Zum vierten Mal in Folge veranstalteten die Jungs von NEUE KATASTROPHEN respektive RESTMENSCH das ELB-TSUNAMI-Open-Air-Festival an der Veddeler Peutebahn auf der Elbinsel Wilhelmsburg, wobei man sich diesmal auf einen Tag beschränkte. Das Konzept, nur Bands aus Hamburg oder unmittelbarer Umgebung auftreten zu lassen, musste diesmal leicht aufgeweicht werden, da die britischen Thrash-Metal-Veteranen VIRUS ins Billing rutschten. Dafür nimmt man so’ne kleine Kursabweichung doch gern in Kauf! Nach wie vor ist das Festival für Besucher komplett gratis und Verpflegung gibt’s zu überaus fairen Preisen – besser geht’s eigentlich gar nicht. Umso geiler, dass wir diesmal mit den DISILLUSIONED MOTHERFUCKERS selbst nicht nur als Gäste dabei waren, sondern auch auf der Bühne standen! Den Opener KOUKOULOFORI verpasste ich zeitbedingt und von PARADOCKS bekam ich nur noch den Schluss mit, der u.a. aus ‘nem kompetent dargebotenen SCHLEIMKEIM-Cover bestand. Die TRÜMMERRATTEN folgten, anscheinend handelt es sich um eine noch junge Nachwuchsband. Die Jungs und das Mädel an den Drums begannen etwas holprig, steigerten sich jedoch schnell und zockten prima deutschsprachigen Punk, textlich am Puls der Zeit mit Bezügen zur momentanen Situation in Hamburg und dementsprechend angebrachtem Gewettere gegen Scholz und Konsorten. Der Hit allerdings war für mich der Song übers Schwarzfahren mit dem HVV. Jemand im Rattenkostüm tanzte ausgelassen bei herrlichstem Kaiserwetter vor der Bühne und kam bestimmt gut ins Schwitzen. Generell mangelte es nicht an interessiertem Publikum und ich hatte schon zu diesem frühen Zeitpunkt so richtig Spaß inne Backen! Nach den TRÜMMERRATTEN sollten wir ran, 18:15 Uhr war unsere Zeit, ‘ne Viertelstunde Umbauzeit war vorgesehen, die dank der perfekten Organisation mit stets bereitstehender zweiter Backline hinter der Bühne dicke ausreichte – und weil die vorherigen Bands anscheinend recht schnell ihre Sets durchgezockt und ihre halbstündigen Spielzeiten gar nicht ausgenutzt hatten, konnten wir’s sowohl locker angehen lassen als auch schon um 18:00 Uhr beginnen. Ein kurzer Soundcheck erwies sich als völlig ausreichend auf der großen, professionellen Bühne. Die Mikros waren allesamt kabellose Funkmikros, vornehm geht die Welt zugrunde! Ein Novum für mich, noch nie so’n Dingen vorher inner Hand gehabt – aber ist schon geil… Von Anfang an schien man Bock auf unsere Mucke zu haben, wenn auch viele ob der gleißenden Sonne lieber vom Schatten aus etwas entfernt von der Bühne ihren Blick auf selbige richteten. Ein paar Leute fanden sich dennoch vorne ein, schwangen die Gliedmaßen und grölten mit. Die Resonanz nach jedem Song war klasse und unser Sound dank des fähigen Verantwortlichen anscheinend auch sehr ordentlich. Großer Wermutstropfen indes, dass wir ohne Mike an der zweiten Gitarre auftreten mussten, dem die aktuellen privaten Umstände leider, aber verständlicherweise keine Teilnahme ermöglichten. Wo die zweite Klampfe überall fehlt, hören wir selbst aber vermutlich wesentlich stärker als der Pöbel heraus und wir haben letztlich das Beste draus gemacht. „Victim of Socialisation“ flog aus diversen Gründen – einer davon war die vermutete knappe Spielzeit – diesmal aus dem Set, dafür forderten die Pulvertoasties ihr „Waffelvibe“ und der Rest noch einmal „Elbdisharmonie“ als Zugabe. Damit endete unser Gig, mit dem wir zufrieden sein