
Die echten COTZRAIZ nach 13 Jahren endlich einmal wieder in Hamburg – ach du Scheiße, so lange ist das schon her? Selbstredend war ich seinerzeit im alten Knust dabei, COTZRAIZ waren noch ‘ne unbekannte Nummer und spielten als Vorband von PÖBEL & GESOCKS. Bogo verteilte Dosenbier zu unserer Freude und der Sound war so gut, dass man sogar die Texte gut verstehen konnte. War ‘ne schöne Nummer damals und die Debüt-LP „Heil Cotzraiz“ schlug kurz darauf in der Szene ein wie eine Bombe. Egal, Schnee von gestern, nun kamen sie mit der fantastischen LOST BOYZ ARMY im Gepäck und bekommen gleich dreifachen Hamburger Support von THE HEADÄCHE, VIOLENT INSTINCT und VERBAL INCONTINENT. Zum Rock’n’Roll Warehouse in HH-Bahrenfeld begab ich mich zusammen mit Ex-COTZRAIZer und Jetzt-DISILLUSIONED-MOTHERFUCKER Kai, dessen Gattin und Rudi aus’m Pott mit gemischten Gefühlen. Ich war dort noch nie, aber irgendwann spielten wohl GROBER KNÜPPEL dort und als Kai deshalb den Laden aufsuchte, wurde er an der Tür abgewiesen: Punks hätten dort nichts zu suchen!? Unfassbar! Das Rock’n’Roll Warehouse befindet sich anscheinend auf einem Industriegelände und noch weit vorm Eingang, nämlich an den Toren zum Parkplatz, wurde man aufgehalten und darum gebeten, seine Getränke zu leeren. „Das fängt ja gut an“, dachte ich mir, doch schnell stellte sich diese Maßnahme nicht als Schikane heraus, sondern als gute Möglichkeit, um zu verhindern, dass auf dem stärker frequentierten Gelände Flaschen, Dosen etc. herumfliegen. Gefilzt wurde hingegen überhaupt nicht und die Getränkepreise bewegten sich absolut im Rahmen, insofern alles kein Problem – ganz im Gegenteil: Die Menschen hinter Kasse, Geraderobe und Tresen erwiesen sich als vollkommen entspannte, nette Klientel; anscheinend keine Warehouse-Angestellten, sondern Mitorganisatoren und ebenso wird es bei GROBER KNÜPPEL gewesen sein, wozu ich mir meinen Teil einfach mal denke. Das Ladeninnere hat ein bisschen was von einem nostalgischen kleinen Tanzschuppen und strahlt mit seinen gepolsterten Sitzmöglichkeiten links und rechts der Tanzfläche und der Sofaecke hinten im Saal direkt Gemütlichkeit aus – von Lagerhallen“charme“ keine Spur. Das Publikum war bunt gemischt: Norddeutsche, Ruhrpöttler, Berliner etc. gaben sich die Klinke in die Hand und füllten trotz zahlreicher Konkurrenzveranstaltungen – u.a. BISHOPS GREEN im Indra – die Hütte ansehnlich. Zudem machte das Publikum einen überwiegend sympathischen Eindruck, von Stumpf-Oi!-Prolls oder durch unsägliche „Grauzonen“-Diskussionen angelockten Asis keine Spur. Den Anfang machten pünktlich THE HEADÄCHE – mit ihrem allerersten Gig! Rockabilly mit Kontrabass, vorgetragen von vier zum Teil sichtlich noch etwas nervösen Herren, und wer ist das da an den Drums? Das Trommeltier von VIOLENT INSTINCT? Der wird doch nicht…? Um es gleich vorweg zu nehmen: Der Wahnsinnige hat tatsächlich drei Auftritte hintereinander durchgekesselt! Was THE HEADÄCHE da gespielt haben, konnte sich hören lassen, ich hätte mir nur die Gitarre etwas weniger verzerrt, dafür oldschoolig-cleaner gewünscht. Das interessierte Publikum spendete Applaus und bekam auch noch eine Zugabe, bevor VIOLENT INSTINCT die Bühne betraten (der Drummer konnte gleich sitzenbleiben). Frontfrau Aga ist von ihrer mehrmonatigen Abwesenheit zurück und schmettert zusammen mit ihren Kollegen wieder deutschsprachige Punkrock-Weisen mit intelligenten, durchaus persönlichen, kämpferischen Texten, die wieder entsprechend positiv aufgenommen wurden. Nun wird’s aber wirklich langsam mal Zeit für ‘ne Platte, gelle? Das ANGELIC-UPSTARTS-Cover „Solidarity“ fehlte ebensowenig wie die verlangte Zugabe, bevor Aga die Bühne verließ, ihre Bandkollegen aber auf selbiger verweilten. Der Grund dafür war der Kontrast zur THE-HEADÄCHE-Premiere, nämlich der LETZTE Gig des Projekt VERBAL INCONTINENT, einer Coverband, kurzweilig ins Leben gerufen während Agas Abwesenheit, damit den Bandkollegen nicht langweilig wird. So coverte man sich schön durch englische Oi!