Geil, endlich mal wieder ‘ne schnieke Punk-Sause auf der Stubnitz und ich hatte sogar Zeit! Bischn Rahmenprogramm in Form einer Doku und ‘ne Vokü gab’s auch, also ging’s nach der Maloche und der allwöchentlichen Sporteinheit ohne Abendessen los in die HafenCity, wo das Rostocker Kultur- und Denkmalschiff zurzeit liegt. Nach offiziellem Zeitplan waren wir dennoch spät dran, also schnell den Eintritt i.H.v. 5-10 EUR abgedrückt und gehofft, noch etwas vom Büffet zu bekommen. Das machte jedoch einen etwas traurigen Eindruck, Reis mit Tomaten- und Blumenkohl-Soße, dazu bischn grünen Salat… Und ob vorher eklatant mehr vorhanden gewesen ist, weiß ich gar nicht. Jut, zumindest Skorbut würde man wohl man nicht davon bekommen, also zu zweit vom letzten verbliebenen Teller im Vorführsaal schnabuliert, wo dann auch alsbald die Doku begann; ein rund einstündiger Film über die Historie der Stubnitz seit der Wende. Mittels Interviews mit den Stubnitz-Pionieren und zahlreichen historischen Aufnahmen wurde ein Eindruck davon vermittelt, welch Mammutprojekt es war, die Stubnitz vor der Verschrottung zu retten und kulturell nutzbar zu machen – und was sie bereits alles erlebt hat. Das ist einer dieser Fälle, in denen sich einige Idealisten buchstäblich den Arsch bis an die Grenzen zur Selbstaufgabe und bisweilen darüber hinaus aufgerissen haben, um etwas auf die Beine zu stellen – großen Respekt dafür!
Erstmals auf der Stubnitz war ich in Rostock, als sie während eines legendären DRITTE-WAHL-Konzerts aus allen Nähten platzte. Seit ein paar Jahren liegt sie dauerhaft in Hamburg, fungiert aber nach wie vor als wichtige Komponente im Rostock-Hamburg-Kulturaustausch, was sich nicht zuletzt im heutigen Bandaufgebot niederschlug: Die erste „Punkship“-Sause (weitere sollen wohl folgen) hatte gleich zwei Rostocker Combos geladen. Nachdem die ersten Dosen Pils verköstigt waren (5,0 zum Punker-Sonderpreis von einsfuffzsch), enterten die für die verhinderten SCHROTZ eingesprungenen ROSTDOCS die (ziemlich hohe) Bühne und zockten ihren deutschsprachigen Oi!-Punk mit vielen Rock’n’Roll-Anleihen und hier und da ‘nem lütten Offbeat sowie mit ordentlich Spaß inne Backen. Die obligatorische Hansa-Rostock-Hymne durfte nicht fehlen, dafür allerdings der zweite Gitarrist: Dieser betrat erst nach den ersten Songs für die Band ebenso überraschend wie fürs Publikum die Bühne und stieg mit ein – war vorher wohl noch am Deckschrubben. Die beiden Gitarristen waren dann ziemlich gut aufeinander abgestimmt und auch die Rhythmus-Abteilung auffallend talentiert. Ein gelungener Auftakt, wenn auch vor der Bühne der Gesang etwas arg leise war.
- Rostdocs
Es folgte ‘ne ziemlich lange Umbauphase, in der der Bereich vor der Bühne zum Ring umfunktioniert wurde. Cindy Clawful und ihr Partner präsentierten nämlich ‘ne astreine, athletische, brutale Wrestling-Nummer wie seinerzeit auf dem Sommerfest des Wagenplatzes Norderstedt, an deren Ende der böse Heel einen Kopf kürzer gemacht wurde – und Louis Armstrongs „What a Wonderful World“ dudelte unablässig kontrastierend dazu aus der P.A. Genau das Richtige für meinen guten schlechten Geschmack und nachdem ich mir diesmal anfänglich einen Spaß daraus gemacht hatte, den Heel anzufeuern, verfiel ich letztlich doch wieder der guten Cindy und ihrer konsequenten Durchsetzung feministischer Ideen…
Bis die Bremer HC- und Euro-Dance-Trash-Punks CHOLERA TARANTULA loslegten, war weitere Zeit vergangen und das Dosenbier-Kontingent leider erschöpft, weshalb ich nun aufs mit 3,- EUR leider immer etwas teure Gezapfte umsteigen musste. Mittlerweile war ich auch so richtig auf Betriebstemperatur und feierte die Band mit ihren giftigen deutschsprachigen Texten ab. Dürfte mein dritter CHOLERA-TARANTULA-Gig gewesen sein, mit dem Set war ich recht vertraut, „Freiheit statt Frontex“, der Sing-a-long „Bullenterror“ usw. – und am Ende die unvermeidliche ‘90s-Trash-Einlage… Allerdings hatten sie diesmal entweder gar keinen von vornherein schon gut zugelöteten Anhang dabei oder er ist mir schlicht nicht mehr aufgefallen, da ich längst in einem ähnlichen Zustand weilte. Hat mich jedenfalls