Mit „Nirgendwo angekommen“ veröffentlichten die Hamburger ARRESTED DENIAL Ende letzten Jahres ein fantastisches neues Album, das es auf der Release-Party im Goldenen Salon des Hafenklangs, einem der schönsten Konzertorte Hamburgs, gebührend zu feiern galt. Und das dachten sich viele, denn der Bums war restlos ausverkauft, Abendkasse gab es keine mehr. Und offenbar ging’s auch superpünktlich um 20:00 Uhr los, denn die erste Band KITTY COASTER, die ihren allerersten Auftritt absolvierte, habe ich komplett verpasst (sorry, aber um 20:00 Uhr ist doch gerade erst die Sportschau zu Ende…). Nachdem ich mich bei eisigen Temperaturen durch den verschneiten Weg an den Fischmarkt und ins Hafenklang gekämpft hatte, war bis zur zweiten Band aber noch etwas Zeit, Valentin und Sascha zum Album zu gratulieren, bekannte Gesichter zu begrüßen und sich ein Bierchen zu schnappen. Wenn man keine Astra/Holsten-Edel-Pferdepisse trinken will, muss man für ein Staropramen oder Jever mittlerweile 4 Öcken latzen. Für 0,3 Liter aus der Flasche. Da kann zumindest ich langsam nicht mehr gegenanverdienen. Dafür war der Eintritt fair bepreist, also erst mal genug gemeckert.
Die (mir bis dahin unbekannten und sich wohl vornehmlich aus SEWER-RATS-Mitgliedern rekrutierenden) Kölner Springmesser FLICK KNIVES boten dazu auch nicht den geringsten Anlass, denn die hatten richtig Bock und erspielten sich ihr von KITTY COASTER vermutlich gut vorgewärmtes Publikum mit äußerst souverän dargebotenem englischsprachigen Streetpunk – das volle Brett mit nicht nur zwei Klampfen, sondern sogar ‘ner Orgel. Da taute auch ich schnell auf. In den Strophen machte sich hin und wieder der Offbeat breit, beide Gitarristen wechselten sich mit dem Leadgesang ab, beim dritten Song sprang der Bassist von der Bühne und tanzte mit einem Gast aus dem Publikum. Ein paar wohldosierte Pop-Punk-Einflüsse, beispielsweise beim „Was it me, was it you“-Refrain eines Songs (sorry, keine Ahnung, wie der heißt), machten die eine oder andere Nummer noch eingängiger. Bei einem Song vom für den 06.02. angekündigten Album bat man das Publikum erfolgreich um Unterstützung beim Chorgesang, den sie in ihrem übrigen Material aber auch so prima beherrschen. Trotz starken eigenen Materials coverte die Combo überraschend viel, bewies dabei aber Geschmack: „New Age“ (BLITZ), „To Have and to Have Not“ (BILLY BRAGG, in der LARS-FREDERIKSEN-Stromgitarrenversion), „Olympia, WA“ (RANCID) als offiziell letzten Song und als Zugabe „Stick ‘em up!“ von MASKED INTRUDER – inklusive Stagediving- und Pogo-Einlage des Orgelspielers. Astreiner Gig einer Band, die mich oft an SMALL TOWN RIOT, zumindest an deren streetpunkigere, weniger rock’n’rollige Nummern, erinnerte. Mit dem Basser schnackte ich später kurz bei ‘ner Kippe vor der Tür, evtl. geht da ja mal was zusammen mit meiner Kapelle BOLANOW BRAWL im Rheinland. So oder so bin ich aufs Album gespannt.
- Flick Knives
ARRESTED DENIAL haben sich mit Pip um einen festen Trompeter verstärkt und stellten ihren ehemaligen Bassisten (und meinen engen Freund), den im Herbst letzten Jahres traurigerweise verstorbenen Small Town Timo, kurzerhand in Form eines großen Fotoaufstellers mit auf die Bühne. Das reguläre Set umfasste eine sehr stimmige Auswahl aus neuem und von den vorausgegangenen beiden Alben bekanntem Material, dessen Melodien die Trompete nun, wenn ich nicht irre, beim überwiegenden Teil der Songs kräftig unterstützte. Und hatte Pip gerade nichts zu tun, fand er sich tanzend im Publikum wieder. Zu Timos Ehren spielten Valentin & Co. einen Block aus Timos drei Favoriten „Alles wird gut“, das von ihm geschriebene „Zeit zu gehen“, dessen Text jetzt einen besonders dicken Kloß im Hals hinterlässt, und das DARKBUSTER-Cover „Skinhead“. Dazwischen erzählte Valentin Timo-Anekdoten und verteilte dessen Lieblingsgesöff, den furchtbaren Jägermeister, im Publikum. Timo, Alter, da haste quasi posthum noch ein paar Leberhaken verteilt! Überhaupt nahm sich Valentin dem Platten-VÖ-Anlass angemessen viel Zeit für sympathische und spaßige Ansagen. Textlich gehören ARRESTED DENIAL zusammen mit der aktuellen SLIME-Inkarnation um Tex Brasket (der eine Nummer auf dem Album mitsang) und den Postpunks BRIEFBOMBE ohnehin zum Besten, was die Hansestadt zu bieten hat; mit ihrem auf der neuen Platte ausschließlich auf Deutsch dargereichten inhaltlichen Tiefgang zwischen klaren und wütenden system- und gesellschaftskritischen Aussagen sowie nachdenklicheren, persönlichen Geschichten spielen sie fast schon in ihrer eigenen Liga. All das in kleine und große Hymnen mit tanzbarem Street- und Ska-Punk sowie mitsingkompatiblen Refrains (ganz groß: Das neue „Für ein paar Stunden“) zu verpacken, ist die hohe Kunst und das, was ARRESTED DENIAL ausmacht. Die Trompete passt prima zur Offbeat-Lastigkeit vieler Songs; und immer mal wieder ertappte ich mich beim Gedanken, dass RANTANPLAN vielleicht so hätten klingen können, hätten sie den auf den ersten beiden Alben eingeschlagenen Weg konsequent weiterverfolgt. Als der reguläre Teil des Sets durch war, fragte Valentin zu Beginn des Zugabeblocks, was man denn so hören wolle. Auf nicht ganz ernstgemeinte Antworten wie „Mexico“ oder „Wonderwall“ entgegnete er: „Na gut, wir spielen noch ’ne Stunde!“ „Move On“, von den englischsprachigen Stücken wahrscheinlich mein Favorit, bildete den Auftakt, gefolgt vom ersehnten, von anderen vielleicht auch gefürchteten ROXETTE-Medley. Die letzte fremdkomponierte Zugabe wurde als von einer ultrabösen Glatzenband stammend angekündigt, woraufhin „Die Welt kann mich nicht mehr verstehen“ von TOCOTRONIC erklang und die Band noch mal die Lacher auf ihrer Seite hatte, bevor das eigene „Zurück“ den Liveteil des Abends besiegelte. Geile Platte, geiles Konzert mit gut aufgelegtem und zumindest in Teilen durchaus tanzfreudigem Publikum; zu von DJ Micha Punkrock aufgelegten Klassikern verhaftete ich noch ein, zwei Bierchen und machte mich dann beseelt auf den Heimweg. Mein erstes Konzert des Jahres 2026 machte Lust auf mehr.





















