
Dass schon wieder ein Jahr rum ist, merkt man i.d.R. daran, dass die Wedeler Namensvettern Lars und Lars das Frühjahr mit ihrer Geburtstagsparty einläuten, einer festen Institution im Wedeler Veranstaltungskalender. Wie üblich findet die Sause in Form eines Punk/HC-Konzerts in der für solche Unterfangen prädestinierten Villa statt, die u.a. durch unmittelbare Bahnhofsnähe glänzt und dadurch auch zum attraktiven Ausflugsziel vieler Hamburger wird, denen man ja sonst gern eine gewisse Reisefaulheit selbst nur über Stadtteilgrenzen hinweg nachsagt. Zu meiner besonderen Freude durfte ich erneut nicht nur als Gast, sondern als Akteur mit von der Partie sein, diesmal in meiner Funktion als Sänger von BOLANOW BRAWL. Nach den ersten Freigetränken und der Verköstigung deliziösen Chili con Veggie-Carnes begannen wir ich glaube gegen 21:30 Uhr und, ja, in den vergangenen Jahren dürfte die Villa etwas voller gewesen sein. Doch auch so konnten wir uns über mangelnde Resonanz nicht beklagen. Die vielleicht 50, 60 Männ- und Weiblein sahen unseren ersten Wiedergutmach-Gig nach der alkoholbedingten Vollkatastrophe im Skorbut und damit eine Band, die sich nach eben jenen Erfahrungen ein klein wenig, naja, „seriöser“ darstellte und konzentrierter als zuletzt. Das resultierte in einem weitestgehend fehlerfreien Gig, der auf der Bühne genauso viel Spaß machte wie hoffentlich davor, wo manch einer Tanzbeine schwang, skandierte oder wenigstens grobmotorisch zuckte. Die Setlist wurde umgekrempelt, ganz bescheiden begannen wir mit Oxymorons „We Rule Ok“, das sich nun seinen festen Platz im Set gesichert hat, und präsentierten mit „Man on the Run“ ein brandneues Stück. Als eigentlich nicht geplante Zugabe gab’s noch einmal „Total Escalation“ und dann war der Drops gelutscht. Der fähige und sehr entgegenkommende Mischer dürfte uns einen guten Sound zurechtgefriemelt haben, denn der Soundcheck lief gut und auch die folgenden beiden Bands klangen klasse. Nun konnten auch wir also so richtig zu feiern beginnen und zogen uns FIRM HAND rein, eine Hamburger Nachwuchs-Hardcore-Combo mit sehr fitten Musikern, zwei zünftigen Gitarren und einem engagierten, aggressiven Shouter. Einer der Höhepunkte des Sets war die THIS-BELIEF-Coverversion „Justice“, dargeboten zusammen mit Ex-THIS-BELIEF-Frontmann Valentin. Ein absolut überzeugender Gig, wenn auch in manche Ohren so’n knochentrockener, schnörkelloser Hardcore-Sound nicht ganz so glatt reingeht wie melodischeres Zeug und das Publikum sich vermutlich deshalb in erster Linie in rhythmischem Kopfnicken und interessiertem Anschauen/Zuhören übte. Die famosen DOGS ON SAIL waren im Vorfeld eine meiner Wunschbands für das Konzert und ich hab mich sehr darauf gefreut, einmal mit ihnen zusammenspielen zu können. Die sympathischen Hamburger Streuner haben mittlerweile 2,5 geile Platten draußen und den Sängerwechsel unbeschadet überstanden. George ist ein charismatischer und sicherer Frontmann, der mit die Band mit Street-Credibility versieht und sich voll reinhängt, den hymnischen Punkrock-Songs seinen eigenen Stempel aufdrückt. Insofern ist es mir absolut unverständlich, weshalb offenbar ein Teil des Publikums nach FIRM HAND bereits gegangen war und die Verbliebenen überwiegend die von uns propagierte totale Eskalation verweigerten!? Mir jedenfalls war nach Party zumute und so feierte ich jeden Song gebührend ab, inkl. des KIM-WILDE-Covers „Kids in America“, das nun nicht mehr Drummer Flo, sondern ebenfalls George ins Mikro schmettert. Klasse Songs und klasse Gig einer Band, der ich etwas mehr Publikumsresonanz gewünscht hätte. Aber auch so war’s mal wieder ein überaus gelungener Abend, der wie üblich in einer feuchtfröhlichen Rückfahrt per S-Bahn mündete, während der der HVV-Knigge in mancherlei Hinsicht ignoriert wurde. Danke an Lars, Claudia, Lars und die Villa – bis nächstes Jahr!

