40 Bands spielen jeweils fünf Minuten – mit der diesjährigen Ausgabe ging dieses Spektakel in die dritte Runde und erstmals war es mir vergönnt, dem beizuwohnen. Letztlich wurden’s „nur“ 35 Bands (schade, die Band mit dem illustren Namen PERIOD PAIN & THE VAGINAL FLUID hätte ich gern gesehen), der Großteil aus Hamburg, doch auch diese bedeuteten natürlich den totalen Reizüberflutungs-Overkill und stellten mich vor die Herausforderung, zu jeder Band Bier zu trinken und dennoch einen Konzertbericht zu verfassen…

Durch das Programm führten zwei Moderatoren in Frauen-/Transgenderfummeln (Putzkittel und Glitzerjacket), die mit launigen Ansagen die eine oder andere Umbaupause, die dann doch länger ausfiel als die vorausgegangene oder folgende Performance, überbrückten. Um ca. 17:10 Uhr war es bereits an BOY DIVISION, den Reigen zu eröffnen, doch mit ihren durchs Megaphon gesungenen, kaum herauszuhörenden Coverversionen kann ich nichts anfangen und ich bemerkte, wie lang fünf Minuten sein können… Das exakte Gegenteil bei UNFUG, eigentlich DER UNFUG UND SEIN KIND und identisch mit der Instrumentalfraktion der musikalisch anders verorteten SPIKE: Der knochentrockene Brachial-Hardcore mit englischen Texten ballerte gewohnt gut auf die Fontanelle.
- Boy Divison
- Der Unfug
- und sein Kind
Noch nie gehört hatte ich von FIRST CLAUS, einer neuen Hamburger Band, die flotten Punkrock mit deutschen Texten spielte. Nicht verkehrt. EISENVATER verbuchten im Anschluss die wohl längste Umbauphase des Abends, denn man steckte fleißig Effektgeräte zusammen, zog sie wieder auseinander und begab sich auf Ursachenforschung hinsichtlich der fiesen Rückkopplungen. Seine eigentlichen fünf Minuten lang spielte der eiserne Papa dann ein proggiges Metal-Instrumentalstück.
ULF, noch mal neu, immer noch Hamburg. Emo-D-Punk mit viel Melodie, durchaus eigenwilligem Sound und leichtem Pop-Appeal. Wäre mir auf Dauer vielleicht zu aufdringlich, insbesondere der Sänger mit seinem überdrehten Clean-Gesang. Dürfte so die Hamburger-Schule-Ecke sein.
- First Claus
- Eisenvater
- Ulf
I AGAINST ME ist Gerüchten zufolge die Band eines Philosophie-Professors und klang auch so, hat nicht gezündet. Am coolsten war das „Doom“-T-Shirt des Gitarristen. Evtl. folgte nun einer dieser Fälle, in denen ich den Soundcheck mit der Performance verwechselte: Waren LOWER DESIRES lediglich eine gitarrestimmende Dame? Wenn ja, spielten TERYKY im Anschluss Sludge-Core (oder so), eigentlich nicht meine Mucke. Diese hier lebte aber von ihrer Shouterin, deren von irgendwo ganz tief unten kommenden Verbalausbrüche im Kontrast zu ihrem lieblichen Antlitz standen. Hatte was. Evtl. waren das aber auch TERYKY. Und/oder ich hab‘ einfach eine von beiden Bands verpasst, weil die Hitze im vollen Störtebeker sowie äußerst angenehmen Temperaturen und die Menschenansammlung vor der Tür nach jedem Auftritt nach draußen lockten – weshalb sollte man auch den Abend damit verbringen, Umbauphasen zu begaffen?
