
Die Hamburger Oi!-Punk-Hoffnung IN VINO VERITAS holte zum Ausgleich für ihre Ruhrpott-Gigs die Dortmunder Kollegen von CURB STOMP nach Hamburg und lud uns freundlicherweise ein, mit beiden die Bühne zu teilen. Über kurz oder lang wuchs das ganze auf satte fünf Bands an, so dass wir in die mittlere Position rutschten. Das Café Flop war uns noch in guter Erinnerung von einem pannenreichen, aber trotzdem geilen Gig, ebenfalls zusammen mit IN VINO VERITAS. Diesmal aber lief alles fast schon beängstigend glatt, außer das die Nachwuchs-Punks (und der Kurzhaarige am Mikro) von der BIERSCHISS BRIGADE vor einem ihrer ersten Gigs etwas mit dem Soundcheck zu kämpfen hatten – was wiederum die positive Folge hatte, dass wir anschließend den immer wieder angespielten Hit bereits gut mitsingen konnten. Dass im Flop diesmal auch etwas zu essen kredenzt wurde, war mir im Vorfeld gar nicht bewusst, weshalb ich mir sinnloserweise auf dem Hinweg noch einen Veggie-Burger und ’ne Portion Pommes zum ersten Bier genehmigte. Egal, was ich damit andeuten will, ist, dass die Sause diesmal echt gut durchorganisiert war und somit die BRIGADE dann auch glaub ich pünktlich loslegte. Mit dabei waren einige ebenfalls blutjunge Unterstützer, die ihre Band gut abfeierten, und ich meine auch die eine oder andere erwachsene Aufsichtsperson gesichtet zu haben… Die Band jedenfalls hatte eine Handvoll Songs gegen Nazis, Bullen etc., und als besonderer Hit entpuppte sich ein Songs gegen Bahn-Hilfssheriffs. Der Glatzkopp am Mikro wurde gesanglich immer wieder von der Rotzröhre des einen Gitarristen unterstützt, ich glaub, Gitarrero Nummer 2 war’s, der anscheinend unter dem Bühnensound litt und eher irritiert dreinblickte. War ’ne kurzweilige Angelegenheit, die Spaß gemacht hat und mit Kidpunk-Charme überzeugte. Die OI!SLUTS aus Hamburg spielen schon so manches Jahr zusammen, was man ihnen aber nicht unbedingt anhört. Die Band um Sänger Terror, der an diesem Abend auch in seinen Geburtstag reinfeierte, ist die ganz grobe, ungehobelte Oi!-Kelle, die mit rudimentärster Instrumentierung auskommt und auf die Inbrunst, mit der Terror die Texte über den Way of Life hinausbrüllt, ausgerichtet ist. Gecovert hat man „Pöbel & Gesocks“ von den BECK’S PISTOLS und ich hab’s zunächst gar nicht erkannt. Zwischenzeitlich stieg ein Kumpel der Jungs auf die Bühne und übernahm bei einem Song den Gesang, der in seiner Inbrunst Terror in nichts nachstand und superaggressiv ins Mikro brüllte, dabei aber etwas verkrampft wirkte. Die in rote Einheitsshirts mit Aufdruck „Ich würd mich ficken“ gekleideten OI!SLUTS meinen das offensichtlich alles ernst und sind ohnehin stark in der Hamburger Skinhead-Szene verwurzelt, weshalb die Authentizität in jedem Falle vorhanden ist – und das macht sie auf ihre Weise total krass. Böser Scheißdrauf-Oi!, bei