- und deutschsprachige Hardcore-Punk-Klassiker und ab hier konnte ich dann auch inbrünstig mitsingen und skandieren. Arschgeile Sache, insbesondere, wenn Briten-Oi! auf SLIME trifft. Gitarrero Dennis sang das meiste Zug und hat da ‘ne echt prädestinierte Stimme für. Nach drei Gigs wurde das Trommeltier nun auch endlich in den verdienten Feierabend entlassen, der Zeitschuh drückte auch, denn zwei weitere Bands standen auf dem Zettel. Endlich wieder Original-Cotzrock in Hamburg! Seit 2001 hat sich das Besetzungskarussell ein paar Mal gedreht, mittlerweile spielt Ätzer die Klampfe und macht damit den Inzest-Reigen der vertretenen Bands perfekt, schließlich bedient er auch den Viersaiter bei LOST BOYZ ARMY. Los ging’s mit „Stolz & stark“ über „Stadtverbot“, „Süße Träume“ und manch anderem Gassenhauer auch der anderen beiden Platten, „Was Punk ist, bestimmen wir“, „Atomkrieg jetzt“ und wie sie alle heißen. Teile des textlichen Konzepts, nämlich das provokante Verarbeiten nach vielerlei Meinung punk-untypischer Begriffe und ihre positive Besetzung und Konnotation, um Klischees infrage zu stellen, hatten sich meines Erachtens irgendwann dann doch ein bisschen abgenutzt und drohten, selbst zum Klischee zu werden. Jedoch haben COTZRAIZ auch mehr zu bieten und vermitteln live den Eindruck des absoluten Szene-Supports insofern, als man sich und die Szene, den eigenen Lebensstil etc. in kernig-frechen Hymnen reichlich selbst feiert, dabei weniger prollig als vielmehr locker-beschwingt und augenzwinkernd. Das muss auch mal sein, kann Balsam für die Seele sein und macht natürlich tierisch Laune, besonders mit ein paar Bierchen im Kopf, lädt ein zum Pogo und zum Fäusterecken, zum Mitsingen und Bierspritzen. Andere klettern schwankend auf die Bühne, annektieren das Mikro des Bassisten, während die Band sich über das Chaos freut und weiterspielt. Das Publikum geht voll mit und macht den Gig zu ‘ner großen Party. Da fällt auch schon mal ‘ne Monitorbox herunter oder ein Mikroständer um, aber im Handumdrehen wird alles wieder aufgebaut, Unterbrechungen gibt es keine. Zwei Paletten Dosenbier landen im Publikum und heizen die Stimmung weiter an. Der Bassist tauscht den Tieftöner irgendwann gegen ein Schifferklavier und nach ich weiß nicht wie vielen Hits im ‘80er-Punkrock-Stil, der sich so puristisch gibt, als wäre Heavy Metal nie erfunden worden, war dann irgendwann Sense und COTZRAIZ hinterließen der LOST BOYZ ARMY ein gut angeheitertes Publikum in Partystimmung. Die ARMY lieferte ihren Rekruten dann mit voller Kraft ein unvergleichliches, nicht nur manchmal, sondern durchgehend geiles Beispiel für Proletenpoesie, und es war so schön wie Fliegen, wieder einmal bewiesen zu bekommen, dass es auch mittlerweile lange nach Peters Trennung von den VERLORENEN JUNGS noch lange nicht vorbei ist. Nun habe ich in diesem einen Satz spaßeshalber einige Songtitel der Ruhrpott-Streetpunk-Band untergebracht, die nicht nur Songs der ersten beiden Alben, sondern auch ganz neues Material zum Besten gab und mit „Gekreuzte Hämmer“ einen DER Gänsehautsong s aus VERLORENE-JUNGS-Zeiten ins Set integrierte. Während des Gigs wurde etwas weniger gepogt, dafür die Hymnen lauthals mitgesungen, was neben den wohldosierten fröhlichen Spaß- und Trinksongs vor allem zu den persönlicheren, nachdenklicheren Texten aus Peters Feder, die viel vom alltäglichen