- I Against Me
- Lower Desires oder Teryky
BASSAKER war dann eine One-Man-Band; ein cooler Typ, der mit seinem Bass hinter’m Drumkit sitzt und dabei durchaus hörbaren Analog-Drum-&-Bass fabriziert. Schade, dass er nicht auch noch gesungen hat! G31, eine weitere neue HH-Band, schraubten mit ihrer Sängerin im Anschluss den Trash-Faktor in die Höhe: Die Dame mit der Fönfrisur hüpfte unbeholfen auf ihren Stöckelschuhen und versuchte, mittels Gestik und Mimik ‘ne Wahnsinnsshow zu liefern, was jedoch zur unfreiwillig komischen Pose geriet. Musikalisch war’s härterer D-Punk. Apropos Pose: Im Posen ist CRASS-DEFECTED-CHARACTER-Bassist Manu ganz groß, das HC-Punk-Trio dabei musikalisch aber auch topfit und textlich auf den Punkt. Geile Band!
- Bassaker
- G31
- CDC
BELKA ließen mich mit ihrem Screamo eher ratlos zurück, KRANK machten Spaß mit Oldestschool-Hardcore, Schlumpfgesang und durchs Publikum springendem Sänger und ALWAYS WANTED WAR waren mir mit ihrem HC-Punk/Screamo-Crossover soundmäßig fast schon wieder zu neu, aber der Shouter, der seine Aggressivität und Verzweiflung nicht kalkuliert, sondern schön roh und ungekünstelt artikulierte, hat’s rausgerissen. „Jurassic Park“ bleibt dennoch ein gnadenlos überbewerteter Film.
- Belka
- Krank
- auch Krank
- immer noch Krank
- Always Wanted War
Nun wurd’s ganz bizarr: Das Duo SUNDERLANDBUTCHERWITCH! kam mit zwei menschlichen Keyboard-Haltern auf die Bühne und nur vom Tasteninstrument begleitet hauchte, flüsterte und krächzte ein Herr älteren Semesters mit Bierpulle in der einen und Mikro in der anderen Hand heiser eine traurige Nummer. [Haha, Nachtrag: Wie ich gerade erfuhr, handelte es sich bei dem Opa um niemand Geringeren als LEATHERFACE-Sänger Frank Stubbs, was meinen Beitrag in Richtung Majestätsbeleidigung rückt! 😀 Einer der Keyboard-Halter soll zudem Jens Rachut gewesen sein. Beim Song könnte es sich um „My Heart is Home“ gehandelt haben.] Bei ANTISOCIAL DISTORTION im Anschluss handelte es sich leider um keine SOCIAL-D.-Coverband mit asozialen Texten, doch der deutschsprachige, räudige und aggressive HC-Punk des auf den Bass verzichtenden Duos war auch so unterhaltsam und schönes Kontrastprogramm zur Schlachterhexe. KOUKOULOFORI hatte ich ewig nicht mehr gesehen und freute mich umso mehr, dass das Trio gleich drei Songs in den fünf Minuten unterbringen konnte. Dass es sich dabei um die ruppigen, eruptiveren Beispiele ihres Schaffens handelt, dürfte klar sein.
- Sunderlandbutcherwitch!
- Antisocial Distortion
- Koukoulofori
Die Melodic-Punks SPIKE legten fantastische fünf Minuten aufs Bühnenparkett und schienen die Energie eines gesamten Gigs in diesen Auftritt zu packen. Wie die Sängerin es schafft, ihre Flipflops bei ihren Karatekicks nicht zu verlieren, entzieht sich allerdings meiner Kenntnis. TESTBUNKER präsentierten stolz ihre Hello-Kitty-Klampfe und zockten ebenfalls deutschsprachigen, räudigen und aggressiven HC-Punk wie zuvor ANTISOCIAL D., CDC etc., musikalisch jedoch ausgereifter als erstgenannte und textlich extrem ungehobelt und aus dem Bauch heraus, ergo: richtig geil! Das Niveau hielten WIRRSAL spielend, die ich am Tag zuvor gerade erst im Gängeviertel gesehen hatte. Musikalisch nicht ganz so fundamentalistisch wie TESTBUNKER, aber ebenfalls volle Punktzahl! Vor lauter Spaß hab‘ ich glatt vergessen, ein Foto zu schießen.