dem die Expression weit vor Feinsinn und Schöngeist kommt – und damit näher am ursprünglichen Spirit sein dürfte, als manch lascher Streetpunk-Sound der vergangenen Jahre. Davon unabhängig hat es mich sehr gefreut, mit Terror, mit dem ich früher so manches Bierchen geköpft hatte, nach so langer Zeit mal ein Konzert gemeinsam zu bestreiten. Im Anschluss schlug unsere Stunde und BOLANOW BRAWL bestieg die Bühne. Ok, wir hatten unser Banner vergessen, aber ansonsten war alles knorke: Die Technik spielte mit, der Zeitplan stimmte noch immer, kein Bandmitglied war zu voll und das Publikum war nicht nur recht zahlreich vorhanden, sondern auch bereits gut drauf. Unser melodischer Streetpunk stand in gewisser Weise im Kontrast zu den vorausgegangenen Bands, wurde dankend angenommen und vom ersten Song, unserem unbescheidenen OXYMORON-Cover „We Rule Ok“, an war was los. Hat so richtig Spaß und Lust auf mehr gemacht und als wir durch waren, begann der für uns angenehmste Teil, denn es standen noch zwei hochkarätige Bands auf dem Billing. IN VINO VERITAS, die gerade ihre Aufnahmen zur bei Klabautermann Records erscheinenden EP abgeschlossen hatten, bewiesen, welch eingespieltes Team sie mittlerweile sind und lieferten einmal mehr einen in allen Belangen überzeugenden Gig ab, der gereiften, aber noch immer ausreichend ungeschliffenen und aggressiven Oi!-Punk mit manch Augenzwinkern und beachtenswerten deutschen Texten bot. Es freut mich aufrichtig für die Jungs, dass sie ihre Pechsträhne mittlerweile längst hinter sich gelassen haben und endlich mal alles so rund läuft. Chapeau, wie die Italiener sagen! 😉 Mit CURB STOMP aus Dortmund, die ebenfalls ’ne EP (in Eigenproduktion) draußen haben, hatten wir einen Headliner, dessen Mitglieder sich selbst dann noch als echt nette, umgängliche Jungs entpuppten, als man sie mit Schalke-Sprüchen nervte. Die vier Ruhrpott-Skins legten ein abendfüllendes Oi!-Punk-Brett aufs Parkett, das sich manch szenetypischen Themen widmet, ohne jemals stumpf zu wirken – weder musikalisch noch textlich. Besonders schön: Ein Song übers Ausnüchtern auf der Arbeit, der vom mittlerweile volltrunkenen BOLANOW-Ole durch mehr Gerangel als Getanze gebührend abgefeiert wurde. Das Publikum war auch diesmal auf Seite der Band und sorgte weiterhin für ’ne ordentliche Party. Nach Konzertende ging’s noch kurz mit ’nem Kasten Bier bewaffnet gemeinsam auf den Kiez, bevor mich rechtzeitig das Bett rief. Ärger gab’s meines Wissens überhaupt keinen auf dem Konzert, das unter dem Motto „United we stand – divided we fall“ ein abwechslungsreiches Line-up für vier lächerliche Euro bot und genau so ablief, wie ich es mir gewünscht hatte. Danke an IN VINO VERITAS und das Café Flop sowie ans Publikum und ich hätte große Lust, mit der einen oder anderen Band mal wieder die Bühne zu teilen.