Ein Montagabend im Zeichen des Metals. Bandprobe abgesagt, pünktlich Feierabend gemacht und auf zur Markthalle (bzw. deren kleiner Schwester, dem MarX), leider allein – niemand in meinem Freundeskreis ist so irre, an einem Montagabend ein solches Konzert aufzusuchen. Egal, vorgenommen, nüchtern zu bleiben und den Bands, ähm, „interessiert zu folgen“, was bei Metal-Shows eigentlich immer ganz gut klappt. Kutten wohin das Auge blickt, entspannte Leute, und ein pünktlicher Start von GENGIS KHAN. CSU-Bonze Leslie Mandoki zu feuern war längst überfällig, die musikalisch etwas härtere Ausrichtung stand der Band auch nicht schlecht zu Gesicht und besonders der Drummer lieferte eine geile Show, ließ die Sticks kreisen, warf sie hoch, fing sie wieder auf und durfte die Chose durch ein gelungenes Drum-Solo auflockern. Das Songmaterial erschien mir trotz allem aber eher unspektakulär und auf den alten Smashhit „Dsching, Dsching, Dschingis Khaaan, hey Reiter, ho Reiter…“ musste ich ganz verzichten. Oder hab ich da was verwechselt? Im Ernst: Italo-Metal der okayen Sorte.
Endlich mal wieder die schottischen Anarchos von OI POLLOI, und dann auch noch zusammen mit dem HAMBURGER ABSCHAUM, der nun endlich sein Album draußen hat – das klingt nach ‘ner geilen Party! Dank BOLANOW-BRAWL-Gesangsaufnahmen schon gut angeheitert, kam ich reichlich spät und hatte Glück, überhaupt noch in die rappelvolle Lobusch hineingelassen zu werden. Dort gab der ABSCHAUM gerade sein eigens für den Soli-Sampler für die Lampedusa-Flüchtlinge eingespielten Song zum Besten, der zum Fäusterecken und Mitgrölen einlädt und wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, folgte das mittlerweile hinlänglich bekannte Programm mit all seinen Hits, das entsprechend gefeiert wurde. Die Lobusch glich allerdings mittlerweile einer Sauna, worunter meine Kondition litt. Ein paar Bieraufgüsse später standen OI POLLOI auf den Brettern und wie einen guten Wein hätte ich die altbekannte Show mit den längst zu Klassikern gewordenen Ansagen und Show-Elementen – wie immer vorgetragen in höchst respektablem Deutsch! – genießen können, wäre der raue, schnelle Hardcore-Punk der Band nicht derart aufpeitschend gewesen, dass ich mich wider alle Vernunft in den Pogo-Mob stürzte und angesichts meines desolaten Zustands vermutlich mehr herumstolperte, als, äh, tänzerische Akzente zu setzen. Ein nasser Sack wäre Fred Astaire dagegen gewesen. Ächzend und keuchend fand ich irgendwann in der Nacht dann glücklicherweise noch den Weg nach Hause. Irgendwie ganz schön anstrengend alles, aber manchmal siegt die Abenteuerlust eben doch noch vor der Altersweisheit.