Bitzcore-Jürgen war für seine Veranstaltungen mit Hamburger Bands aus den Bereichen Punk und Artverwandtes vom Indra in die Fanräume des FC St. Pauli umgezogen und ließ es mit gleich sieben Bands zum Jahresausklang noch mal so richtig krachen. Eigentlich war die Sause als Release-Party der Bitzcore-HH-Punk-Vinyl-Sampler geplant, doch da Jürgen den Aufwand unterschätzt hatte und die eine oder andere Unwägbarkeit hinzugekommen war, sind diese leider auf unbekannt verschoben. Dafür solle demnächst ein Sao-Paolo/Hamburg-Split-Sampler kommen – man darf gespannt sein. An Weihnachten versuchte Jürgen dann noch verzweifelt, ein Schlagzeug für den Abend zu organisieren, was zwar reichlich spät war, letztendlich aber doch noch klappte. Und nachdem unser (DISILLUSIONED MOTHERFUCKERS) Taxi versuchte, aufs Heiligengeistfeld und dort vor die Tür der Fanräume zu gelangen, wissen wir jetzt auch, dass das zu Fuß oder mit dem Rad alles kein Problem ist, sich Autos aber mit zahlreichen Pollern und sonstigen Absperrungen konfrontiert sehen, sodass wir schön einmal um den Pudding kurvten…

















































































































































































Unser dritter Gig in neuer Besetzung fand im schönen Goldenen Salon des Hafenklangs statt, der gegenüber dem „eigentlichen“ Hafenklang den Vorteil einer breiten Fensterfront mit Aussicht auf die Elbe sowie eines Tresens, an den gelehnt man weiterhin das Treiben auf der Bühne verfolgen kann, hat. Und auf der Fläche vor der Bühne befinden sich keine Stützsäulen, die den Blick erschweren könnten. Dafür muss man auf einen Backstage-Raum verzichten. Es handelte sich um ein Frühkonzert, das bereits um 20:00 Uhr beginnen sollte, weil die Räume im Anschluss für eine andere Veranstaltung benötigt wurden. Als wir um 17:00 Uhr ankamen, waren MAID OF ACE, die die Backline stellten, gerade mit dem Bühnenaufbau beschäftigt. Kurz darauf gab’s lecker Schmackofatz; zum ohnehin bereitstehenden kalten Buffett servierte mit Thommy einer meiner Hamburger Lieblings-Bandköche ein köstliches Kartoffel-Blumenkohl-Curry auf liebevoll angerichtetem gelben Reis. MAID OF ACE sind vier Schwestern (!), die offenbar alles selbst machen, jedenfalls fuhren sie selbst und hatten keinen Roadie oder Mercher dabei. Die Bassistin fehlte aufgrund eines dringenden anderen Termin leider, dafür war eine Freundin aus L.A. kurzerhand eingeflogen gekommen, die sich ihre Bassparts innerhalb knappster Zeit draufgeschafft hatte. Wow, ok! Es wurde soundgecheckt und als alles standesgemäß klang, waren wir an der Reihe. Allzu viel Zeit blieb allerdings nicht mehr, denn der Einlass war eigentlich für 19:00 Uhr geplant und das Volk begehrte denselben. Ein, zwei falsch ins fremde Equipment eingesteckte Kabel beschleunigten den Ablauf nicht unbedingt, aber irgendwas ist ja immer. Umso schöner, dass der Soundmann cool blieb und neben der P.A. den Bühnen- und Monitorsound bestmöglich mit uns aufeinander abstimmte.