Theo feierte ihren Geburtstag und organisierte aus diesem Anlass ein Konzert auf dem Holstenkamp, wo sie zusammen mit x anderen Punks die ehemaligen Räumlichkeiten eines Pflegeheims bewohnt, die zu einer Art riesigen Punk-WG umfunktioniert wurden. Dafür liegt die ganze Chose aber auch ein bisschen dezentral, grob orientieren kann man sich am Rondenbarg, also Ecke Diebsteich da irgendwo. Pünktlich traf ich mich mit den anderen MOTHERFUCKERS am Proberaum, wo einer der Holstenkamper so nett war, unser Equipment mit einem alten Caddy abzuholen. Aufgrund der nur rudimentären Ausstattung vor Ort nahmen wir neben dem üblichen Kram Teile unserer Proberaum-P.A. mit. Bis dahin ließ sich alles ganz gut an. Einer fuhr beim Fahrer mit, wir anderen vier reisten in punk-typischer Dekadenz mit dem Taxi an. Keiner von uns Taxifahrern war schon einmal vor Ort und auch der Taxifahrer wusste nicht so ganz genau Bescheid, aber nach kurzem Fußmarsch war die „Hütte“ gefunden. Das Garagentor stand offen, das dort stehende sparsame Equipment und das vom Rondenbarg geliehene Schlagzeug zeigten an, dass hier der Gig stattfinden solle. Allerdings waren wir zunächst allein da unten und niemand gab sich uns als Ansprechpartner oder gar als Verantwortlich für das Technik-Gedöns zu erkennen. So kam es, dass den Aufbau kurzerhand wir übernahmen (dabei federführend: der sich damit glücklicherweise bestens auskennende Mike). Das hatte zur Folge, dass irgendjemand von uns immer wieder in den Wohnkomplex lief, um Kabel, wat zu trinken etc. ranzuschaffen. Dort stellte sich heraus, dass die Party bereits seit Tagen in Gang war und sich eine gewisse Katerstimmung breitgemacht hatte, die das Ganze nicht unbedingt vereinfachte. Irgendwie bekamen wir jedoch tatsächlich einen amtlichen Aufbau inkl. P.A. zusammenimprovisiert, hatten letztlich aber nur ein einziges – mein – Gesangsmikro für drei Bands. ZWECKENTFREMDUNG hatten im Vorfeld abgesagt, übrig blieben wir drei anderen, die auch allesamt vor Ort waren. An einen Beginn um 20:00 oder gar 19:00 Uhr war jedenfalls keinesfalls zu denken und bis alles stand, verstrich die eine oder andere Stunde. Langsam aber sich kamen einige Gäste zusammen, womit wir gar nicht unbedingt gerechnet hatten, da diverse Konkurrenzveranstaltungen um die Gunst des Publikums buhlten. Der Pöbel verteilte sich aber im Gebäude und lief wild durcheinander, bis wir irgendwann kurzerhand beschlossen, dass 21:30 Uhr eine gute Zeit zum Beginnen wäre und zehn Minuten vorher marktschreierisch diese Kunde durch die diversen Räumlichkeiten kolportierten. Glücklicherweise war’s auch möglich, die grelle Leuchtstoffröhre über der Bühne auszuschalten und so legten wir mit „Aktion Mutante“ los. Und siehe da, die Garage war amtlich gefüllt und der Mob sprang jauchzend und vergnügt über den Beton, hatte Bock und Spaß. Da es irgendwie außer Bier nichts zu trinken und zu essen schon gar nichts gab, hatte ich mittlerweile auch einen nicht von der Hand zu weisenden Pegel, der in Kombination mit dem Adrenalinausstoß zu einer von jeglicher Nervosität keinerlei Spur mehr aufweisenden Performance von mir führte, aber auch die Konzentration erschwerte und mich ein, zwei Mal die Texte versemmeln ließ. Vom zu großen Teilen noch volleren Publikum merkte das niemand und der Party tat’s keinen Abbruch. Seine Live-Premiere hatte unser jüngster Song „Nie der Plan“, der sich als echter Stimmbandzerfetzer herauskristallisiert, aber da muss ich ebenso durch wie das Publikum… Der geile Gig hatte für den ganzen Aufwand im Vorfeld entschädigt und nun gab ich mir richtig die Kante zu KACKREIZ, die sich als Kölner natürlich als waschechte Karnevalisten entpuppten und in abgefahrenen Kostümen schmutzige Lieder sangen, wobei es die Background-Sängerin nicht ganz leicht hatte, so ganz ohne Mikrofon. Beim geschmackvoll ausgewählten NORMAHL-Cover „Exhibitionist“ zog der Sänger/Gitarrist blank und es mich nach vorne zum Mitgrölen. Zumindest obenrum nackig machte ich mich nach diesem kurzweiligen und amüsanten Gig mit viel