konnten. Der eine oder andere Verhacker war zwar wieder dabei, die groben Klöpse aber blieben aus. Trotzdem kann ich’s kaum erwarten, wieder in kompletter Besetzung zu spielen! Die LOSER YOUTH nach uns machte ihrem Namen keinerlei Ehre und bescherte der Veddel schnörkellosen, angepissten, aggressiven Hardcore-Punk mit deutschen Texten, vorgetragen von hysterischem Gesang. Gefällt! Dass es der Prophet im eigenen Lande nicht immer leicht hat, bewiesen danach ARRESTED DENIAL, jene Hamburger Streetpunk-Combo um Ex-THIS-BELIEF-Shouter Valentin, die nach allgemein abgefeiertem (und ja wirklich geilem) zweiten Album und erfolgreicher Balkan-Tour eigentlich das heimische Publikum zum Ausrasten bringen müsste, jedoch eher aus sicherer Entfernung beäugt wurde – trotz fähigem neuen Bassisten (nach SMALL-TOWN-RIOT-Timos mehrmonatigem Gastspiel) und einen makellosen Gig inkl. SMEGMA-Cover und manch anderer Auflockerung. Nicht falsch verstehen, der Mob war ja trotzdem da und es hat ihm ganz bestimmt auch gefallen, nur hätte man das auch gern der Band gegenüber stärker zum Ausdruck bringen dürfen. Und wo war eigentlich das rotbärtige Groupie? CONTRA REAL übernahmen und die mag ich ja, weil ich es zum einen immer faszinierend finde, wenn jemand Schlagzeug spielt und gleichzeitig singt und mir zum anderen die Kombination aus Hektik und eingängigen, fast hymnischen Refrains zusagt. Das Trio mit weiblicher Röhre und deutschen Kampftexten geht immer gut in Arme und Beine und ich sach mal: Wenn heutzutage Antifa-Parolen-Punk, dann so! Dann wurd’s ein bisschen traurig, weil der letzte Auftritt der Hamburger/Holsteiner Oldschool-Hardcore-Genialisten INSIDE JOB anstand. Da hat man doch tatsächlich wegen irgendwelcher Nebensächlichkeiten wie musikalischem Talent beschlossen, sich einfach so aufzulösen, glücklicherweise weder sang- noch klanglos, sondern mit einem krachenden Gewitter auf dem Elb-Tsunami! Mit einem lachenden und einem weinenden Auge sah ich demnach ein letztes Mal die Herren mit vollem Körpereinsatz kurzknackige HC-Eruptionen raushämmern, was der Pöbel ihnen mit Mehreinsatz dankte. Mit INSIDE JOB hatte Hamburg ganz sicher eine der besten Bands dieser Subsubgattung anzubieten und es ist ein Jammer, dass es das gewesen sein soll. Auch mit PROBLEM KID soll schon wieder Schluss sein, jenem vielversprechenden Seitenprojekt mit Shouterin und INSIDE-JOBbern. Wie ich die Leute kenne bzw. einschätze, wird man sich aber schnell wieder zur einen oder anderen Krawallcombo zusammenfinden und ordentlich auf die Kacke hauen. Gut so! Meine Freundin hat mir netterweise noch ‘ne 7“ und das Fanzine vom Sänger besorgt, denn „niemals geht man so ganz, irgendwas von euch bleibt hier“, wusste seinerzeit so ähnlich schon Schlager-Shouterin Gitte. Bevor’s jetzt aber pathetisch wird, schnell ein paar Worte zu den RAZORS. Wenn mir meine Erinnerung keinen Streich spielt, war während INSIDE JOB so’n bischn Regen ausgebrochen, wie in Hamburg üblich, doch ein Großteil des Publikums erwies sich als Süßwassermatrosen und floh in die Trinkhalle (nenn‘ ich jetzt einfach mal so). Die HH-Altpunks RAZORS traten dann im Strömenden auf, erfreuten sich jedoch ungebrochener Beliebtheit und legten auch eine wirklich mitreißende Nummer aufs Parkett. So mancher aus der Band ist immer noch verdammt, ja, fast beneidenswert fit und vor allem – und das ist das Wichtigste – immer noch mit vollem