Kampf, von auf Hochgefühle folgenden Niederlagen und Verlusten und das Immer-wieder-Aufstehen handeln und damit für ein hohes Identifikationspotential sorgen – von dem auch ich mich weder freisprechen kann noch möchte. Ein weiterer VJ-Hit, der bis zu diesem Konzert überlebt hatte, war „Stammtischstratege“, über den ich mich sehr gefreut habe. Andere Songs betonen den Wert von Freundschaften, von Individualität etc. und Peters emotionaler Interpretation seiner wohlformulierten Lyrik zuzusehen, ist ein audiovisueller Genuss, der sich nicht zuletzt aus der Authentizität der Band nährt, die keinerlei Brimborium nötig hat. Ab und zu dreht sich aber eben auch bei der Armee das Personalkarussell und so wurde es der letzte Auftritt von Gitarrist David. Diesem kann man zum gelungenen Abgang mit diesem großartigen Konzert nur gratulieren. Wenn ich mich recht entsinne, kam am Ende auch dessen Nachfolger Marius für einen Song auf die Bühne. Vielen Dank auch an Peter, der ganz überrascht war, dass ich ihm mal wieder über den Weg laufe und mir spontan einen Song gewidmet hat!? 🙂 Nach fünf Bands und ein paar Bierchen mehr kann ich mich nicht mehr an jedes Detail erinnern, aber an sowat dann doch!
Fazit: Ein grandioser Konzertabend, für Hamburger Verhältnisse einfach mal wieder bischn was anderes und ein wunderbares Exempel der noch viel weiter ausbaufähigen Hamburg-Ruhrpott-Konnäktschn. Auf ein baldiges Wiedersehen!

Theo feierte ihren Geburtstag und organisierte aus diesem Anlass ein Konzert auf dem Holstenkamp, wo sie zusammen mit x anderen Punks die ehemaligen Räumlichkeiten eines Pflegeheims bewohnt, die zu einer Art riesigen Punk-WG umfunktioniert wurden. Dafür liegt die ganze Chose aber auch ein bisschen dezentral, grob orientieren kann man sich am Rondenbarg, also Ecke Diebsteich da irgendwo. Pünktlich traf ich mich mit den anderen MOTHERFUCKERS am Proberaum, wo einer der Holstenkamper so nett war, unser Equipment mit einem alten Caddy abzuholen. Aufgrund der nur rudimentären Ausstattung vor Ort nahmen wir neben dem üblichen Kram Teile unserer Proberaum-P.A. mit. Bis dahin ließ sich alles ganz gut an. Einer fuhr beim Fahrer mit, wir anderen vier reisten in punk-typischer Dekadenz mit dem Taxi an. Keiner von uns Taxifahrern war schon einmal vor Ort und auch der Taxifahrer wusste nicht so ganz genau Bescheid, aber nach kurzem Fußmarsch war die „Hütte“ gefunden. Das Garagentor stand offen, das dort stehende sparsame Equipment und das vom Rondenbarg geliehene Schlagzeug zeigten an, dass hier der Gig stattfinden solle. Allerdings waren wir zunächst allein da unten und niemand gab sich uns als Ansprechpartner oder gar als Verantwortlich für das Technik-Gedöns zu erkennen. So kam es, dass den Aufbau kurzerhand wir übernahmen (dabei federführend: der sich damit glücklicherweise bestens auskennende Mike). Das hatte zur Folge, dass irgendjemand von uns immer wieder in den Wohnkomplex lief, um Kabel, wat zu trinken etc. ranzuschaffen. Dort stellte sich heraus, dass die Party bereits seit Tagen in Gang war und sich eine gewisse Katerstimmung breitgemacht hatte, die das Ganze nicht unbedingt vereinfachte. Irgendwie bekamen wir jedoch tatsächlich einen amtlichen Aufbau inkl. P.A. zusammenimprovisiert, hatten letztlich aber nur ein einziges – mein – Gesangsmikro für drei Bands. ZWECKENTFREMDUNG hatten im Vorfeld abgesagt, übrig blieben wir drei anderen, die auch allesamt vor Ort waren. An einen Beginn um 20:00 oder gar 19:00 Uhr war jedenfalls keinesfalls zu denken und bis alles stand, verstrich die eine oder andere Stunde. Langsam aber sich kamen einige Gäste zusammen, womit wir gar nicht unbedingt gerechnet hatten, da diverse Konkurrenzveranstaltungen