Auf eine positive Kritik im „Rock Hard“ hin hatte ich mal in das Mini-LP-Debüt der belgischen EVIL INVADERS hineingehört – und umgehend zum heißesten Oldschool-Speed-Metal-Scheiß überhaupt zurzeit erkoren. Klar war demnach, dass ich die sympathische Bambi Galore in Hamburg-Billstedt heimsuchen werde, um mir das Spektakel live nicht entgehen zu lassen. Der Laden füllte sich für einen Dienstagabend erstaunlich schnell und ansehnlich mit kuttentragenden Metalheads und atmete ordentliche ‘80er-Atmosphäre. EVIL INVADERS machten dann auch den Anfang des Dreier-Pakets und erfüllten all meine Erwartungen! Die Band gab alles, spielte ihre pfeilschnellen Stücke quasi fehlerfrei in einem wahren Rausch und Gitarrist und Sänger Jöe Anus malträtierte seine Stimme mit hohen Frequenzen und spitzen Schreien – genial! Als Extra-Bonbon gab’s das EXCITER-Cover „Violence and Force“, das wie die Faust aufs Auge passte. Der Sound war ebenfalls klasse und auch meine Freundin, in Sachen Speed-Metal-Konzerte (wie ich eigentlich auch) eher unbeleckt, fand Gefallen an der Sause, was mir den Abend zusätzlich versüßte. Für mich stand jetzt schon fest, den Höhepunkt des Konzerts bereits erlebt zu haben, hatte die folgenden Bands aber auch gar nicht so recht auf dem Zettel. Die Schweden SCREAMER forderten allerdings vehement Aufmerksamkeit ein, spielten ebenfalls ein superflinkes Brett, schreckten nicht vor Hochfrequenz-Tönen der Gitarre und der Stimme zurück und wurden entsprechend abgefeiert. Besonders gefallen haben mir die Songs „Demon Rider“ und „Screamer“ und auch der Rest war nicht von schlechten Eltern sowie höchst unterhaltsam und mit Nachdruck dargeboten. Eine ungekünstelte Band, übrigens mit einem Punk am Schlagzeug, die ihre Songs lebt und mit ehrlicher Inbrunst darbietet. Live ‘ne volle Kante – Respekt! Und siehe da, STRIKER aus Kanada schlugen in dieselbe Kerbe, spielten um ihr Leben und lieferten eine geile Show, an der es rein gar nichts zu mäkeln gab! Der Sound war noch immer 1a und der Mob feierte, das IRON-MAIDEN-Cover „Two Minutes to Midnight“ wurde aus hunderten Kehlen mitgesungen. Obwohl SCREAMER und STRIKER nominell gar nicht zwingend dem Speed-Subgenre zugerechnet werden, erschien mir der ganze Abend wie einziger Geschwindigkeitsrausch, der selbst dann permanent Adrenalin produzierte, wenn man nur dastand und sich von den Darbietungen an die Wand drücken ließ. Alle Bands waren wild, spieltechnisch bemerkenswert, energiegeladen und authentisch und sicherten mir ein beeindruckendes Konzerterlebnis mit viel Underground-Flair, das ich so schnell nicht vergessen werde – wenn auch das Pfeifen in den Ohren glücklicherweise schnell wieder nachließ. SO macht Metal verdammt viel fucking Spaß!
„Splatterpunk“ hatte ich im Sommer auf einem Flohmarkt für ’ne Handvoll Kreuzer mitgenommen und jetzt kürzlich gelesen. Es enthält einige Kurzgeschichten der bisweilen etwas härteren Gangart, die allein schon dadurch interessant sind, dass Clive Barkers „Midnight Meat Train“ dabei ist. Im Anschluss befindet sich eine lange Auseinandersetzung mit dem Begriff „Splatterpunk“, für die auch immer wieder auf Spielfilme Bezug genommen wird. Außerdem werden diverse Autoren vorgestellt. Was anfänglich für mich wie redundante Begriffsklauberei anmutete, erwies sich als durchaus spannende Auseinandersetzung mit der Entwicklung des Horror-Genres in Literatur und Film. Trotz anscheinend etwas schludrigen Lektorats habe ich Lust auf den zweiten Band bekommen. Einen dritten gibt es auch noch. Alle anscheinend nur noch gebraucht zu bekommen.
