächsten, bis nach 18 an der Zahl nach 48 Minuten der Ofen aus ist. Für Freunde der Band bestimmt eine gute Wahl, zumal die Songs – obwohl ich die Originale gar nicht kenne – klingen, als würden sie um einiges flotter als auf den Studioalben vorgetragen werden. Als Bonus wurden noch drei Videos auf die CD gepresst, davon ein im Proberaum aufgenommener Clip sowie zwei Live-Clips vom Konzert. Ohne Wertung. Günni

05.-07.08.2010: WACKEN OPEN AIR 2010

wacken_2010Mein erstes Wacken!

Zum Festival allgemein: Ich fand’s wirklich geil, besser als erwartet. Der absolute Großteil des sehr gemischten Publikums (Leute aus quasi allen Metalbereichen, derer es ja nun wirklich viele gibt, sowie aus anderen Subkulturen und vor allem aus aller Herren und Damen Länder) war sehr entspannt drauf, man hat sich gegenseitig akzeptiert und respektiert. Kein Vergleich zu gewissen Punkfestivals, wo oftmals aggressive Spannung in der Luft liegt und es öfter mal knallt. Ich habe keine einzige Schlägerei o.ä. mitbekommen. Dass es zu voll war, kann ich auch nicht bestätigen. Zumindest auf den Hauptbühnen (drei fette Bühnen nebeneinander auf dem Hauptfestivalgelände) konnte man immer alles sehen und wenn man zu weit hinten stand, hat die Regie sowohl Band als auch Publikum sehr gut auf den Videoleinwänden eingefangen. Natürlich war’s bei Iron Maiden z.B. drängelig, aber ich hatte einen Platz sowohl mit Sicht auf die Bühne als auch auf die Videoschirme. Manche Bands wie z.B. Torfrock oder Die Kassierer wurden aber auf zu kleine Nebenbühnen gepackt, da man mit einem so großen Andrang vielleicht nicht gerechnet hatte. Das war etwas unglücklich und wird hoffentlich in Zukunft anders gelöst. Was die weiten Wege betrifft: Wir sind auf Campingplatz A gelandet und hatten daher nun wirklich keine weiten Wege. Auf entlegeneren Zeltplätzen sah’s diesbzgl. sicherlich anders aus, aber irgendwo muss man so viele Menschen halt hinpacken. Mit den Wegen, die ich auf dem Lausitzring zurücklegen musste, war das aber alles kein Vergleich. Außerdem konnte man wirklich relativ schnell von einer Bühne zur nächsten wechseln und recht übersichtlich war’s auch alles. Mir erschien das Organisationskonzept ziemlich durchdacht und hab mich die meiste Zeit gut aufgehoben gefühlt.

Es war wirklich unglaublich, woher die ganzen Leute kamen. Anfangs habe ich beim Anquatschen fremder Leute häufig fragende Blicke geernet und gemerkt, dass die überhaupt nicht deutsch sprechen, weshalb ich mir irgendwann angewöhnt hatte, erstmal zu fragen if they are german. Ich hab einige nette Leute kennengelernt, lustige Gespräche geführt und durchgeknallte Typen gesehen. Besonderen Gruß an den Ostfriesen hier aus dem Board [Edit 2015: War ursprünglich ein Foreneintrag.], den ich traf und einige Zeit mit ihm verbrachte. Das war dann auch der einzige Tag, an dem ich mir paar Bierchen mehr reingezimmert hab. Ansonsten gab’s so viel zu entdecken und sich anzuschauen, dass zumindest ich nicht auf die Idee kam, aus purer Langeweile zu saufen oder sowas. Ständig war irgendwas los und für mich als Wacken-n00b war das natürlich alles irgendwie interessant. Nicht alles davon war gut, aber wie ich schon per PN an Betonleber schrieb: „Einfach mal was ganz anderes als so die Punk-Festivals, auf denen ich früher war. Also, feiern kannste da richtig gut, die Leute sind aber disziplinierter und entspannter als z.B. aufm Force Attack. Das hat mir echt gefallen diesmal. Die Bandauswahl war sehr abwechslungsreich. Ich war ja in erster Linie wegen Maiden da, hab mir aber auch einige andere Bands angeschaut. Fand ich interessant, einfach mal bischn den Horizont erweitern und Meinungen bilden. Für aufgeschlossene, interessierte Punks kann ich das empfehlen. Man sollte allerdings eine recht hohe P.C.-Schmerzgrenze mitbringen. Mir jedenfalls taten die ganzen Burzum-Shirts schon ziemlich in den Augen weh.“