- Spike
- auch Spike
- Testbunker
GERØLL spielten krachigen, etwas konfus klingenden HC-Punk, bei OIDORNO hatte ich mich draußen festgequatscht und KAPOT, mit BRUTALE-GRUPPE-5000- und CONTRA-REAL-Vincent am Bass, gingen dann strukturierter und ausgefeilter zu Werke, HH-HC-Punk, der vor Chören und kleinen Melodien nicht zurückschreckt und ansonsten angenehm flott vorprescht. Die BRUTALE GRUPPE 5000 laserpunkte schließlich gewohnt wahnsinnig das Störte, inkl. Aluhelmen, Pornobalken und Hektiker- HC vor originellem Konzept.
- Gerøll
- Kapot
- noch mal Kapot
- Brutale Gruppe 5000
3000 YEN entsprechen aktuell lediglich 22,83 EUR und hatten 1994 ein post-punkiges deutschsprachiges Album veröffentlicht, das ich mir seltsamerweise nie angehört habe. Am Gesang: Alt-Punk Sir Hake. Der hatte sichtlich Spaß am Kurzgig und der Typ im „Doom“-Shirt war auch wieder dabei. Interessantes Zeug, das ich mir mal in Ruhe werde zu Gemüte führen müssen. AUS DEM RASTER hatte ich kürzlich in Norderstedt bereits als hoffnungsvolle neue HC-Punk-Band ausgemacht und ihren Sound inkl. weiblich-männlichen Wechselgesangs über die Störte-P.A. zu hören, bestätigte den Eindruck. HUFFDUFF schließlich wirkten ziemlich druff und bischn wie ‘ne analoge Variante der BRUTALEN GRUPPE 5000: Der Sänger hatte sich das Ziffernfeld eines Analogtelefons vors Gesicht gebappt und sang in einen alten Sabbelknochen. Nicht ganz so brutale Gruppe 1920?
- 3000 Yen
- Aus dem Raster
- Huffduff
Die NOTGEMEINSCHAFT PETER PAN nutzte ihre 300 Sekunden für Anti-Aging-Tipps und verbreitete dabei wie üblich jede Menge positiver Energie. Energie ist auch ein gutes Stichwort für THE MOTH, die mit doomigem Sludge (oder umgekehrt) ein Zeug spielen, das ich mir normalerweise nicht freiwillig anhöre, hier jedoch derart inbrünstig und packend interpretiert wurde, dass ich positiv überrascht und irgendwie begeistert war. Bei BOSTON CURTIS verlassen mich meine Erinnerungen: D-Beat mit jemandem von BELKA? Auf PANZERBAND jedenfalls war ich gespannt. Die Hannoveraner um Fanziner Bäppi rannten musikalisch mit ihren oftmals nur rund ‘ne Minute kurzen, geradlinigen, hassigen HC-Punk-Songs offene Türen bei mir ein, textlich angenehm direkt und betont trve, wenn auch gern mal so arg überzeichnet, was dann schon wieder parodistisch wirkt. Werde mir die Platte wohl mal in Ruhe anhören, allein schon, um Missverständnissen vorzubeugen: Aufgrund der Ansage dachte ich echt, „Deine Helden“ richtete sich generell gegen Band-Shirts…
- NGPP
- The Moth
- Boston Curtis
- Panzerband
Immer mal wieder für’n Nebenprojekt gut ist bekanntlich HAMBURGER-ABSCHAUM-Holli, dessen Fastcore/Power-Violence-Combo PSYCH OUT den totalen Abriss zelebrierte und wohlig an ehemaliges Uralt-Holli-Zeug wie HAMBURG BEBT erinnerte. Bei DIE CHARTS (welch ungooglebarer Bandname!) kam dann wieder die Dame mit ihrem Tasteninstrument zum Einsatz, diesmal offenbar eines mit Ständer und diesmal auch mit Schießbude und anderem Sänger. Wenn ich mich jetzt noch erinnern könnte, was die gemacht haben…? Dürfte gewöhnungsbedürftiger Indie-Pop oder so gewesen sein, für den ich zu jenem Zeitpunkt schon viel zu voll war, in jedem Fall aber eingängiger als SUNDERLANDBUTCHERWITCH! Auch BIJOU IGITT sah/hörte ich nun zum ersten Mal, aber mit diesem HH-Schule-/Rachut-/Emo-/Indie-Geschrammel mit seiner gekünstelten Melancholie und seinem studentisch empörten Nervgesang kann ich überhaupt nichts anfangen. Offenbar dachte ich danach, dass nun Schluss sein und bekam NO GO nur noch durch Zufall und ganz am Rande mit, konnte mich auch nicht mehr aufraffen, mich auf die Band zu konzentrieren: Mittlerweile war’s Mitternacht, ich war seit sieben Stunden hier und mein Hirn tilte vor lauter Eindrücken.