um die Gunst des Publikums buhlten. Der Pöbel verteilte sich aber im Gebäude und lief wild durcheinander, bis wir irgendwann kurzerhand beschlossen, dass 21:30 Uhr eine gute Zeit zum Beginnen wäre und zehn Minuten vorher marktschreierisch diese Kunde durch die diversen Räumlichkeiten kolportierten. Glücklicherweise war’s auch möglich, die grelle Leuchtstoffröhre über der Bühne auszuschalten und so legten wir mit „Aktion Mutante“ los. Und siehe da, die Garage war amtlich gefüllt und der Mob sprang jauchzend und vergnügt über den Beton, hatte Bock und Spaß. Da es irgendwie außer Bier nichts zu trinken und zu essen schon gar nichts gab, hatte ich mittlerweile auch einen nicht von der Hand zu weisenden Pegel, der in Kombination mit dem Adrenalinausstoß zu einer von jeglicher Nervosität keinerlei Spur mehr aufweisenden Performance von mir führte, aber auch die Konzentration erschwerte und mich ein, zwei Mal die Texte versemmeln ließ. Vom zu großen Teilen noch volleren Publikum merkte das niemand und der Party tat’s keinen Abbruch. Seine Live-Premiere hatte unser jüngster Song „Nie der Plan“, der sich als echter Stimmbandzerfetzer herauskristallisiert, aber da muss ich ebenso durch wie das Publikum… Der geile Gig hatte für den ganzen Aufwand im Vorfeld entschädigt und nun gab ich mir richtig die Kante zu KACKREIZ, die sich als Kölner natürlich als waschechte Karnevalisten entpuppten und in abgefahrenen Kostümen schmutzige Lieder sangen, wobei es die Background-Sängerin nicht ganz leicht hatte, so ganz ohne Mikrofon. Beim geschmackvoll ausgewählten NORMAHL-Cover „Exhibitionist“ zog der Sänger/Gitarrist blank und es mich nach vorne zum Mitgrölen. Zumindest obenrum nackig machte ich mich nach diesem kurzweiligen und amüsanten Gig mit viel Asi-Charme aber erst bei INBREEDING CLAN, die ich für eine der interessantesten aktuellen Hamburger Bands halte. Wann immer die Band um Sänger Floh auftritt, kann ich nicht an mich halten, muss ich mich zwanghaft betrinken und durchdrehen. Norddeutscher Scum-Punk vom Feinsten, die beste „Ghostriders in the Sky“-Coverversion wo gibt und die Ausstrahlung atomar verstrahlter Höhlenbewohner machen die Band, die in ihrer Authentizität gar nicht auf irgendeine Theatralik setzen muss, zu etwas ganz Eigenem und Besonderem. Flohs kaputter Kloaken-Gesang, der treibende Bass und die Uffta-Drums gehen ohne Umwege direkt ins Bein und provozieren grobmotorische Eruptionen. Aus dem Konzept hab ich mich auch nicht bringen lassen, als, wie man mir erzählte, irgendeine volltrunkene Spaßbremse anscheinend der Meinung war, ich hätte ihn beim Pogo zu doll angerempelt, woraufhin er in meinem Rücken stets versuchte, mich umzustoßen – was ihm beim x-ten Anlauf schließlich gelang. Dafür hat er sich einen trotz meines Zustands gezielten Faustschlag eingefangen, woraufhin er sich nicht entblödete, mit einer Flasche auf mich losgehen zu wollen. Das unterbanden jedoch meine aufmerksamen Bandkollegen, woraufhin ich in Ruhe weiterfeiern konnte. Der Depp gab trotzdem keine Ruhe und versuchte, seinerseits Schläge zu platzieren, was ich allerdings nicht einmal wahrnahm und nach einem weiteren Einschreiten meiner Kollegen war dann auch Sense. Ab dem grandiosen INBREEDING-CLAN-Auftritt (wie schafft es Floh eigentlich, volltrunken noch so einen Auftritt abzuliefern?!) verschwimmt meine Erinnerung doch arg. Ich weiß noch, dass Leute der drei Bands miteinander jamten und damit auch zu mittlerweile weit fortgeschrittener Stunde die eigentlich so ruhige Gegend zwischen Pflegeheim und Friedhof beschallten (das Garagentor stand die gesamte Zeit weit offen – mich wundert, dass keine Bullen antrabten), ich anschließend noch den