Mal zu den Bands, bei denen ich mich nicht nach wenigen Minuten desinteressiert abgewendet habe:

Mambo Kurt – Ok, keine Band, sondern ein Heimorgelalleinunterhalter, der u.a. Scooter, Slayer, System Of A Down und Böhse Onkelz auf seiner Orgel intoniert und damit jede Party sprengt. Unglaublich geiler Entertainer, großartig!

Iron Maiden – Ein Traum ging in Erfüllung. Einfach geil. Hymnisch und atmosphärisch. Ich wusste ja im Vorfeld, dass sie im Gegensatz zu anderen Bands, die zwar fleißig (häufig uninteressante) neue Platten veröffentlichen, aber live nur die ewig gleiche Setlist runterleiern, sich auf neues Material konzentrieren würden. Die Songauswahl war bis auf zwei Ausnahmen auch wirklich gelungen. Dennoch war’s natürlich ein Wermutstropfen, dass nur ganz wenige Klassiker gespielt wurden. Aber ich bin ja selbst schuld. Hätte ich vor zwei Jahren meinen Arsch zur „Somewhere back in time“-Tour hochbekommen, hätte ich die volle Ladung Maiden Classics bekommen.

Slayer – Fingen irgendwie schwach mit neueren Songs und suboptimalem Sound an, wurden dann aber so richtig gut. Hat mir einen schönen Energieschub zu später Stunde beschert.

Anvil – Überraschend gut. Geile Live-Band, die sichtlich Freude hat, wieder so beachtet zu werden. Die pure Spielfreude, guter Metal zum Feiern.

Torfrock – Kamen supergut an und war ein geiler Auftritt. Leider war’s so dermaßen voll vor der kleinen, niedrigen „Wackinger“-Bühne (im Wacken-„Wickingerdorf“ – das wäre was für Lars gewesen), dass ich den norddeutschen Vikingrock in erster Linie hören, aber nicht sehen konnte.

Lizzy Borden – Professioneller US-Show-Metal mit übertrieben Schauspiel-Einlagen und reichlich Sexismus. Vom Biertresen aus kurios, aber höchst unterhaltsam anzusehen. Klingen live außerdem mit viel mehr Power als aus der Konserve.

Broilers – Guter Auftritt, wurden ebenfalls sehr gut aufgenommen. Leider viele Frei.Wild-Anhänger im Publikum und sogar ein Verirrter mit „Kategorie C“-T-Shirt. Die Broilers waren eine gelungene Abwechslung für meine metalgeschädigten Ohren.

Voivod – Enttäuschung. Nur zwei, drei alte Songs, überwiegend der langweilige neuere Kram. Aber dafür sehr geil: „Ripping Headache“ und natürlich „Voivod“. Das kam schon echt gut, die mal live zu hören.

Endstille – Nicht so mein Ding. Kreischiger Black-Metal-Krach. Dafür aber nette Show mit mexikanischem Gastsänger. Und ein Song wie „Frühlingserwachen“ kam dann irgendwie doch ganz gut. Zumindest memorabel.

Unleashed – Sehr anhörbarer Viking-Death-Metal (oder so).

Cannibal Corpse – Anfangs ja irgendwie witzig, dann aber irgendwann langweilig und mir echt zu stumpf.

Overkill – Find ich auf Platte bis jetzt nicht so doll, live aber gute Songauswahl und Laune machend. „Rotten To The Core!“

Die Kassierer – …spielten auf der Zeltbühne. Die war SO dermaßen überfüllt, dass sich schon außerhalb des Zelts die Leute stapelten. Dafür hat sich aber im Laufe Konzerts das Publikum durch Crowdsurfing ins Zelt hinein ausgetauscht. 😀 Ich hab die Band nur gehört, nicht aber gesehen. War der übliche Kassierer-Quatsch, diesmal ohne ausufernde Showeinlagen. Paar neue Songs wurden gespielt. Ist die Platte schon draußen?

