„Der Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik“, kurz: BStU, seit 2011 in Person: Roland Jahn, ist Herausgeber zahlreicher Publikationen, die sich mit dem Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der untergegangenen DDR auseinandersetzen. Einige werden gegen Entgelt vertrieben und sind im normalen Buchhandel verfügbar, andere sind gratis erhältlich, so auch dieser 116-seitige Band im Großformat und im Softcover auf hochwertigem Glanzpapier aus dem Jahre 2017, der sich dem Umgang des MfS mit westdeutschen RAF-Terroristinnen und -terroristen widmet. Hierfür wurden die Scans zahlreicher MfS-Akteneinträge abgedruckt, die seitens des BStU komplett unkommentiert bleiben. Dafür führt jedoch ein dreiseitiges Vorwort ins Thema ein und versucht sich an einer Auslegung der aus den Unterlagen gewonnenen Erkenntnisse. Die Dokumente wurden in fünf chronologisch aufeinander aufbauende Kapitel („Anfänge“, „Beobachtung und Aufklärung“, „Projekt Übersiedlung“, „Unterstützung“ sowie „Verschleierung und Distanzierung“) aufgeteilt, denen jeweils ein kurzer Text mit geschichtlichen und politischen Hintergründen vorangestellt wurde. Im Anhang finden sich ein Abkürzungsverzeichnis und BStU-Kontaktdaten.
So erhält man also einen unmittelbaren Eindruck, wenngleich die Auswahl der abgedruckten Akten durch den BStU getroffen wurde. Wer glaubt, das MfS habe sich über die Aktionen der RAF und ähnlicher Organisationen gefreut, weil man schließlich einen gemeinsamen Feind habe, und eine aktive terroristische Zusammenarbeit gegen die BRD und die Nato gefördert, sieht sich anhand dieser Lektüre getäuscht: RAF und Konsorten wurden als Sicherheitsrisiko erachtet und „individueller Terror“ abgelehnt, ihre Mitglieder so gut es eben ging beobachtet und überwacht. Verschlug es eine westdeutsche Terroristin respektive einen ebensolchen Terroristen in die DDR, wurde sie oder er verhört. Die RAF suchte im Laufe der Zeit aktiv die Unterstützung durch die DDR, Asyl erhielt man letztlich jedoch nur gegen Wissens- und Informationstransfer. Zehn unter neuer Identität in der DDR lebende Aussteigerinnen und Aussteiger fielen einer totalen Überwachung durchs MfS anheim und wurden zur Zusammenarbeit mit der Behörde gezwungen (was indes nicht immer funktioniert hat).
Ab Seite 41ff. gibt es einen interessanten vom MfS aufgestellten Vergleich der Entführungen Hanns Martin Schleyers durch die RAF und Aldo Moros durch die italienischen Roten Brigaden, der zeigt, wie genau man diese Ereignisse analysierte. Der Paradigmenwechsel des MfS, tatsächlich Aussteigerinnen und Aussteiger zu DDR-Bürgerinnen und -Bürgern zu machen, erfolgte im Jahre 1978 und lässt sich anhand der abgedruckten fiktionalen Lebensläufe Silke Maier-Witts und Monika Helbings sowie Berichten über die Eingliederungsprozesse, Enttarnungen und Neueingliederungen Maier-Witts und Susanne Albrechts nachvollziehen. Das sind einerseits tiefe Einblicke in Privatbereiche dieser Frauen, ist aber auch eine hochinteressante Kalter-Krieg-Lektüre (die, wie auf S. 70, leider dort abbricht, wo es besonders spannend wird). Bis zur endgültigen Enttarnung im Zuge der Auflösung der DDR zieht sich eine sehr distanzierte Haltung des MfS gegenüber der RAF, auch ihrer jüngeren Generationen bzw. Inkarnationen, durch die Akten, während im Vorwort zum letzten Kapitel von „aktiver Komplizenschaft“ die Rede ist. Das kann man vielleicht so nennen, wenngleich man sich darunter wohl doch noch etwas anderes vorstellt – und auch die RAF-Leute sich etwas anderes vorgestellt hätten – als das, was sich tatsächlich ereignete.