Asi-Charme aber erst bei INBREEDING CLAN, die ich für eine der interessantesten aktuellen Hamburger Bands halte. Wann immer die Band um Sänger Floh auftritt, kann ich nicht an mich halten, muss ich mich zwanghaft betrinken und durchdrehen. Norddeutscher Scum-Punk vom Feinsten, die beste „Ghostriders in the Sky“-Coverversion wo gibt und die Ausstrahlung atomar verstrahlter Höhlenbewohner machen die Band, die in ihrer Authentizität gar nicht auf irgendeine Theatralik setzen muss, zu etwas ganz Eigenem und Besonderem. Flohs kaputter Kloaken-Gesang, der treibende Bass und die Uffta-Drums gehen ohne Umwege direkt ins Bein und provozieren grobmotorische Eruptionen. Aus dem Konzept hab ich mich auch nicht bringen lassen, als, wie man mir erzählte, irgendeine volltrunkene Spaßbremse anscheinend der Meinung war, ich hätte ihn beim Pogo zu doll angerempelt, woraufhin er in meinem Rücken stets versuchte, mich umzustoßen – was ihm beim x-ten Anlauf schließlich gelang. Dafür hat er sich einen trotz meines Zustands gezielten Faustschlag eingefangen, woraufhin er sich nicht entblödete, mit einer Flasche auf mich losgehen zu wollen. Das unterbanden jedoch meine aufmerksamen Bandkollegen, woraufhin ich in Ruhe weiterfeiern konnte. Der Depp gab trotzdem keine Ruhe und versuchte, seinerseits Schläge zu platzieren, was ich allerdings nicht einmal wahrnahm und nach einem weiteren Einschreiten meiner Kollegen war dann auch Sense. Ab dem grandiosen INBREEDING-CLAN-Auftritt (wie schafft es Floh eigentlich, volltrunken noch so einen Auftritt abzuliefern?!) verschwimmt meine Erinnerung doch arg. Ich weiß noch, dass Leute der drei Bands miteinander jamten und damit auch zu mittlerweile weit fortgeschrittener Stunde die eigentlich so ruhige Gegend zwischen Pflegeheim und Friedhof beschallten (das Garagentor stand die gesamte Zeit weit offen – mich wundert, dass keine Bullen antrabten), ich anschließend noch den CLAN mit dummen Sprüchen nervte und irgendwann auf einem Bett sitzend einfach nach hinten umkippte und einschlief. Auch andere haben beim Gerangel bei INBREEDING CLAN leichte Blessuren davongetragen und bereits bei KACKREIZ gab es Ärger mit irgendeinem Typen, der ohne ersichtlichen Grund auf Kai losging. Überblick über irgendetwas hatte am Schluss auch niemand mehr, richtig ansprechbar war kaum noch jemand. Solche vermutlich schnapsbedingten Begleiterscheinungen werfen dann natürlich doch ihre Schatten auf einen Abend im tiefsten Untergrund, aus dem ansonsten das Beste gemacht und das Maximum herausgeholt wurde und der noch rustikaler eigentlich gar nicht hätte sein können. Dass mein altes Mikro am Ende auch noch seinen Geist aufgab, verbuche ich aber unter normalem Materialverschleiß – ebenso meine gefürchtete Kombination aus Alkohol- und Muskelkater am nächsten Tag. Das Geburtstagskind erwies sich im Nachhinein übrigens als sehr dankbar und weiß das Engagement aller Bands zu schätzen. Und gestorben ist meines Wissens auch niemand. 😉
Ein Montagabend im Zeichen des Metals. Bandprobe abgesagt, pünktlich Feierabend gemacht und auf zur Markthalle (bzw. deren kleiner Schwester, dem MarX), leider allein – niemand in meinem Freundeskreis ist so irre, an einem Montagabend ein solches Konzert aufzusuchen. Egal, vorgenommen, nüchtern zu bleiben und den Bands, ähm, „interessiert zu folgen“, was bei Metal-Shows eigentlich immer ganz gut klappt. Kutten wohin das Auge blickt, entspannte Leute, und ein pünktlicher Start von GENGIS KHAN. CSU-Bonze Leslie Mandoki zu feuern war längst überfällig, die musikalisch etwas härtere Ausrichtung stand der Band auch nicht schlecht zu Gesicht und besonders der Drummer lieferte eine geile Show, ließ die Sticks kreisen, warf sie hoch, fing sie wieder auf und durfte die Chose durch ein gelungenes Drum-Solo auflockern. Das Songmaterial erschien mir trotz allem aber eher unspektakulär und auf den alten Smashhit „Dsching, Dsching, Dschingis Khaaan, hey Reiter, ho Reiter…“ musste ich ganz verzichten. Oder hab ich da was verwechselt? Im Ernst: Italo-Metal der okayen Sorte.