CLAN mit dummen Sprüchen nervte und irgendwann auf einem Bett sitzend einfach nach hinten umkippte und einschlief. Auch andere haben beim Gerangel bei INBREEDING CLAN leichte Blessuren davongetragen und bereits bei KACKREIZ gab es Ärger mit irgendeinem Typen, der ohne ersichtlichen Grund auf Kai losging. Überblick über irgendetwas hatte am Schluss auch niemand mehr, richtig ansprechbar war kaum noch jemand. Solche vermutlich schnapsbedingten Begleiterscheinungen werfen dann natürlich doch ihre Schatten auf einen Abend im tiefsten Untergrund, aus dem ansonsten das Beste gemacht und das Maximum herausgeholt wurde und der noch rustikaler eigentlich gar nicht hätte sein können. Dass mein altes Mikro am Ende auch noch seinen Geist aufgab, verbuche ich aber unter normalem Materialverschleiß – ebenso meine gefürchtete Kombination aus Alkohol- und Muskelkater am nächsten Tag. Das Geburtstagskind erwies sich im Nachhinein übrigens als sehr dankbar und weiß das Engagement aller Bands zu schätzen. Und gestorben ist meines Wissens auch niemand. 😉
Ein Montagabend im Zeichen des Metals. Bandprobe abgesagt, pünktlich Feierabend gemacht und auf zur Markthalle (bzw. deren kleiner Schwester, dem MarX), leider allein – niemand in meinem Freundeskreis ist so irre, an einem Montagabend ein solches Konzert aufzusuchen. Egal, vorgenommen, nüchtern zu bleiben und den Bands, ähm, „interessiert zu folgen“, was bei Metal-Shows eigentlich immer ganz gut klappt. Kutten wohin das Auge blickt, entspannte Leute, und ein pünktlicher Start von GENGIS KHAN. CSU-Bonze Leslie Mandoki zu feuern war längst überfällig, die musikalisch etwas härtere Ausrichtung stand der Band auch nicht schlecht zu Gesicht und besonders der Drummer lieferte eine geile Show, ließ die Sticks kreisen, warf sie hoch, fing sie wieder auf und durfte die Chose durch ein gelungenes Drum-Solo auflockern. Das Songmaterial erschien mir trotz allem aber eher unspektakulär und auf den alten Smashhit „Dsching, Dsching, Dschingis Khaaan, hey Reiter, ho Reiter…“ musste ich ganz verzichten. Oder hab ich da was verwechselt? Im Ernst: Italo-Metal der okayen Sorte.
Endlich mal wieder die schottischen Anarchos von OI POLLOI, und dann auch noch zusammen mit dem HAMBURGER ABSCHAUM, der nun endlich sein Album draußen hat – das klingt nach ‘ner geilen Party! Dank BOLANOW-BRAWL-Gesangsaufnahmen schon gut angeheitert, kam ich reichlich spät und hatte Glück, überhaupt noch in die rappelvolle Lobusch hineingelassen zu werden. Dort gab der ABSCHAUM gerade sein eigens für den Soli-Sampler für die Lampedusa-Flüchtlinge eingespielten Song zum Besten, der zum Fäusterecken und Mitgrölen einlädt und wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, folgte das mittlerweile hinlänglich bekannte Programm mit all seinen Hits, das entsprechend gefeiert wurde. Die Lobusch glich allerdings mittlerweile einer Sauna, worunter meine Kondition litt. Ein paar Bieraufgüsse später standen OI POLLOI auf den Brettern und wie einen guten Wein hätte ich die altbekannte Show mit den längst zu Klassikern gewordenen Ansagen und Show-Elementen – wie immer vorgetragen in höchst respektablem Deutsch! – genießen können, wäre der raue, schnelle Hardcore-Punk der Band nicht derart aufpeitschend gewesen, dass ich mich wider alle Vernunft in den Pogo-Mob stürzte und angesichts meines desolaten Zustands vermutlich mehr herumstolperte, als, äh, tänzerische Akzente zu setzen. Ein nasser Sack wäre Fred Astaire dagegen gewesen. Ächzend und keuchend fand ich irgendwann in der Nacht dann glücklicherweise noch den Weg nach Hause. Irgendwie ganz schön anstrengend alles, aber manchmal siegt die Abenteuerlust eben doch noch vor der Altersweisheit.