- Psych
- Out
- Holli-Power!
- Die Charts
- Bijou Igitt
Dafür, dass ich eigentlich vom Vorabend noch gut angeschlagen war, hab‘ ich ganz gut durchgehalten. Meine Aufmerksamkeitsspanne dürfte auch ohne Party zuvor und Alkoholgenuss irgendwann die Segel gestrichen haben. Als überaus hilfreiche Krücke erwies sich die an mehreren prominenten Positionen angebrachte Running Order; vom draußen hängenden Exemplar wurden mit deutscher Pünktlichkeit alle weggestrichen, die bereits ihre fünf Minuten hatten. Das abwechslungsreiche Aufgebot hat mir manch Band nähergebracht, die ich bisher nicht auf dem Schirm hatte – und wann bekommt man schon mal so’ne Wundertüte für so wenig Einsatz geboten? Der Eintritt war frei, lediglich um Spende wurde gebeten. Wem’s drinnen mit zunehmendem Publikumsinteresse zu stickig wurde, konnte vor der Tür rumgammeln und die Beinahe-Punx-Picnic-Atmosphäre genießen. Ich hoffe, ich habe nicht allzu viele Fotos und Namen durcheinandergeworfen (für sachdienliche Hinweise wäre ich dankbar) und bin Feuer und Flamme, auch mit meinen beiden Stimmungskapellen mal mitzumischen. Werde diesbzgl. mal anklopfen…
Danke ans Störtebeker für diese Sause, die mit Sicherheit einen organisatorischen Kraftakt besonderen Ausmaßes bedeutete!







































Das Gängeviertel feierte sein in dieser Form achtjähriges Bestehen allen Widerständen zum Trotz und da feierte ich natürlich mit! Das ganze Viertel war in Bewegung, an allen Ecken und Enden wurde etwas geboten, aber mich interessierte natürlich vorrangig das von Beyond Borders und der Punkbar organisierte Punk-Konzert in der Druckerei, deren Renovierung nun endlich abgeschlossen ist. Schick ist’s geworden! Vor der Bühne ist nun mehr Platz, man knallt nicht mehr so leicht gegen den Tresen, zahlreiche Spiegel lassen den Ort größer erscheinen, als er eigentlich ist, die Toiletten verdienen endlich diese Bezeichnung und es war sogar noch Platz für ein Bällebad übrig, in dem man weniger interessierte Konzertbesucher abladen kann, um sich vor der Bühne in Ruhe dem Treiben ohne Gequengel zu widmen.

