Endlich mal wieder die schottischen Anarchos von OI POLLOI, und dann auch noch zusammen mit dem HAMBURGER ABSCHAUM, der nun endlich sein Album draußen hat – das klingt nach ‘ner geilen Party! Dank BOLANOW-BRAWL-Gesangsaufnahmen schon gut angeheitert, kam ich reichlich spät und hatte Glück, überhaupt noch in die rappelvolle Lobusch hineingelassen zu werden. Dort gab der ABSCHAUM gerade sein eigens für den Soli-Sampler für die Lampedusa-Flüchtlinge eingespielten Song zum Besten, der zum Fäusterecken und Mitgrölen einlädt und wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, folgte das mittlerweile hinlänglich bekannte Programm mit all seinen Hits, das entsprechend gefeiert wurde. Die Lobusch glich allerdings mittlerweile einer Sauna, worunter meine Kondition litt. Ein paar Bieraufgüsse später standen OI POLLOI auf den Brettern und wie einen guten Wein hätte ich die altbekannte Show mit den längst zu Klassikern gewordenen Ansagen und Show-Elementen – wie immer vorgetragen in höchst respektablem Deutsch! – genießen können, wäre der raue, schnelle Hardcore-Punk der Band nicht derart aufpeitschend gewesen, dass ich mich wider alle Vernunft in den Pogo-Mob stürzte und angesichts meines desolaten Zustands vermutlich mehr herumstolperte, als, äh, tänzerische Akzente zu setzen. Ein nasser Sack wäre Fred Astaire dagegen gewesen. Ächzend und keuchend fand ich irgendwann in der Nacht dann glücklicherweise noch den Weg nach Hause. Irgendwie ganz schön anstrengend alles, aber manchmal siegt die Abenteuerlust eben doch noch vor der Altersweisheit.
Auf eine positive Kritik im „Rock Hard“ hin hatte ich mal in das Mini-LP-Debüt der belgischen EVIL INVADERS hineingehört – und umgehend zum heißesten Oldschool-Speed-Metal-Scheiß überhaupt zurzeit erkoren. Klar war demnach, dass ich die sympathische Bambi Galore in Hamburg-Billstedt heimsuchen werde, um mir das Spektakel live nicht entgehen zu lassen. Der Laden füllte sich für einen Dienstagabend erstaunlich schnell und ansehnlich mit kuttentragenden Metalheads und atmete ordentliche ‘80er-Atmosphäre. EVIL INVADERS machten dann auch den Anfang des Dreier-Pakets und erfüllten all meine Erwartungen! Die Band gab alles, spielte ihre pfeilschnellen Stücke quasi fehlerfrei in einem wahren Rausch und Gitarrist und Sänger Jöe Anus malträtierte seine Stimme mit hohen Frequenzen und spitzen Schreien – genial! Als Extra-Bonbon gab’s das EXCITER-Cover „Violence and Force“, das wie die Faust aufs Auge passte. Der Sound war ebenfalls klasse und auch meine Freundin, in Sachen Speed-Metal-Konzerte (wie ich eigentlich auch) eher unbeleckt, fand Gefallen an der Sause, was mir den Abend zusätzlich versüßte. Für mich stand jetzt schon fest, den Höhepunkt des Konzerts bereits erlebt zu haben, hatte die folgenden Bands aber auch gar nicht so recht auf dem Zettel. Die Schweden SCREAMER forderten allerdings vehement Aufmerksamkeit ein, spielten ebenfalls ein superflinkes Brett, schreckten nicht vor Hochfrequenz-Tönen der Gitarre und der Stimme zurück und wurden entsprechend abgefeiert. Besonders gefallen haben mir die Songs „Demon Rider“ und „Screamer“ und auch der Rest war nicht