Somit bietet dieser Auszug aus dem „Stasi-Archiv“ durchaus erhellende Einblicke in einen Themenkomplex, der sich als weit weniger aufregend und politisch brisant herausstellt, als es medial vermittelt mitunter den Eindruck hat.

Die Erlebnisse des pubertierenden schwedischen Jungen Berg Ljung gehen in die nächste Runde: Nach „Berts heimlichen Katastrophen“ sind es nun gar „Megakatastrophen“, die die schwedischen Vettern, Lehrer und Schriftsteller Sören Olsson und Anders Jacobsson im siebten Band der fünfzehnbändigen Jugendbuchreihe beschreiben, die Berts Tagebucheinträge vom zwölften bis zum 17. Lebensjahr enthalten. Die humorige Coming-of-Age-Reihe ist von 1987 bis 1999 im schwedischen Original und von 1990 bis 2005 ins Deutsche übersetzt bei der Hamburger Verlagsgruppe Friedrich Oetinger erschienen. Olsson und Jacobsson versetzen sich in die Gefühlswelt ihres Protagonisten und versuchen diese so wiederzugeben, wie a) er sie in einem Tagebuch niedergeschrieben hätte und b) sie ein jugendliches Publikum mit ähnlichen Voraussetzungen erreichen, das sich mit der Figur identifizieren kann. „Berts Megakatastrophen“ ist in Schweden 1994 und in der deutschen Übersetzung 1997 veröffentlicht worden.
Karl Marx‘ „Das Kapital. Kritik der politischen Oekonomie.“ erschien im Jahre 1867 und besitzt noch immer Gültigkeit, wird jedoch kaum noch von jemandem gelesen. Um Marx‘ Ergebnisse seiner Forschungen in Bezug auf Wirtschaft und Politik allgemeinverständlich zu abstrahieren, erschien 1974 mit „Geschichten vom Doppelcharakter. Der erste Band des ‚Kapital‘, gezeichnet & kommentiert von K. Plöckinger & G. Wolfram“ im Hamburger VSA-Verlag eine erste Comic-Adaption. Diese nahm der finnischstämmige, in Goch aufgewachsene Zeichner und Autor Jari Banas als Grundlage für seine 1980 ebendort veröffentlichte Comic-Version, die mehrere Neuauflagen erfuhr und 2018 anlässlich Marx‘ 200. Geburtstags als aktualisierte und vollkolorierte Fassung in einer rund 170-seitigen Softcover-Ausgabe erschien.
Das im Jahre 2013 im Kölner Komet-Verlag veröffentlichte Buch „Kindheit in der DDR“ lässt 160 großformatige Seiten auf hochwertigem Glanzpapier im festen Einband lang und mit über 200 Fotos gespickt mehrere Autorinnen und Autoren ihre Kindheitserinnerungen an die DDR Revue passieren – subjektiv, aus kindlicher Perspektive, anekdotisch.
Der deutsche Cartoonist Ivica Astalos – der einzige Mad-Zeichner nicht-amerikanischer Herkunft, von dem Taschenbücher innerhalb der Mad-Reihe erschienen – veröffentlichte im Jahre 1982 seinen zweiten Band, der weit mehr ist als eine Verballhornung bekannter Märchen. Auf ein gewohnt humoristisches Vorwort des Herausgebers Herbert Feuerstein folgen auf rund 160 unkolorierte Seiten verteilte acht Kapitel.