Den vielen Parallelveranstaltungen zum Trotz zog es an diesem Samstag doch einige ins Gängeviertel, die Bock auf ein kleineres D.I.Y.-Konzert hatten, das immerhin von vier Bands bestritten wurde, welche die Beyond-Borders-Veranstaltungsgruppe eingeladen hatte. Da die Druckerei noch immer renoviert wird, fand es im großen Saal der Fabrik statt, der dafür etwas überdimensioniert wirkte. DEUTSCHPUNK-REVOLTE aus Frankfurt hatten gerade angefangen, als wir eintrafen. Die Coverband in Quartettgröße bediente sich vornehmlich klassischen deutschsprachigen HC-Punk-Materials und zockte sich durch ein rund 20 Songs umfassendes Set mit Stücken von VORKRIEGSJUGEND, TOXOPLASMA, SCHLEIMKEIM, HASS, ZERSTÖRTE JUGEND („Kaiser Wilhelm“ – geil!), CANALTERROR, OHL, BUMS (scheinen generell nicht mehr als Pseudos zu gelten, was hab‘ ich verpasst…?), L’ATTENTAT, AUSBRUCH, SLIME („Tod“ – ungewöhnliche Wahl) etc., darunter leider auch „Punk und Polizei“ des unsäglichen UNTERGANGSKOMMANDOs, jedoch mit versöhnlichem Abschluss durch die HH-Hymne „Bullenwagen klaun“ und den KASSIERER-Evergreen „Das Schlimmste ist, wenn das Bier alle ist“. Die einzelnen Songs und Originalinterpreten wurden in einem auf der Bühne drapierten aufgeklappten Aktenordner zum Nachlesen präsentiert. Weshalb das eigentlich auf der Setlist stehende „Dachau“ von A+P überblättert, sprich: nicht gespielt wurde, entzieht sich meiner Kenntnis. Der Sänger hat ‘ne gute Stimme, frech und rotzig, und war auch ziemlich textsicher. Der Basser irritierte optisch etwas mit seinem halslosen Instrument. Für die offenbar noch nicht sonderlich lange zusammenspielende Band war’s bereits der zweite Gig im Gängeviertel und insgesamt war das schon recht ordentlich und unterhaltsam, wenngleich manch Liedgut in vereinfachten Versionen gespielt wurde und es hier und da noch holperte. An die Qualitäten von Coverbands wie 1982 oder VOLKSWIDERSTAND oder auch der TOTENMOND-Coverplatte kommt man noch nicht heran, aber das kann ja noch werden.



































AMEBIX-Frontmann The Baron und VOIVOD-Drummer Away überraschten vor wenigen Jahren mit ihrer internationalen Allianz zu TAU CROSS, jener sich ferner aus Leuten von WAR//PLAGUE, MISERY und FRUSTRATION zusammensetzenden Crust-Punk/Metal-Crossover-Formation, die 2015 mit ihrem Debütalbum für einiges Aufsehen sorgte und das auch ich für außergewöhnlich gut befand. Haben sich mir die Faszination für die Crust-Urväter AMEBIX und die VOIVOD-Alben seit „Nothingface“ nie so recht erschlossen, ergänzt man sich bei TAU CROSS offenbar ideal und begeisterte mich mit einer Melange aus schneidenden Gitarren, Baron Millers charismatischem, kehligem, rauem Gesang, diversen anbiederungsfreien Ohrwürmen, einer guten Dosis Pathos und ganz viel Atmosphäre vor einem post-mittelalterlich okkulten und gleichsam kämpferischen, mehr oder weniger subversiv religions- und systemkritischen lyrischen Hintergrund.























Dafür, dass ich die New Yorker LEFTÖVER CRACK seit langem zu meinen favorisierten Krachmachern zähle und bereits die Vorgängerband CHOKING VICTIM nach Erscheinen des einzigen Albums schwerstens abfeierte, sehe ich die Band viel zu selten live – zuletzt 2013 (!) im Hafenklang. Letztes Jahr gastierte sie gleich zweimal in Hamburg, doch beide Male musste ich passen. Äußerst unangenehm. Wenngleich der diesjährige HH-Gig auf einen Mittwoch gelegt wurde, ließ ich mir diese Gelegenheit demnach nicht nehmen. So dachten wohl viele, denn das Monkeys wurde rappelvoll. Doch der Reihe nach: An diesem wirklich warmen Augusttag hatten LÖC ihre Stadtgenossen ALL TORN UP dabei, die die Europa-Tour