Eifer bei der Sache, so dass man anscheinend sehr gerne mal auch solche Gigs einfach aus Spaß am Punkrock spielt, statt größere Gagen abzugreifen oder sich auf seinen Pionierstatus einen runterzuholen. Das Wetter trieb diverse Leute zusätzlich auf die Bühne und irgendwie hatte das alles den Anschein eines großen Familien- oder Freundestreffens, pünktlich zur untergehenden Sonne. Geil! THE ELIMINATORS sind nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Surfband, heißen (oder hießen?) eigentlich JOHNNY BLACKHEART & THE ELIMINATORS und bestehen aus einem in Deutschland gestrandeten Ex-GENERATOR(S) sowie dem umtriebigen Rolf (YARD BOMB, THRASHING PUMPGUNS, ex-SMALL-TOWN-RIOT), der sich extra etwas Haupthaar wachsen lief, um nicht mehr mit mir verwechselt zu werden (und natürlich weiteren Leuten). Ich glaub, die Band liegt immer mal auf Eis und wird dann zwischenzeitlich wieder reaktiviert und so anscheinend auch diesmal. Ferner glaub ich, die diesmal – weiß der Geier, warum – erst zum allerersten Mal live gesehen zu haben und was ich zu sehen und hören bekam, kickte mich hart, denn das war richtig geiler Oldschool-Rotz-HC-Punk US-amerikanischer Prägung. Auch deren 7“ wanderte dank der Lady in meinen Besitz über und, verdammt, das würd ich gern noch mal sehen, wenn ich nüchterner und fitter bin! Beides war ich erst recht nicht mehr bei VIRUS und der enorme Publikumszuspruch hat mich dann doch überrascht. Die Alben „Pray For War“ und „Force Recon“ hatte ich zwar irgendwann mal gehört, zu Begeisterungsstürmen konnte mich aber allgemein kein britischer Thrash Metal so richtig hinreißen – da hatten seinerzeit die Deutschen und die Amis einfach die Nase vorn. Als alter Thrasher hatte ich nach Punk in seinen unterschiedlichsten Variationen jetzt aber auch so richtig Bock auf ‘ne ordentliche Dosis fiesen Geriffes und da kamen mir Virus gerade recht. Und ich war nicht der einzige, der so dachte, denn es wurde richtiggehend voll und eng da vorne. VIRUS begrüßten ihr Publikum mit der Information, keine Punk- oder HC-Band zu sein, sondern Thrash zu zelebrieren, und ab ging’s. Der bärtige Glatzkopf an Leadklampfe und Gesang blickte grimmig drein und entfachte als einziges Urmitglied mit seinen drei neuen Mitstreitern ein wahres Thrash-Feuerwerk mit aggressivem Riffing, donnernden Drums, wütendem Gekeife und hin und wieder geilem Doppel-Lead-Metal-Gefiedel, das live in dieser Kombination so richtig knallte, dem zweiten Gitarristen mit den Wuschelhaaren gerade auch ob des durchdrehenden Mobs augenscheinlich viel Spaß machte und mir als mittlerweile gut alkoholisiertem, äh, „Bangmoshpoger“ manch Lädierung durch andere sich anscheinend nicht mehr ganz unter Kontrolle habende, von der Mucke Aufgestachelte einbrachte. Es hat sich aber gelohnt, denn VIRUS war nicht nur das Tüpfelchen auf dem I, sondern der krönende Abschluss eines arschgeilen, stilistisch abwechslungsreichen Festivals, auf dem mich wirklich JEDE Band, die ich sah und hörte, überzeugte und es erscheint mir fast unverständlich, dass bei so einer Sause für umme nicht schlichtweg jeder Hamburger, der mit dieser Musik und Kultur etwas anfangen kann, anzutreffen war! Ich verneige mich in Ehrfurcht vor allen, die das ELB-TSUNAMI ermöglicht haben, bedanke mich noch mal höflich für die Einladung (und das Freibier satt!), und würde mich freuen, nächstes Jahr mit BOLANOW BRAWL dabei zu sein!