Nachdem wir mit den MOTHERFUCKERS seit einigen Wochen in der Lobusch unseren Proberaum gefunden haben, sollten wir am Nikolausabend endlich auch einmal dort vor Publikum auftreten – als Vorband von ARGH FUCK KILL, die wie wir aus Hamburg kommen, und den Franken von WWK. Ein Abend im Zeichen des Hardcore-Punks also. Mike kümmerte sich nicht nur um die zweite Klampfe von uns, sondern sorgte auch für den guten Ton des Abends, womit ich den Sound meine. Für uns wurd’s Dezember-Gig-typisch mal wieder alles andere als pannenarm, was damit begann, dass das getestete Intro von CD partout nicht lief, als wir wartend auf der Bühne standen und dumm aus der Wäsche guckten. Also ohne Intro ab dafür und durchs Set geprügelt. Das Publikum war absolut fantastisch: der Laden war voll und die Leute hatten richtig Bock aufs Konzert, gingen vom ersten Ton an ab und mit – besser kann man’s sich als erste Band nicht wünschen. Leider riss Kai bei „Victim of Socialisation“ eine Saite, also den Song mit nur einer Klampfe und Hängen + Würgen zu Ende gebracht. Der kluge Motherfucker sorgt vor und so hatte Kai bereits eine Ersatzklampfe bereitstehen. Dass er auch dort in einem Anfall unterbewussten Vandalismus‘ nur kurze Zeit später die nächste Saite schredderte, war jedoch nicht geplant. Die letzten beiden Songs zogen wir improvisiert durch, doch für die geforderte Zugabe langte es nicht mehr und wir mussten abbrechen. So oder so war’s aber vom Zuspruch her wohl unser bisher bester Gig, unsere Bühnenleistung hingegen holperte hier und da und die Pannen nervten, uns jedoch weit mehr als das Publikum, insofern können wir unterm Strich zufrieden sein. ARGH FUCK KILL stehen noch ganz am Anfang und hatten bisher erst eine Handvoll Gigs, lieferten jedoch einen sehr energetischen, kaltschnäuzig-souveränen und voll und ganz überzeugenden Auftritt auf die altehrwürdigen Lobuschbretter. Geradliniger, derber Hardcore-Punk, bei dem mir besonders das punktgenaue „supertighte“ Schlagzeugspiel auffiel. Shouter Sven versah manch Refrain mittels Effektgerät mit einem Hall, was ebenfalls angenehm an alte ‘80er-Genrekost erinnerte. Geiler Gig und die Band sollte man unbedingt im Auge behalten. WWK fanden dann ein bereits sehr gut aufgepeitschtes Publikum vor und schmetterten einen Hassbatzen nach dem anderen in die Meute. Nicht allein aufgrund der Bass/Gesang-Doppelbelastung rang mir die Kondition des Frontmanns Respekt ab. Auch hier die pure Spielfreude und am Ende eine Zugabe nach der anderen, als hätte der Abend noch ewig so weitergehen können. Spitzenstimmung, kein Ärger, alles bestens. Und trotzdem war ich nach etlichen Stunden im immer verqualmter werdenden und sich immer mehr aufheizenden Laden froh, irgendwann den Heimweg antreten zu können – wofür meine Lady und ich kurzerhand aus dem Fenster sprangen, statt uns elendig lange durch die Menschenmassen zur Tür zu drängeln, und frische Luft aufsogen, die in dieser arschkalten Post-Xaver-Nacht mitverantwortlich dafür sein könnte, das ich mir ‘ne fette Schnodder- und Röchelseuche zuzog. Aber irgendwas ist ja immer. Danke an die Lobusch-Crew für diese geile Auftrittsmöglichkeit und an den bestens aufgelegten Mob!