von schlechten Eltern sowie höchst unterhaltsam und mit Nachdruck dargeboten. Eine ungekünstelte Band, übrigens mit einem Punk am Schlagzeug, die ihre Songs lebt und mit ehrlicher Inbrunst darbietet. Live ‘ne volle Kante – Respekt! Und siehe da, STRIKER aus Kanada schlugen in dieselbe Kerbe, spielten um ihr Leben und lieferten eine geile Show, an der es rein gar nichts zu mäkeln gab! Der Sound war noch immer 1a und der Mob feierte, das IRON-MAIDEN-Cover „Two Minutes to Midnight“ wurde aus hunderten Kehlen mitgesungen. Obwohl SCREAMER und STRIKER nominell gar nicht zwingend dem Speed-Subgenre zugerechnet werden, erschien mir der ganze Abend wie einziger Geschwindigkeitsrausch, der selbst dann permanent Adrenalin produzierte, wenn man nur dastand und sich von den Darbietungen an die Wand drücken ließ. Alle Bands waren wild, spieltechnisch bemerkenswert, energiegeladen und authentisch und sicherten mir ein beeindruckendes Konzerterlebnis mit viel Underground-Flair, das ich so schnell nicht vergessen werde – wenn auch das Pfeifen in den Ohren glücklicherweise schnell wieder nachließ. SO macht Metal verdammt viel fucking Spaß!
Nachdem wir mit den MOTHERFUCKERS seit einigen Wochen in der Lobusch unseren Proberaum gefunden haben, sollten wir am Nikolausabend endlich auch einmal dort vor Publikum auftreten – als Vorband von ARGH FUCK KILL, die wie wir aus Hamburg kommen, und den Franken von WWK. Ein Abend im Zeichen des Hardcore-Punks also. Mike kümmerte sich nicht nur um die zweite Klampfe von uns, sondern sorgte auch für den guten Ton des Abends, womit ich den Sound meine. Für uns wurd’s Dezember-Gig-typisch mal wieder alles andere als pannenarm, was damit begann, dass das getestete Intro von CD partout nicht lief, als wir wartend auf der Bühne standen und dumm aus der Wäsche guckten. Also ohne Intro ab dafür und durchs Set geprügelt. Das Publikum war absolut fantastisch: der Laden war voll und die Leute hatten richtig Bock aufs Konzert, gingen vom ersten Ton an ab und mit – besser kann man’s sich als erste Band nicht wünschen. Leider riss Kai bei „Victim of Socialisation“ eine Saite, also den Song mit nur einer Klampfe und Hängen + Würgen zu Ende gebracht. Der kluge Motherfucker sorgt vor und so hatte Kai bereits eine Ersatzklampfe bereitstehen. Dass er auch dort in einem Anfall unterbewussten Vandalismus‘ nur kurze Zeit später die nächste Saite schredderte, war jedoch nicht geplant. Die letzten beiden Songs zogen wir improvisiert durch, doch für die geforderte Zugabe langte es nicht mehr und wir mussten abbrechen. So oder so war’s aber vom Zuspruch her wohl unser bisher bester Gig, unsere Bühnenleistung hingegen holperte hier und da und die Pannen nervten, uns jedoch weit mehr als das Publikum, insofern können wir unterm Strich zufrieden sein. ARGH FUCK KILL stehen noch ganz am Anfang und hatten bisher erst eine Handvoll Gigs, lieferten jedoch einen sehr energetischen, kaltschnäuzig-souveränen und voll und ganz überzeugenden Auftritt auf die altehrwürdigen Lobuschbretter. Geradliniger, derber Hardcore-Punk, bei dem mir besonders das punktgenaue „supertighte“ Schlagzeugspiel auffiel. Shouter Sven