ISBN-10: 3881999418
Theo feierte ihren Geburtstag und organisierte aus diesem Anlass ein Konzert auf dem Holstenkamp, wo sie zusammen mit x anderen Punks die ehemaligen Räumlichkeiten eines Pflegeheims bewohnt, die zu einer Art riesigen Punk-WG umfunktioniert wurden. Dafür liegt die ganze Chose aber auch ein bisschen dezentral, grob orientieren kann man sich am Rondenbarg, also Ecke Diebsteich da irgendwo. Pünktlich traf ich mich mit den anderen MOTHERFUCKERS am Proberaum, wo einer der Holstenkamper so nett war, unser Equipment mit einem alten Caddy abzuholen. Aufgrund der nur rudimentären Ausstattung vor Ort nahmen wir neben dem üblichen Kram Teile unserer Proberaum-P.A. mit. Bis dahin ließ sich alles ganz gut an. Einer fuhr beim Fahrer mit, wir anderen vier reisten in punk-typischer Dekadenz mit dem Taxi an. Keiner von uns Taxifahrern war schon einmal vor Ort und auch der Taxifahrer wusste nicht so ganz genau Bescheid, aber nach kurzem Fußmarsch war die „Hütte“ gefunden. Das Garagentor stand offen, das dort stehende sparsame Equipment und das vom Rondenbarg geliehene Schlagzeug zeigten an, dass hier der Gig stattfinden solle. Allerdings waren wir zunächst allein da unten und niemand gab sich uns als Ansprechpartner oder gar als Verantwortlich für das Technik-Gedöns zu erkennen. So kam es, dass den Aufbau kurzerhand wir übernahmen (dabei federführend: der sich damit glücklicherweise bestens auskennende Mike). Das hatte zur Folge, dass irgendjemand von uns immer wieder in den Wohnkomplex lief, um Kabel, wat zu trinken etc. ranzuschaffen. Dort stellte sich heraus, dass die Party bereits seit Tagen in Gang war und sich eine gewisse Katerstimmung breitgemacht hatte, die das Ganze nicht unbedingt vereinfachte. Irgendwie bekamen wir jedoch tatsächlich einen amtlichen Aufbau inkl. P.A. zusammenimprovisiert, hatten letztlich aber nur ein einziges – mein – Gesangsmikro für drei Bands. ZWECKENTFREMDUNG hatten im Vorfeld abgesagt, übrig blieben wir drei anderen, die auch allesamt vor Ort waren. An einen Beginn um 20:00 oder gar 19:00 Uhr war jedenfalls keinesfalls zu denken und bis alles stand, verstrich die eine oder andere Stunde. Langsam aber sich kamen einige Gäste zusammen, womit wir gar nicht unbedingt gerechnet hatten, da diverse Konkurrenzveranstaltungen um die Gunst des Publikums buhlten. Der Pöbel verteilte sich aber im Gebäude und lief wild durcheinander, bis wir irgendwann kurzerhand beschlossen, dass 21:30 Uhr eine gute Zeit zum Beginnen wäre und zehn Minuten vorher marktschreierisch diese Kunde durch die diversen Räumlichkeiten kolportierten. Glücklicherweise war’s auch möglich, die grelle Leuchtstoffröhre über der Bühne auszuschalten und so legten wir mit „Aktion Mutante“ los. Und siehe da, die Garage war amtlich gefüllt und der Mob sprang jauchzend und vergnügt über den Beton, hatte Bock und Spaß. Da es irgendwie außer Bier nichts zu trinken und zu essen schon gar nichts gab, hatte ich mittlerweile auch einen nicht von der Hand zu weisenden Pegel, der in Kombination mit dem Adrenalinausstoß zu einer von jeglicher Nervosität keinerlei Spur mehr aufweisenden Performance von mir führte, aber auch die Konzentration erschwerte und mich ein, zwei Mal die Texte