W.A.S.P. – Rein interessehalber mal angeguckt. Mag ich eigentlich nicht sonderlich, finde aber zwei Songs sehr geil: „Scream until you like it“ und „I wanna be somebody“. Beide wurden gespielt, ersterer aber so schlecht, dass ihn erst gegen Ende überhaupt erkannt habe. „I wanna be somebody“ dann aber sehr geil. Dafür hat sich’s gelohnt. Außerdem hatte der eine Typ ’ne geile Kreissägen-Gitarre.

Immortal – Corpse-Paint-Black-Metal, betont evil und monoton. Kasperletheater.

Soulfly – Geil!

U.D.O. – Hammer! Genialer Sound und mit „Midnight Mover“, „Metal Heart“ und vor allem „Balls To The Wall“ mit die besten Accept-Songs gespielt. War mein letzter Wacken-Gig, den ich mir dieses Jahr angesehen hatte, und wurde hier endlich richtig heiser.

Am Mittwoch oder Donnerstag wollte ich eigentlich beim Metal-Karaoke auf der Hauptbühne mitmachen und „The Trooper“ von Iron Maiden singen, leider (oder zum Glück?) kam ich aber nicht mehr dran. Kein Wunder, wenn die anderen Leute irgendwelche Acht-Minuten-Songs nachsingen…

Das Wetter hat die meiste Zeit mitgespielt, meines Erachtens sogar zu doll. Das war ja schon Force-Attack-mäßig, wie die Sonne auf die Rübe gebretzelt hat.

Was da im Dorf los ist, ist kurios und beachtlich zugleich. An der Hauptstraße hat fast JEDES Haus irgendeinen Fress- oder Saufstand zu wesentlich günstigeren Preisen als auf dem Gelände aufgebaut und die Bewohner quatschen mit den Gästen und laden sie in den Vorgarten ein. Kinder fahren die Bierpaletten mit Go-Kart und Bollerwagen durch die Gegend etc.

Mir hat’s echt Spaß gemacht und ich komme gerne wieder.

Im Wacken-Forum sind übrigens einige Leute der Meinung, dass das Publikum immer schlimmer werden würde, ähnlich wie es hier bzgl. des Force Attacks diskutiert wurde. Keine Ahnung, ob das nur typische Internet-Meckerheinis oder „True-Metaller“, die es in ihrer armseligen Existenz nicht abkönnen, dass auch Typen wie ich da rumlaufen, sind, oder da wirklich was dran ist.

Hier mal meine Kritikpunkte, die ich dort gepostet habe (copy/paste):

„1. Super, dass es sanitäre Anlagen wie Duschen und Bezahl-WCs gab. Wenn ich aber schon satte 2,50 EUR für die Dusche bezahle, soll sie bitte auch über warmes Wasser statt wirklich EISkaltem verfügen und nicht nur tröpfchenweise funktionieren. Der Nachschub an Öl für die Duschen hat leider nicht richtig geklappt und das Personal am Eingang war nur unzureichend über den Zustand der Duschen informiert. Ähnliches gilt für die Bezahl-WCs: Aufgefüllte Seifenspender sind ein absolutes MUSS. Das Personal hatte aber leider keine Ahnung, wie Nachschub geordert werden kann und niemand fühlte sich zuständig. Das muss besser werden. Evtl. findet man auch eine Lösung gegen die verdreckten Böden in den Duschen…? Einzelkabinen wären auch etwas Feines, gäbe es da Möglichkeiten?

2. Preise für Waren des täglichen Bedarfs waren zu hoch. Versteht mich nicht falsch, viele Preise fand ich fair (Ticket, ’nen Zehner fürs Zu-früh-kommen, belegte Brötchen etc.), aber ’ne Buddel Billig-Mineralwasser z.B. sollte wesentlich günstiger abgegeben werden.

3. Für eine Band wie Torfrock ist die Wackinger-Bühne bzw. der Platz davor viel zu klein. Auch die Zeltbühne platzte bei mancher Band aus allen Nähten.