versah manch Refrain mittels Effektgerät mit einem Hall, was ebenfalls angenehm an alte ‘80er-Genrekost erinnerte. Geiler Gig und die Band sollte man unbedingt im Auge behalten. WWK fanden dann ein bereits sehr gut aufgepeitschtes Publikum vor und schmetterten einen Hassbatzen nach dem anderen in die Meute. Nicht allein aufgrund der Bass/Gesang-Doppelbelastung rang mir die Kondition des Frontmanns Respekt ab. Auch hier die pure Spielfreude und am Ende eine Zugabe nach der anderen, als hätte der Abend noch ewig so weitergehen können. Spitzenstimmung, kein Ärger, alles bestens. Und trotzdem war ich nach etlichen Stunden im immer verqualmter werdenden und sich immer mehr aufheizenden Laden froh, irgendwann den Heimweg antreten zu können – wofür meine Lady und ich kurzerhand aus dem Fenster sprangen, statt uns elendig lange durch die Menschenmassen zur Tür zu drängeln, und frische Luft aufsogen, die in dieser arschkalten Post-Xaver-Nacht mitverantwortlich dafür sein könnte, das ich mir ‘ne fette Schnodder- und Röchelseuche zuzog. Aber irgendwas ist ja immer. Danke an die Lobusch-Crew für diese geile Auftrittsmöglichkeit und an den bestens aufgelegten Mob!
Als die Pulvertoasties uns anboten, mit ihnen im Magdeburger Libertären Zentrum zu spielen, klärten wir die Frage nach der Spritkohle und sagten kurzerhand zu. Keiner kannte den Laden, aber das klang alles vielversprechend nach D.I.Y. und machte einen sympathischen Eindruck. Mit Tomczek erklärte sich sogar jemand bereit, uns zu chauffieren, und das auch noch in seinem für solche Vorhaben prädestinierten Minibus, in dem neun Personen Platz finden – die allesamt belegt wurden, denn Wurzel vom Gaußplatz, Katharina und ein Punk aus den USA, der Tomczek gerade besuchen war, begleiteten uns. Während der Hinfahrt musste ich erst mal die Arbeitswoche abschütteln, was ohne Alkohol gar nicht so einfach ist, aber schon auf der nachmittäglichen Hinfahrt das Trinken anzufangen, verbietet sich mir, wenn ich später auf der Bühne meine Texte noch kennen will. Tomczek erwies sich als absolut souveräner Fahrer, der uns sicher auch durch den einen oder anderen kleineren Stau geleitete und mit Musik und Comedy bestens zu unterhalten wusste. Die richtige Abfahrt gen Libertäres Zentrum genommen, erwischten wir einen verdammt dunklen Teil Magdeburgs, der Endzeit-Atmosphäre atmete, grau und trist. Genau das Richtige, um sich an diesem kalten Herbstabend aufs Konzert einzustimmen. Das Libertäre Zentrum entpuppte sich als großer besetzter Gebäudekomplex, der sich noch im Aufbau durch seine außerparlamentarisch politisch aktiven Bewohner befindet, jedoch bereits fließend Wasser, eine Kneipe und eine Bühne samt ordentlicher P.A. bietet – und einen schönen Hinterhof samt endzeit-futuristisch anmutender Konstruktionen und der klassischen Feuertonne. Ein Graffito besagte „Action Mutante“ und „No Fotos“ – ein passenderes Ambiente ist nur schwer möglich. Die Bewohner und Organisatoren vor Ort erwiesen sich als nette, unkomplizierte Leute, die uns ein leckeres Veggie-Burger-Buffet kredenzten, mit Astra und Sternburg Export zwei geile, ehrliche Arbeiterbiere anzubieten hatten