versemmeln ließ. Vom zu großen Teilen noch volleren Publikum merkte das niemand und der Party tat’s keinen Abbruch. Seine Live-Premiere hatte unser jüngster Song „Nie der Plan“, der sich als echter Stimmbandzerfetzer herauskristallisiert, aber da muss ich ebenso durch wie das Publikum… Der geile Gig hatte für den ganzen Aufwand im Vorfeld entschädigt und nun gab ich mir richtig die Kante zu KACKREIZ, die sich als Kölner natürlich als waschechte Karnevalisten entpuppten und in abgefahrenen Kostümen schmutzige Lieder sangen, wobei es die Background-Sängerin nicht ganz leicht hatte, so ganz ohne Mikrofon. Beim geschmackvoll ausgewählten NORMAHL-Cover „Exhibitionist“ zog der Sänger/Gitarrist blank und es mich nach vorne zum Mitgrölen. Zumindest obenrum nackig machte ich mich nach diesem kurzweiligen und amüsanten Gig mit viel Asi-Charme aber erst bei INBREEDING CLAN, die ich für eine der interessantesten aktuellen Hamburger Bands halte. Wann immer die Band um Sänger Floh auftritt, kann ich nicht an mich halten, muss ich mich zwanghaft betrinken und durchdrehen. Norddeutscher Scum-Punk vom Feinsten, die beste „Ghostriders in the Sky“-Coverversion wo gibt und die Ausstrahlung atomar verstrahlter Höhlenbewohner machen die Band, die in ihrer Authentizität gar nicht auf irgendeine Theatralik setzen muss, zu etwas ganz Eigenem und Besonderem. Flohs kaputter Kloaken-Gesang, der treibende Bass und die Uffta-Drums gehen ohne Umwege direkt ins Bein und provozieren grobmotorische Eruptionen. Aus dem Konzept hab ich mich auch nicht bringen lassen, als, wie man mir erzählte, irgendeine volltrunkene Spaßbremse anscheinend der Meinung war, ich hätte ihn beim Pogo zu doll angerempelt, woraufhin er in meinem Rücken stets versuchte, mich umzustoßen – was ihm beim x-ten Anlauf schließlich gelang. Dafür hat er sich einen trotz meines Zustands gezielten Faustschlag eingefangen, woraufhin er sich nicht entblödete, mit einer Flasche auf mich losgehen zu wollen. Das unterbanden jedoch meine aufmerksamen Bandkollegen, woraufhin ich in Ruhe weiterfeiern konnte. Der Depp gab trotzdem keine Ruhe und versuchte, seinerseits Schläge zu platzieren, was ich allerdings nicht einmal wahrnahm und nach einem weiteren Einschreiten meiner Kollegen war dann auch Sense. Ab dem grandiosen INBREEDING-CLAN-Auftritt (wie schafft es Floh eigentlich, volltrunken noch so einen Auftritt abzuliefern?!) verschwimmt meine Erinnerung doch arg. Ich weiß noch, dass Leute der drei Bands miteinander jamten und damit auch zu mittlerweile weit fortgeschrittener Stunde die eigentlich so ruhige Gegend zwischen Pflegeheim und Friedhof beschallten (das Garagentor stand die gesamte Zeit weit offen – mich wundert, dass keine Bullen antrabten), ich anschließend noch den CLAN mit dummen Sprüchen nervte und irgendwann auf einem Bett sitzend einfach nach hinten umkippte und einschlief. Auch andere haben beim Gerangel bei INBREEDING CLAN leichte Blessuren davongetragen und bereits bei KACKREIZ gab es Ärger mit irgendeinem Typen, der ohne ersichtlichen Grund auf Kai losging. Überblick über irgendetwas hatte am Schluss auch niemand mehr, richtig ansprechbar war kaum noch jemand. Solche vermutlich schnapsbedingten Begleiterscheinungen