Scheißhaus an Marmeladeneimer
Den US-Comiczeichner Peter Bagge hatte ich Mitte der 1990er dadurch kennenlernt, dass der Carlsen-Verlag seine punkig-anarchische, im Seattle des Grunge-Booms angesiedelte Funny-Reihe „Hate!“ unter dem deutschen Titel „Leck mich!“ veröffentlichte. Nach neun großartigen Heften war Schluss, und was ich nicht ahnte: Bereits vor „Hate!“ hatte Bagge Comics um sein Alter Ego Buddy Bradley gezeichnet und veröffentlicht. In diesen hatte es Buddy noch nicht nach Seattle verschlagen, sondern er lebte mit seiner Familie (Mutter, Vater, Schwester, kleiner Bruder) in einer New Yorker Vorstadt und pubertierte fröhlich vor sich hin. Der Alpha-Verlag veröffentlichte 1991 innerhalb seiner „U-Comic präsentiert“-Reihe als Band Nr. 45 ausgewählte Geschichten, die im US-Original im Zeitraum 1985 bis ’89 – also noch vorm die erste Hälfte der ‘90er popkulturell prägenden Grunge-Hype – erschienen waren.
Die im US-amerikanischen Original bereits im Jahre 1978 erschienenen fünfzehn neuen Spionageabenteuer wurden innerhalb der deutschen Mad-Taschenbuch-Reihe 1982 als fünfter „Spion & Spion“-Band veröffentlicht. Auf den gewohnten rund 160 unkolorierten und nun leider wieder unnummerierten Seiten werden die jeweils im „Der Fall mit…“-Muster betitelten Geschichten in einem Umfang von ein bis drei Panels pro Seite erzählt, wobei nach wie vor auf jeglichen Text verzichtet wird (abgesehen von einigen Beschriftungen). Und einmal mehr habe ich den Eindruck, dass diese Kalter-Krieg-Satire verglichen mit Prohias‘ älteren Zeichnungen abermals ein neues Level an Absurdität in den Methoden, mit denen sich beide Spione gegenseitig den Garaus machen, erreichen. Dass eine Geheimkonferenz öffentlich angeschlagen wird, um den Gegner in eine Falle zu locken, ist da noch das Harmloseste. So wird aus einer stinkenden Socke ein Handschuh gestrickt und einer Dame zugespielt, damit diese ihn anzieht und dem Gegner zum Handkuss hinhält, woraufhin dieser ob der Geruchsemission in Ohnmacht fällt; so wird ein Alligator dazu gebracht, eine Sprungfeder mit angebundenem Wecker zu verschlucken; so werden Handschuhe ferngesteuert und wird zu guter Letzt ein Magnet auf die denkbar komplizierteste Weise mit Reißnägeln in Verbindung gebracht. Bei 15 Fällen muss es einen Sieger geben, den ich hier aber nicht verrate. Auch dieser fünfte Band ist ein Musterbeispiel für kreative Niedertracht und Brutalität und erfordert eine gewisse Konzentration auf die Zeichnungen, um die Pläne und die aus ihnen resultierenden Kettenreaktionen in vollem Umfang zu erfassen. Eine Besonderheit dieser Ausgabe: Mehrfach tauchen Zeitungen in verschiedener Form auf, die hier mit zufällig ausgewählt wirkenden deutschsprachigen Texten bedruckt sind.
Nach Don Martin im ersten Mad-Taschenbuch wurde dem Zeichner Sergio Aragones die Ehre zuteil, das zweite deutsche Mad-Taschenbuch auszufüllen: „Viva Mad!“ erschien im Jahre 1973 und gab dem aus den Mad-Heften lediglich als „Randerscheinung“ bekannten Aragones die Möglichkeit, seine sonst auf winzige Heftrandzeichnungen beschränkten Comics großzügig auf die diesmal nur rund 130 schwarzweißen Taschenbuchseiten auszudehnen. Mit „großzügig“ ist gemeint, dass sich nur maximal drei Panels auf einer Seite befinden, häufig sogar lediglich eines. Vom ein oder anderen Soundword abgesehen findet sich keinerlei Text, lediglich die acht Kapitel, in die das Buch thematisch unterteilt wurde, tragen Überschriften: „Es lebe Karate“, „[…] der Schatten!“, „[…] der Sommer!“, „Es leben die Monster!“, „Es lebe die Jagd!“, „[…] das Krankenhaus!“, „[…] das Fischen!“ und „[…] die Revolution!“