4. Der Versuch, Circle Pits zu unterbinden, war wirklich albern. Sollte das aber dazu geführt haben, dass Besucher deshalb Probleme mit dem Sicherheitsdienst bekommen haben, wird’s wirklich ärgerlich. Eine Kampagne, die sich gegen Violent Dancing ausspricht, würde ich befürworten – Pogo, Circle Pits etc. zählen aber NICHT dazu!

5. Bands wie die unsäglich gehypten Frei.Wild oder auch Varg würde ich persönlich nicht auftreten lassen. Ebenso würde ich das Tragen und vor allem den Verkauf von Burzum-Shirts untersagen.

6. Gab es tatsächlich keine Hähnchen-Döner auf dem Gelände? Habe zumindest keinen gefunden… nur Rind-Döner anzubieten ist nun wirklich nicht mehr zeitgemäß. Und die Gyros Pita war übrigens eine Beleidigung. Unschön fand ich auch, dass es nach U.D.O. am letzten Tag im Biergarten kein Pils mehr gab, aber auch keine Weizengläser mehr. Während man also ein Weizen aus ’nem normalen Becher trank, wurde um einen herum in Windeseile alles abgebaut und zugemacht, als solle einem deutlich gezeigt werden, dass man nicht mehr willkommen ist. Trinkkultur ist etwas Anderes… Gerade nach den letzten Tönen des Festivals sollte man noch in Ruhe ein paar Absacker trinken und dabei das Festival Revue passieren lassen können.

Mal meine paar Kreuzer zu ein paar kontroversen Themen:

Die Crowdsurfer gingen mir auch auf die Nerven, zumindest bei Iron Maiden. Da war’s mir echt zuviel. Ansonsten lasse ich den Leuten aber gern ihren Spaß. Wer surfende Mädels befummelt, hat was aufs Fressbrett verdient. Wer meint, eine leichtbekleidete Frau ist ein Freifahrtschein für sexuelle Belästigung, ist ein Arschloch.

Ich fand’s klasse, dass es soviel Verschiedenes zu gucken gab, inkl. Showwrestling. Kurzweiliges, trashiges Vergnügen, netter Ausgleich zum Bandsgucken. Die Wet-T-Shirt-Contests waren allerdings irgendwie grenzwertig…“

25.06.2010, Villa, Wedel: DRITTE WAHL + DOGS ON SAIL + ARRESTED DENIAL

Freitag DRITTE WAHL + DOGS ON SAIL + ARRESTED DENIAL in der Wedeler Villa. Spitzenkonzert, eines der besten seit langem. DOGS ON SAIL machten den Opener und waren fantastisch, ARRESTED DENIAL folgten und hatten einen wesentlich besseren Sound als im Hafenklang. Klasse Streetpunk mit genialer MAYTALS-Coverversion, von dieser Band wird man hoffentlich noch sehr viel hören. Dann DRITTE WAHL in der bis auf den letzten Centimeter gefüllten Villa. Auch hier ein großartiger Live-Sound, sympathisches Auftreten und eine unvergleichliche Atmosphäre. Bei einigen melancholisch angehauchten Hits bekam ich regelrecht Gänsehaut und bei einem uralten Song wie „Mainzer Straße“ entwickelte sich ein ganz besonderes Gefühl. Kann ich schlecht beschreiben, man sollte einfach selbst dabeigewesen sein. Als Sänger und Gitarrist Gunnar anfangs ständig der Mikroständer um die Ohren flog, befürchtete ich kurz, dass der Konzertort vielleicht dann doch etwas ZU klein für die Band ist, das die ganze Zeit so weiter geht und er sich womöglich noch die Kauleiste raushaut, aber im weiteren Verlauf ging alles gut. Er rückte ein klein wenig nach hinten und das euphorische Publikum nahm Rücksicht.

Zwischenzeitlich betrat jemand die Bühne, bedankte sich bei der Band und stellte die Frage in den Raum, welche in den 90er-Jahren ähnlich bedeutende deutsche Punkband heutzutage überhaupt noch solche Gigs spielt. Spontan fiel auch mir kaum jemand ein.

Respekt an die Band für den geilen Auftritt, Danke ans Villa-Team und Grüße und ebenfalls Dank an DOGS ON SAIL für den Gästelistenplatz.