und auch über genügend Schlafmöglichkeiten für unsere Neunerbande verfügten. Eigentlich alles gute Vorzeichen, doch nun kommt das große ABER: Leider hatte man wohl quasi null Werbung vor Ort gemacht und genösse unter den Punks einen eher schlechten Ruf (allein schon aufgrund des Rauchverbots im Saal aus Rücksicht auf Asthmatiker und Schwangere) und sowieso und überhaupt, jedenfalls zögerten wir den Beginn so weit wie möglich hinaus, da schlicht niemand zu einem Konzert zweier unbekannter Bands ohne nennenswerte Veröffentlichungen aus Hamburg kam (schon gar keine Asthmatiker, Schwangeren oder schwangeren Asthmatiker). Halt, das stimmt so nicht, eine Handvoll zahlender Gäste gab es, unter anderem Freunde von mir aus Halberstadt. Dän, seines Zeichens Bierbrauer, brachte uns sogar als besonderes Geschenk eine Riesenflasche unfiltrierten Bieres frisch aus dem Kessel mit, das wir uns nach dem Auftritt genüsslich einverleibten – danke, Dän! Apropos Auftritt: Den starteten wir dann irgendwann vor der Handvoll Gäste, den Pulvertoasties und den Leuten aus dem Libertären Zentrum, so dass die Fläche vor der Bühne nicht ratzekahl leer war. Der Auftritt dürfte unspektakulär, aber ok gewesen sein. Zwischen manch Songs ließen wir uns reichlich Zeit zum Anstoßen etc. – wenn man schon mal in solch gemütlicher Runde spielt, muss man sich auch nicht hetzen, wa? 😉 PROJEKT PULVERTOASTMANN im Anschluss ließen sich ebenfalls überhaupt nicht beirren und spielten absolut souverän ihren Stiefel herunter, wobei der Umstand, dass Bassist Holler um Punkt Mitternacht Geburtstag hatte, den Spaß noch deutlich erhöhte. Er bekam einen Meter Pfeffi, den er im Set zwischen zwei Songs komplett entleeren musste, was er mit erstaunlicher Unbeeindrucktheit erledigte und anschließend sogar noch astrein weiterspielen konnte – Prospekt, Aller! Der Abend nahm seinen Ausklang an der Bar, wobei Wurzel bereits Stunden vor dem Auftritt jenseits von Gut und Böse war und sich die Zahl der Trinkfreudigen nach und nach dezimierte. Irgendwann ging’s dann ab nach oben inne Penntüten, die die Aufgaben hatten, in den unbeheizten Räumen vor der Kälte zu schützen, die mittlerweile garstig durchs Gebäude kroch. Das war aber alles kein Problem und bereits saumäßig früh blies Tomczek schon wieder zur Rückfahrt, die diesmal superflott weil staulos vonstatten ging. Da man uns das Spritgeld, das wir zunächst nicht in kompletter Höhe annehmen wollten, förmlich aufgezwungen hatte, sind wir verlustfrei aus der Nummer rausgekommen und hatten einerseits unseren Spaß, haben andererseits ein interessantes Wohn- und Veranstaltungsprojekt kennengelernt und wurden gut umsorgt, so dass kein Grund zur Klage besteht; klassischer Fall von „das Beste draus gemacht“. Bleibt zu hoffen, dass das Libertäre Zentrum von den örtlichen Punks etc. besser angenommen wird bzw. man sich gegenseitig weiter einander annähert, damit aus der Bude über kurz oder lang ein Ort wird, an dem auch zwei unbekannte Nachwuchscombos auf Interesse stoßen. Mal ordentlich die lokale Werbetrommel zu rühren, kann generell aber auch nicht schaden. 😉 Besonderer Dank gilt Tomczek sowie den Pulvertoasties!