begleiteten. Den ersten Song verpasste ich, der zweite klang noch etwas unorthodox, doch dann gewöhnte ich mich an den hektischen oldschooligen Hardcore-Sound des Quintetts, deren exaltierter Shouter Joey seine Ansagen bisweilen gefühlt länger als die Songs gestaltete, durch sein engagiertes, anstachelndes Auftreten jedoch nicht langweilte. So betonte er u.a. die Wichtigkeit linker Freiräume, lobte die Hamburger Anti-G20-Proteste und huldigte dem FC St. Pauli, denn die Band ist offenbar Mitglied im New Yorker FCSP-Fanclub – was es nicht alles gibt… Während Scherzkekse immer mehr Luftballons aufbliesen und durch Publikum fliegen ließen, motivierte Joey selbiges, mal auf ‘nen Meter ranzukommen und preschte auch mal kräftig durch die Reihen. Er brachte den Pöbel gut in Wallung und sicherte sich den einen oder anderen kräftigen Chor. Keine Luftblase war dann auch das Songmaterial, das mir mit der Zeit immer besser reinlief. Von ALL TORN UP hatte ich zuvor noch gar nichts gehört, es existieren aber einige Tonträger – und unter den Fotos ein Video des Gigs, das ich bei YouTube gefunden habe. Eine echte Überraschung wurde es, als der Drummer das Wort ergriff und sich deutschsprachig als ein gewisser Sören aus Dithmarschen zu erkennen gab, der anscheinend vor einigen Jahren gen USA ausgewandert war – und zahlreiche alte Freunde im Publikum versammelt hatte. Aufgrund von Bassproblemen kam’s leider zu ‘ner längeren Zwangspause, doch gegen Ende gab’s u.a. noch ‘ne spanische Nummer zu hören und der letzte Song wurde dank Mithilfe des neuen LÖC-Gitarristen IRON-MAIDEN-style mit drei Klampfen intoniert. Sympathischer Auftritt und musikalisch guter Anheizer!






















































Nachdem der gute Hannes und meine Wenigkeit letztes Jahr festgestellt hatten, am gleichen Tag Geburtstag zu haben, hatte er eine fette, quasi gemeinsame Geburtstagssause im Gängeviertel anberaumt, bei der ich mit DMF aufgetreten war. Das schrie nach einer Wiederholung und nach einigen Terminfindungsschwierigkeiten konnten wir uns auf den 21.07., ’ne knappe Woche nach unserem eigentlichen Ehrentag, einigen. Neben DMF sollten UPPER CRUST wieder mit dabei sein und als Headliner eine auswärtige Band fungieren: Die für ihre Cover-Shows berüchtigten SPITTIN’ BONES aus Chemnitz sollten ihren ersten HH-Gig bestreiten. Soweit der Plan…















































































Die Bewohner Hamburgs hatten für diesen Dienstag zum hedonistischen Massencornern aufgerufen, um der durch die perverse Machtdemonstration namens G20 übertriebenen Bullenpräsenz etwas entgegenzusetzen und zu zeigen, wem eigentlich die Stadt gehört. Auch nicht aktiv in die Anti-G20-Bewegung Involvierte, jedoch dennoch Interessiere bzw. Couragierte hatte der ganze faule Gipfelzauber bereits mehrere Tage auf die Straße getrieben, so z.B. am 29.06., als ein Brutalo-SEK morgens in zwei Privatwohnungen randaliert und mit Maschinenpistolen herumgefuchtelt hatte, was eine abendliche Spontandemo auf der Reeperbahn nach sich zog – nicht zu vergessen der in kritische Redebeiträge eingebettete Irie-Révoltés-Gig einen Tag später in der Roten Flora, der so unfassbar viele Leute anzog, dass sich die Einlassschlange bis in die Querstraße bog und natürlich ratzfatz die Bude voll und für uns kein Hineinkommen mehr war. Da hatten wir trotzdem noch eine ganze Weile draußen im Regen ausgeharrt, wo das Konzert auf einer Leinwand übertragen wurde, bis es uns dann doch ins O-Feuer zog, um dem U21-EM-Finale beizuwohnen. Im Anschluss war die Straße noch immer voll, die Stimmung war feierlich, ein Feuerwerk trug sein Übriges dazu bei.