werfen dann natürlich doch ihre Schatten auf einen Abend im tiefsten Untergrund, aus dem ansonsten das Beste gemacht und das Maximum herausgeholt wurde und der noch rustikaler eigentlich gar nicht hätte sein können. Dass mein altes Mikro am Ende auch noch seinen Geist aufgab, verbuche ich aber unter normalem Materialverschleiß – ebenso meine gefürchtete Kombination aus Alkohol- und Muskelkater am nächsten Tag. Das Geburtstagskind erwies sich im Nachhinein übrigens als sehr dankbar und weiß das Engagement aller Bands zu schätzen. Und gestorben ist meines Wissens auch niemand. 😉
Ein Montagabend im Zeichen des Metals. Bandprobe abgesagt, pünktlich Feierabend gemacht und auf zur Markthalle (bzw. deren kleiner Schwester, dem MarX), leider allein – niemand in meinem Freundeskreis ist so irre, an einem Montagabend ein solches Konzert aufzusuchen. Egal, vorgenommen, nüchtern zu bleiben und den Bands, ähm, „interessiert zu folgen“, was bei Metal-Shows eigentlich immer ganz gut klappt. Kutten wohin das Auge blickt, entspannte Leute, und ein pünktlicher Start von GENGIS KHAN. CSU-Bonze Leslie Mandoki zu feuern war längst überfällig, die musikalisch etwas härtere Ausrichtung stand der Band auch nicht schlecht zu Gesicht und besonders der Drummer lieferte eine geile Show, ließ die Sticks kreisen, warf sie hoch, fing sie wieder auf und durfte die Chose durch ein gelungenes Drum-Solo auflockern. Das Songmaterial erschien mir trotz allem aber eher unspektakulär und auf den alten Smashhit „Dsching, Dsching, Dschingis Khaaan, hey Reiter, ho Reiter…“ musste ich ganz verzichten. Oder hab ich da was verwechselt? Im Ernst: Italo-Metal der okayen Sorte.
Endlich mal wieder die schottischen Anarchos von OI POLLOI, und dann auch noch zusammen mit dem HAMBURGER ABSCHAUM, der nun endlich sein Album draußen hat – das klingt nach ‘ner geilen Party! Dank BOLANOW-BRAWL-Gesangsaufnahmen schon gut angeheitert, kam ich reichlich spät und hatte Glück, überhaupt noch in die rappelvolle Lobusch hineingelassen zu werden. Dort gab der ABSCHAUM gerade sein eigens für den Soli-Sampler für die Lampedusa-Flüchtlinge eingespielten Song zum Besten, der zum Fäusterecken und Mitgrölen einlädt und wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, folgte das mittlerweile hinlänglich bekannte Programm mit all seinen Hits, das entsprechend gefeiert wurde. Die Lobusch glich allerdings mittlerweile einer Sauna, worunter meine Kondition litt. Ein paar Bieraufgüsse später standen OI POLLOI auf den Brettern und wie einen guten Wein hätte ich die altbekannte Show mit den längst zu Klassikern gewordenen Ansagen und Show-Elementen – wie immer vorgetragen in höchst respektablem Deutsch! – genießen können, wäre der raue, schnelle Hardcore-Punk der Band nicht derart aufpeitschend gewesen, dass ich mich wider alle Vernunft in den Pogo-Mob stürzte und angesichts meines desolaten Zustands vermutlich mehr herumstolperte, als, äh, tänzerische Akzente zu setzen. Ein nasser Sack wäre Fred Astaire dagegen gewesen. Ächzend und keuchend fand ich irgendwann in der Nacht dann glücklicherweise noch den Weg nach Hause. Irgendwie ganz schön anstrengend alles, aber manchmal siegt die Abenteuerlust eben doch noch vor der Altersweisheit.