Auf eine positive Kritik im „Rock Hard“ hin hatte ich mal in das Mini-LP-Debüt der belgischen EVIL INVADERS hineingehört – und umgehend zum heißesten Oldschool-Speed-Metal-Scheiß überhaupt zurzeit erkoren. Klar war demnach, dass ich die sympathische Bambi Galore in Hamburg-Billstedt heimsuchen werde, um mir das Spektakel live nicht entgehen zu lassen. Der Laden füllte sich für einen Dienstagabend erstaunlich schnell und ansehnlich mit kuttentragenden Metalheads und atmete ordentliche ‘80er-Atmosphäre. EVIL INVADERS machten dann auch den Anfang des Dreier-Pakets und erfüllten all meine Erwartungen! Die Band gab alles, spielte ihre pfeilschnellen Stücke quasi fehlerfrei in einem wahren Rausch und Gitarrist und Sänger Jöe Anus malträtierte seine Stimme mit hohen Frequenzen und spitzen Schreien – genial! Als Extra-Bonbon gab’s das EXCITER-Cover „Violence and Force“, das wie die Faust aufs Auge passte. Der Sound war ebenfalls klasse und auch meine Freundin, in Sachen Speed-Metal-Konzerte (wie ich eigentlich auch) eher unbeleckt, fand Gefallen an der Sause, was mir den Abend zusätzlich versüßte. Für mich stand jetzt schon fest, den Höhepunkt des Konzerts bereits erlebt zu haben, hatte die folgenden Bands aber auch gar nicht so recht auf dem Zettel. Die Schweden SCREAMER forderten allerdings vehement Aufmerksamkeit ein, spielten ebenfalls ein superflinkes Brett, schreckten nicht vor Hochfrequenz-Tönen der Gitarre und der Stimme zurück und wurden entsprechend abgefeiert. Besonders gefallen haben mir die Songs „Demon Rider“ und „Screamer“ und auch der Rest war nicht von schlechten Eltern sowie höchst unterhaltsam und mit Nachdruck dargeboten. Eine ungekünstelte Band, übrigens mit einem Punk am Schlagzeug, die ihre Songs lebt und mit ehrlicher Inbrunst darbietet. Live ‘ne volle Kante – Respekt! Und siehe da, STRIKER aus Kanada schlugen in dieselbe Kerbe, spielten um ihr Leben und lieferten eine geile Show, an der es rein gar nichts zu mäkeln gab! Der Sound war noch immer 1a und der Mob feierte, das IRON-MAIDEN-Cover „Two Minutes to Midnight“ wurde aus hunderten Kehlen mitgesungen. Obwohl SCREAMER und STRIKER nominell gar nicht zwingend dem Speed-Subgenre zugerechnet werden, erschien mir der ganze Abend wie einziger Geschwindigkeitsrausch, der selbst dann permanent Adrenalin produzierte, wenn man nur dastand und sich von den Darbietungen an die Wand drücken ließ. Alle Bands waren wild, spieltechnisch bemerkenswert, energiegeladen und authentisch und sicherten mir ein beeindruckendes Konzerterlebnis mit viel Underground-Flair, das ich so schnell nicht vergessen werde – wenn auch das Pfeifen in den Ohren glücklicherweise schnell wieder nachließ. SO macht Metal verdammt viel fucking Spaß!