Als die Pulvertoasties uns anboten, mit ihnen im Magdeburger Libertären Zentrum zu spielen, klärten wir die Frage nach der Spritkohle und sagten kurzerhand zu. Keiner kannte den Laden, aber das klang alles vielversprechend nach D.I.Y. und machte einen sympathischen Eindruck. Mit Tomczek erklärte sich sogar jemand bereit, uns zu chauffieren, und das auch noch in seinem für solche Vorhaben prädestinierten Minibus, in dem neun Personen Platz finden – die allesamt belegt wurden, denn Wurzel vom Gaußplatz, Katharina und ein Punk aus den USA, der Tomczek gerade besuchen war, begleiteten uns. Während der Hinfahrt musste ich erst mal die Arbeitswoche abschütteln, was ohne Alkohol gar nicht so einfach ist, aber schon auf der nachmittäglichen Hinfahrt das Trinken anzufangen, verbietet sich mir, wenn ich später auf der Bühne meine Texte noch kennen will. Tomczek erwies sich als absolut souveräner Fahrer, der uns sicher auch durch den einen oder anderen kleineren Stau geleitete und mit Musik und Comedy bestens zu unterhalten wusste. Die richtige Abfahrt gen Libertäres Zentrum genommen, erwischten wir einen verdammt dunklen Teil Magdeburgs, der Endzeit-Atmosphäre atmete, grau und trist. Genau das Richtige, um sich an diesem kalten Herbstabend aufs Konzert einzustimmen. Das Libertäre Zentrum entpuppte sich als großer besetzter Gebäudekomplex, der sich noch im Aufbau durch seine außerparlamentarisch politisch aktiven Bewohner befindet, jedoch bereits fließend Wasser, eine Kneipe und eine Bühne samt ordentlicher P.A. bietet – und einen schönen Hinterhof samt endzeit-futuristisch anmutender Konstruktionen und der klassischen Feuertonne. Ein Graffito besagte „Action Mutante“ und „No Fotos“ – ein passenderes Ambiente ist nur schwer möglich. Die Bewohner und Organisatoren vor Ort erwiesen sich als nette, unkomplizierte Leute, die uns ein leckeres Veggie-Burger-Buffet kredenzten, mit Astra und Sternburg Export zwei geile, ehrliche Arbeiterbiere anzubieten hatten und auch über genügend Schlafmöglichkeiten für unsere Neunerbande verfügten. Eigentlich alles gute Vorzeichen, doch nun kommt das große ABER: Leider hatte man wohl quasi null Werbung vor Ort gemacht und genösse unter den Punks einen eher schlechten Ruf (allein schon aufgrund des Rauchverbots im Saal aus Rücksicht auf Asthmatiker und Schwangere) und sowieso und überhaupt, jedenfalls zögerten wir den Beginn so weit wie möglich hinaus, da schlicht niemand zu einem Konzert zweier unbekannter Bands ohne nennenswerte Veröffentlichungen aus Hamburg kam (schon gar keine Asthmatiker, Schwangeren oder schwangeren Asthmatiker). Halt, das stimmt so nicht, eine Handvoll zahlender Gäste gab es, unter anderem Freunde von mir aus Halberstadt. Dän, seines Zeichens Bierbrauer, brachte uns sogar als besonderes Geschenk eine Riesenflasche unfiltrierten Bieres frisch aus dem Kessel mit, das wir uns nach dem Auftritt genüsslich einverleibten – danke, Dän! Apropos Auftritt: Den starteten wir dann irgendwann vor der Handvoll Gäste, den Pulvertoasties und den Leuten aus dem Libertären Zentrum, so dass die Fläche vor der Bühne nicht ratzekahl leer war. Der Auftritt dürfte unspektakulär, aber ok gewesen sein. Zwischen manch Songs ließen wir uns reichlich Zeit zum Anstoßen etc. – wenn man schon mal in solch gemütlicher Runde spielt, muss man sich auch nicht hetzen, wa? 😉 PROJEKT PULVERTOASTMANN im Anschluss ließen sich ebenfalls überhaupt nicht beirren und spielten absolut souverän ihren Stiefel herunter, wobei der Umstand, dass Bassist Holler um Punkt Mitternacht Geburtstag hatte, den Spaß noch deutlich erhöhte. Er bekam einen Meter Pfeffi, den er im Set zwischen zwei Songs komplett entleeren musste, was er mit erstaunlicher Unbeeindrucktheit erledigte und anschließend sogar noch astrein weiterspielen konnte – Prospekt, Aller! Der Abend nahm seinen Ausklang an der Bar, wobei Wurzel bereits Stunden vor dem Auftritt jenseits von Gut und Böse war und sich die Zahl der Trinkfreudigen nach und nach dezimierte. Irgendwann ging’s dann ab nach oben inne Penntüten, die die Aufgaben hatten, in den unbeheizten Räumen vor der Kälte zu schützen, die mittlerweile garstig durchs Gebäude kroch. Das war aber alles kein Problem und bereits saumäßig früh blies Tomczek schon wieder zur Rückfahrt, die diesmal superflott weil staulos vonstatten ging. Da man uns das Spritgeld, das wir zunächst nicht in kompletter Höhe annehmen wollten, förmlich aufgezwungen hatte, sind wir verlustfrei aus der Nummer rausgekommen und hatten einerseits unseren Spaß, haben andererseits ein interessantes Wohn- und Veranstaltungsprojekt kennengelernt und wurden gut umsorgt, so dass kein Grund zur Klage besteht; klassischer Fall von „das Beste draus gemacht“. Bleibt zu hoffen, dass das Libertäre Zentrum von den örtlichen Punks etc. besser angenommen wird bzw. man sich gegenseitig weiter einander annähert, damit aus der Bude über kurz oder lang ein Ort wird, an dem auch zwei unbekannte Nachwuchscombos auf Interesse stoßen. Mal ordentlich die lokale Werbetrommel zu rühren, kann generell aber auch nicht schaden. 😉 Besonderer Dank gilt Tomczek sowie den Pulvertoasties!