Auf eine positive Kritik im „Rock Hard“ hin hatte ich mal in das Mini-LP-Debüt der belgischen EVIL INVADERS hineingehört – und umgehend zum heißesten Oldschool-Speed-Metal-Scheiß überhaupt zurzeit erkoren. Klar war demnach, dass ich die sympathische Bambi Galore in Hamburg-Billstedt heimsuchen werde, um mir das Spektakel live nicht entgehen zu lassen. Der Laden füllte sich für einen Dienstagabend erstaunlich schnell und ansehnlich mit kuttentragenden Metalheads und atmete ordentliche ‘80er-Atmosphäre. EVIL INVADERS machten dann auch den Anfang des Dreier-Pakets und erfüllten all meine Erwartungen! Die Band gab alles, spielte ihre pfeilschnellen Stücke quasi fehlerfrei in einem wahren Rausch und Gitarrist und Sänger Jöe Anus malträtierte seine Stimme mit hohen Frequenzen und spitzen Schreien – genial! Als Extra-Bonbon gab’s das EXCITER-Cover „Violence and Force“, das wie die Faust aufs Auge passte. Der Sound war ebenfalls klasse und auch meine Freundin, in Sachen Speed-Metal-Konzerte (wie ich eigentlich auch) eher unbeleckt, fand Gefallen an der Sause, was mir den Abend zusätzlich versüßte. Für mich stand jetzt schon fest, den Höhepunkt des Konzerts bereits erlebt zu haben, hatte die folgenden Bands aber auch gar nicht so recht auf dem Zettel. Die Schweden SCREAMER forderten allerdings vehement Aufmerksamkeit ein, spielten ebenfalls ein superflinkes Brett, schreckten nicht vor Hochfrequenz-Tönen der Gitarre und der Stimme zurück und wurden entsprechend abgefeiert. Besonders gefallen haben mir die Songs „Demon Rider“ und „Screamer“ und auch der Rest war nicht von schlechten Eltern sowie höchst unterhaltsam und mit Nachdruck dargeboten. Eine ungekünstelte Band, übrigens mit einem Punk am Schlagzeug, die ihre Songs lebt und mit ehrlicher Inbrunst darbietet. Live ‘ne volle Kante – Respekt! Und siehe da, STRIKER aus Kanada schlugen in dieselbe Kerbe, spielten um ihr Leben und lieferten eine geile Show, an der es rein gar nichts zu mäkeln gab! Der Sound war noch immer 1a und der Mob feierte, das IRON-MAIDEN-Cover „Two Minutes to Midnight“ wurde aus hunderten Kehlen mitgesungen. Obwohl SCREAMER und STRIKER nominell gar nicht zwingend dem Speed-Subgenre zugerechnet werden, erschien mir der ganze Abend wie einziger Geschwindigkeitsrausch, der selbst dann permanent Adrenalin produzierte, wenn man nur dastand und sich von den Darbietungen an die Wand drücken ließ. Alle Bands waren wild, spieltechnisch bemerkenswert, energiegeladen und authentisch und sicherten mir ein beeindruckendes Konzerterlebnis mit viel Underground-Flair, das ich so schnell nicht vergessen werde – wenn auch das Pfeifen in den Ohren glücklicherweise schnell wieder nachließ. SO macht Metal verdammt viel fucking Spaß!