Nachdem wir mit den MOTHERFUCKERS seit einigen Wochen in der Lobusch unseren Proberaum gefunden haben, sollten wir am Nikolausabend endlich auch einmal dort vor Publikum auftreten – als Vorband von ARGH FUCK KILL, die wie wir aus Hamburg kommen, und den Franken von WWK. Ein Abend im Zeichen des Hardcore-Punks also. Mike kümmerte sich nicht nur um die zweite Klampfe von uns, sondern sorgte auch für den guten Ton des Abends, womit ich den Sound meine. Für uns wurd’s Dezember-Gig-typisch mal wieder alles andere als pannenarm, was damit begann, dass das getestete Intro von CD partout nicht lief, als wir wartend auf der Bühne standen und dumm aus der Wäsche guckten. Also ohne Intro ab dafür und durchs Set geprügelt. Das Publikum war absolut fantastisch: der Laden war voll und die Leute hatten richtig Bock aufs Konzert, gingen vom ersten Ton an ab und mit – besser kann man’s sich als erste Band nicht wünschen. Leider riss Kai bei „Victim of Socialisation“ eine Saite, also den Song mit nur einer Klampfe und Hängen + Würgen zu Ende gebracht. Der kluge Motherfucker sorgt vor und so hatte Kai bereits eine Ersatzklampfe bereitstehen. Dass er auch dort in einem Anfall unterbewussten Vandalismus‘ nur kurze Zeit später die nächste Saite schredderte, war jedoch nicht geplant. Die letzten beiden Songs zogen wir improvisiert durch, doch für die geforderte Zugabe langte es nicht mehr und wir mussten abbrechen. So oder so war’s aber vom Zuspruch her wohl unser bisher bester Gig, unsere Bühnenleistung hingegen holperte hier und da und die Pannen nervten, uns jedoch weit mehr als das Publikum, insofern können wir unterm Strich zufrieden sein. ARGH FUCK KILL stehen noch ganz am Anfang und hatten bisher erst eine Handvoll Gigs, lieferten jedoch einen sehr energetischen, kaltschnäuzig-souveränen und voll und ganz überzeugenden Auftritt auf die altehrwürdigen Lobuschbretter. Geradliniger, derber Hardcore-Punk, bei dem mir besonders das punktgenaue „supertighte“ Schlagzeugspiel auffiel. Shouter Sven versah manch Refrain mittels Effektgerät mit einem Hall, was ebenfalls angenehm an alte ‘80er-Genrekost erinnerte. Geiler Gig und die Band sollte man unbedingt im Auge behalten. WWK fanden dann ein bereits sehr gut aufgepeitschtes Publikum vor und schmetterten einen Hassbatzen nach dem anderen in die Meute. Nicht allein aufgrund der Bass/Gesang-Doppelbelastung rang mir die Kondition des Frontmanns Respekt ab. Auch hier die pure Spielfreude und am Ende eine Zugabe nach der anderen, als hätte der Abend noch ewig so weitergehen können. Spitzenstimmung, kein Ärger, alles bestens. Und trotzdem war ich nach etlichen Stunden im immer verqualmter werdenden und sich immer mehr aufheizenden Laden froh, irgendwann den Heimweg antreten zu können – wofür meine Lady und ich kurzerhand aus dem Fenster sprangen, statt uns elendig lange durch die Menschenmassen zur Tür zu drängeln, und frische Luft aufsogen, die in dieser arschkalten Post-Xaver-Nacht mitverantwortlich dafür sein könnte, das ich mir ‘ne fette Schnodder- und Röchelseuche zuzog. Aber irgendwas ist ja immer. Danke an die Lobusch-Crew für diese geile Auftrittsmöglichkeit und an den bestens aufgelegten Mob!
Als die Pulvertoasties uns anboten, mit ihnen im Magdeburger Libertären Zentrum zu spielen, klärten wir die Frage nach der Spritkohle und sagten kurzerhand zu. Keiner kannte den Laden, aber das klang alles vielversprechend nach D.I.Y. und machte einen sympathischen Eindruck. Mit Tomczek erklärte sich sogar jemand bereit, uns zu chauffieren, und das auch noch in seinem für solche Vorhaben prädestinierten Minibus, in dem neun Personen Platz finden – die allesamt belegt wurden, denn Wurzel vom Gaußplatz, Katharina und ein Punk aus den USA, der Tomczek gerade besuchen war, begleiteten uns. Während der Hinfahrt musste ich erst mal die Arbeitswoche abschütteln, was ohne Alkohol gar nicht so einfach ist, aber schon auf der nachmittäglichen Hinfahrt das Trinken anzufangen, verbietet sich mir, wenn ich später auf der Bühne meine Texte noch kennen will. Tomczek erwies sich als absolut souveräner Fahrer, der uns sicher auch durch den einen oder anderen kleineren Stau