Sängerin Aga verschlägt es für einige Zeit ins Ausland, bis zu ihrer Rückkehr liegt die Band VIOLENT INSTINCT auf Eis. Soweit die schlechte Nachricht. Die gute Nachricht lautete, dass man aus diesem Anlass ein Gratis-Abschiedskonzert im „Tippel 2“ auf dem Kiez geben würde. Ich hatte keine Ahnung, was das für ein Laden sein sollte und tippte auf irgendeine Eckkneipe. Außerdem wusste ich von anderen Läden, dass man gern mal eine völlig unrealistische Anfangszeit auf die Flyer schreibt, damit der Mob möglichst früh antanzt und Getränkeumsatz beschert, bis es dann zwei Stunden später wirklich losgeht. „Eile mit Weile“, dachte ich mir insofern und schlug zusammen mit Kai erst recht spät vorm „Tippel 2“ auf – was sich als Fehler erweisen sollte, denn das Konzert war tatsächlich pünktlich gestartet, um 22:00 Uhr musste schon wieder Schluss sein! Während ich draußen hastig mein Bier austrank, vernahm ich die DIMPLE-MINDS-Coverversion „Durstige Männer“ und prompt trabte die Polizei an, um Geräuschlevel und geplantes Konzertende zu klären, weil sich bereits Anwohner über den „Krach“ beschwert hatten – zieht gefälligst woanders hin, ihr Spacken! Dat is Kiez, dat raffste nie! Jedenfalls gab es nichts zu beanstanden und so stürzten auch wir uns in Gewühl der engen Kneipe bzw. schlugen uns bis nach vorne durch. Die Band war bereits bei den Zugaben, bei „Solidarity“ durfte ich bischn mitträllern, die Stimmung war gut, an Pogo jedoch war im beengten Wohnzimmerkneipenambiente nicht zu denken. Einige bekannte Gesichter, einige unbekannte, Besuch von außerhalb (Moin Ätzer!) und eine spielfreudige Band, die sich noch die eine oder andere Zugabe aus den Rippen leiern ließ. Das Mikro von Gitarrero Dennis schien seinen Dienst nicht so recht zu verrichten, ansonsten war der Sound aber gut. Dat Schlachzeuchtier gab wieder mal alles und lieferte ‘ne astreine Show. Und als die Band längst mit ihrem Equipment über alle Berge war (teilweise musste gruseligerweise am nächsten Tag gearbeitet werden), machten wir uns es noch am Tresen gemütlich. Das „Tippel 2“ entpuppte sich als alter Szeneladen und guter Tipp für subkulturelle Kneipengänger: Arbeiterfreundliche Getränkepreise, nettes Personal und eine gemischte Musikbox, deren Repertoire von Oldies bis hin zu aktuellem Oi!-Punk reicht, machten den Aufenthalt bzw. Ausklang dieses freundschaftlichen Abends äußerst angenehm, wenn man (= ich) auch mit fortschreitender Uhrzeit immer mehr Blödsinn verzapfte. Ich hoffe, dass VIOLENT INSTINCT unmittelbar nach Agas Rückkehr wieder voll durchstarten mit ihren niveauvollen, klischeearmen Streetpunk mit Köpfchen und hab mir vorgenommen, dann auch mal pünktlich zu erscheinen, ähem.