EXKREMENT BETON – SCHÖN, STUR, ARROGANT CD

(www.plastic-bomb.de) / (www.myspace.com/exkrementbeton)

Von dieser Band habe ich mir ehrlich gesagt mehr versprochen. Die Platte dümpelt musikalisch langweilig vor sich hin, die Texte sind nichtssagend bis daneben und ich frage mich, worauf die Selbstverliebtheit der Band fußt. Einfachster Midtempo-Punkrock mit rauem Gesang, was ja nicht schlecht sein muss, hier aber so dermaßen durchschnittlich und austauschbar dargebracht wird, dass mir schon beim Schreiben dieser Kritik die Augen zufallen. Ein Lichtblick ist das SCHLEIMKEIM-Cover „Ich schau in deine Augen“, der Rest ist wenig memorabel. Und so richtig scheiße ist „Brandenburg“, eine Coverversion von STEAMs „Na Na Hey Hey Kiss Him Goodbye“. Als CD-Bonus gibt’s die „Jetzt wird’s schmutzig“-EP, die noch mal schrammeliger, aber dafür charmanter klingt. Nee, da hat Plastic Bomb schon wesentlich interessantere Bands herausgebracht. Im Booklet gibt’s Texte und Fotos und die Spielzeit beträgt 40 Minuten bei 15 Songs + Intro. 4. Günni

DIE SHENKS – ENDLICH ACHTZEHN – JETZT EIN GLÄSCHEN SEKT CD

(www.platzda-produktion.de) / (www.dieshenks.de)

Auf dem Bandfoto dominieren graumeliertes bis nicht vorhandenes Haupthaar (ok, ehrlich gesagt nur bei 2/5), es handelt sich also augenscheinlich um eine Altherrencombo, die es noch mal wissen will. Dementsprechend entspannt wird der melodische Punkrock in deutscher Sprache vorgetragen, der durchaus etwas Hymnisches hat, mir persönlich aber zu sehr mit angezogener Handbremse unterwegs ist. Nee, jetzt mal Butter bei die Fische: Das ist vollkommen austauschbares Lala-Gedöns, die Stimme des Sängers ist scheiße und die Texte ebenso. Vermutlich ein Hobby-Projekt, das besser nie die Garage des fast abbezahlten Eigenheims verlassen hätte. Können auf lokalen Stadtfesten auftreten, wo die bierbäuchigen Mittvierziger-Kumpels an der Festzeltgarnitur zustimmend nicken und zuprosten, aber mehr auch nicht. Trotzdem möchte ich der Band ein gewisses Gespür für gefällige Melodien attestieren, die angereichert mit Tempo, Wut und so etwas wie Attitüde vielleicht mal zu richtigen Punk-Nummern reifen könnten, sofern man das überhaupt will. Zur Aufmachung kann ich nicht viel sagen, da mir nur eine Vorab-Version im Pappschuber vorliegt. Zum Glück nur fünf Songs in zwölf Minuten. 5. Günni

SUPABOND – NARBEN CD

(www.plastic-bomb.de) / (www.myspace.com/supabond)

SUPABOND haben sich ja zurecht einen guten Namen erspielt und dieses Album wird mit Sicherheit dazu beitragen, dass dieser wie selbstverständlich fallen wird, wenn es um wütenden, engagierten, deutschsprachigen Punkrock geht. Diese Platte ist ein echter Kracher geworden. 15 kurze Songs lang geht’s in bester TOXOPLASMA-Manier ab wie die Lutzi, getragen von der hervorragenden Sängerin. Die Texte sind eher persönlicher Natur, klischeefrei und eigenständig. Gefällt mir echt gut und es freut mich, dass heutzutage doch noch solche Platten rauskommen und Bands diesen Sound spielen, ohne längst Vergangenes zu kopieren oder in beschränkten Allgemeinplätzen zu verharren. Authentisch, kraftstrotzend und voller Energie – Respekt! Allzu viele Worte will ich auch gar nicht weiter verlieren, hört euch diesen Wirbelsturm einfach selbst an – ihr werdet es nicht bereuen. Einzig die NOTDURFT-Coverversion von „Süße Heimat“ gefällt mir im Original besser. Die Texte sind im Booklet nachzulesen und das Hörvergnügen dauert 34 kurzweilige Minuten. 2. Günni

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