geleitete und mit Musik und Comedy bestens zu unterhalten wusste. Die richtige Abfahrt gen Libertäres Zentrum genommen, erwischten wir einen verdammt dunklen Teil Magdeburgs, der Endzeit-Atmosphäre atmete, grau und trist. Genau das Richtige, um sich an diesem kalten Herbstabend aufs Konzert einzustimmen. Das Libertäre Zentrum entpuppte sich als großer besetzter Gebäudekomplex, der sich noch im Aufbau durch seine außerparlamentarisch politisch aktiven Bewohner befindet, jedoch bereits fließend Wasser, eine Kneipe und eine Bühne samt ordentlicher P.A. bietet – und einen schönen Hinterhof samt endzeit-futuristisch anmutender Konstruktionen und der klassischen Feuertonne. Ein Graffito besagte „Action Mutante“ und „No Fotos“ – ein passenderes Ambiente ist nur schwer möglich. Die Bewohner und Organisatoren vor Ort erwiesen sich als nette, unkomplizierte Leute, die uns ein leckeres Veggie-Burger-Buffet kredenzten, mit Astra und Sternburg Export zwei geile, ehrliche Arbeiterbiere anzubieten hatten und auch über genügend Schlafmöglichkeiten für unsere Neunerbande verfügten. Eigentlich alles gute Vorzeichen, doch nun kommt das große ABER: Leider hatte man wohl quasi null Werbung vor Ort gemacht und genösse unter den Punks einen eher schlechten Ruf (allein schon aufgrund des Rauchverbots im Saal aus Rücksicht auf Asthmatiker und Schwangere) und sowieso und überhaupt, jedenfalls zögerten wir den Beginn so weit wie möglich hinaus, da schlicht niemand zu einem Konzert zweier unbekannter Bands ohne nennenswerte Veröffentlichungen aus Hamburg kam (schon gar keine Asthmatiker, Schwangeren oder schwangeren Asthmatiker). Halt, das stimmt so nicht, eine Handvoll zahlender Gäste gab es, unter anderem Freunde von mir aus Halberstadt. Dän, seines Zeichens Bierbrauer, brachte uns sogar als besonderes Geschenk eine Riesenflasche unfiltrierten Bieres frisch aus dem Kessel mit, das wir uns nach dem Auftritt genüsslich einverleibten – danke, Dän! Apropos Auftritt: Den starteten wir dann irgendwann vor der Handvoll Gäste, den Pulvertoasties und den Leuten aus dem Libertären Zentrum, so dass die Fläche vor der Bühne nicht ratzekahl leer war. Der Auftritt dürfte unspektakulär, aber ok gewesen sein. Zwischen manch Songs ließen wir uns reichlich Zeit zum Anstoßen etc. – wenn man schon mal in solch gemütlicher Runde spielt, muss man sich auch nicht hetzen, wa? 😉 PROJEKT PULVERTOASTMANN im Anschluss ließen sich ebenfalls überhaupt nicht beirren und spielten absolut souverän ihren Stiefel herunter, wobei der Umstand, dass Bassist Holler um Punkt Mitternacht Geburtstag hatte, den Spaß noch deutlich erhöhte. Er bekam einen Meter Pfeffi, den er im Set zwischen zwei Songs komplett entleeren musste, was er mit erstaunlicher Unbeeindrucktheit erledigte und anschließend sogar noch astrein weiterspielen konnte – Prospekt, Aller! Der Abend nahm seinen Ausklang an der Bar, wobei Wurzel bereits Stunden vor dem Auftritt jenseits von Gut und Böse war und sich die Zahl der Trinkfreudigen nach und nach dezimierte. Irgendwann ging’s dann ab nach oben inne Penntüten, die die Aufgaben hatten, in den unbeheizten Räumen vor der Kälte zu schützen, die mittlerweile garstig durchs Gebäude kroch. Das war aber alles kein Problem und bereits saumäßig früh blies Tomczek schon wieder zur Rückfahrt, die diesmal superflott weil staulos vonstatten ging. Da man uns das Spritgeld, das wir zunächst nicht in kompletter Höhe annehmen wollten, förmlich aufgezwungen hatte, sind wir verlustfrei aus der Nummer rausgekommen und hatten einerseits unseren Spaß, haben andererseits ein interessantes Wohn- und Veranstaltungsprojekt kennengelernt und wurden gut umsorgt, so dass kein Grund zur Klage besteht; klassischer Fall von „das Beste draus gemacht“. Bleibt zu hoffen, dass das Libertäre Zentrum von den örtlichen Punks etc. besser angenommen wird bzw. man sich gegenseitig weiter einander annähert, damit aus der Bude über kurz oder lang ein Ort wird, an dem auch zwei unbekannte Nachwuchscombos auf Interesse stoßen. Mal ordentlich die lokale Werbetrommel zu rühren, kann generell aber auch nicht schaden. 😉 Besonderer Dank gilt Tomczek sowie den Pulvertoasties!