ordentlich durchgeschüttelt und den Alkohol in jede Körperzelle verteilt, sodass ich mich ehrlich gesagt an den kurz vor 1:00 Uhr gestarteten Gig der Rostockerinnen TORTENSCHLACHT gar nicht mehr erinnern kann. Zumindest habe ich wohl noch ein paar ganz ordentliche Fotos gemacht, aber das ist auch die einzige überlieferte Erinnerung. Die Damen werden gewohnt charmant, ruppig und rustikal ihren aus allen drei Kehlen abwechselnd interpretierten Punkrock mit den selbstbewusst feminin-frechen Texten abgeliefert und die eine oder andere Coverversion von SCHLEIM-KEIM, DIMPLE MINDS usw. dargeboten haben und ich hatte sie ja nun bei Weitem nicht zum ersten Mal gesehen… Meine nächste Erinnerung ist aber, dass ich träumte, wohlig im vertrauten Bette zu schlummern, jedoch urplötzlich geweckt wurde und mich mit dem Kopf auf dem Tisch liegend inmitten wummernden Stumpf-Technos und völlig pleite wiederfand. Sofort wurde ich mir meiner prekären Situation bewusst: Ich muss beim letzten Absacker auf den Sitzmöbeln weggeknackt sein und mittlerweile war die Anschlussveranstaltung, irgend’ne Techno-Zappelei, in vollem Gange. Fluchend spurtete ich mit Madame, der es ganz ähnlich ergangen war, aufs Deck, um erleichtert festzustellen, dass wir uns glücklicherweise nicht auf hoher See befanden, sondern noch im vertrauten Hamburch ankerten. Der Versuch, ein Taxi für uns Süßwassermatrosen zu ordern, geriet abenteuerlich – Servicewüste Taxidienste, echt ma! Als dann aber wie aus dem Nichts eines vor dem Kutter hielt, wurde es sofort von uns gekapert und gen tatsächliches Schlafgemach geleitet…
- Cholera
- Tarantula
- Tortenschlacht
Insgesamt ‘ne feine Angelegenheit – wenn auch mit nicht ganz so geplantem Ausgang – in nicht alltäglichem Ambiente, die hoffentlich positiv zum Kulturaustausch zwischen HH und HRO beigetragen hat, schließlich wird in der nächsten Saison der FC St. Pauli mutmaßlich wieder auf Hansa Rostock treffen… Und bevor jemand fragt: Taxifahren ist definitiv Punkrock.













































Zum Jahresbeginn hat mich die Zeitfalle endgültig erwischt: Der Semesterendspurt meines Studiums fordert seinen Tribut. Den Eintrag zu meinem ersten Konzert des noch jungen Jahres, das mich in die Fanräume führte, will ich trotzdem nicht unterschlagen, auch wenn’s etwas länger dauerte. Kohle für Anti-G20-Repressionskosten sollte eingespielt werden und eigentlich waren auch AUS DEM RASTER dabei, die jedoch gerade mit ihrem Set durch waren, als ich am ziemlich gut gefüllten Ort des Geschehens aufschlug. Die LOSER YOUTH um Gitarrist, Sänger und Tausendsassa Thommy prügelte gefühlt 40 schnörkellose, rudimentäre Oldestschool-HC-Punk-Eruptionen durch die P.A., kurze, direkt auf den Punkt kommende Songs mit deutschsprachigen, bewusst provokant-plakativen Texten, garniert mit herrlich stumpfen Ansagen und schönem Bass-Gerödel, das hilft, die Stücke voneinander unterscheiden zu können. Brachte gut Stimmung in die Bude und die entspannte Attitüde der Band, die den einen oder anderen Einstieg vergeigte und bisweilen dann einfach zum nächsten Song überging, ist mal echt sympathisch.























Am ersten Dezemberabend lockte das Billstedter Bambi mal wieder mit einem fetten Viererpaket, das ich mir keinesfalls entgehen lassen wollte. Da es mir momentan an einem Freitagabend jedoch nicht ohne weiteres möglich ist, überpünktlich zu erscheinen, verpasste ich glatt die erste Band, die US-Thrasher von EUPHORIA. Zu den Italienern von GAME OVER stand ich aber Gewehr bei Fuß und wurde im mittlerweile rauchfreien besten Metal-Club Hamburgs Zeuge, wie das Quartett, das bereits aus einigen Album-Veröffentlichungen schöpfen kann, einen satten Stiefel rüden ’80er-Thrash voller Spielfreude herunterprügelte und sowohl mich als auch das sich aus den „üblichen“ Bambi-Gängern, angereichert durch einige Punks, zusammensetzende Publikum in Verzückung und Feierlaune versetzte. Bis auf den Sänger/Bassisten sah die Band wie direkt aus der Hochzeit des Thrashs herübergebeamt aus (inkl. ausgeblichenem JUDAS-PRIEST-Shirt und Schnurri) und spielte einen punkig-schnellen, sehr aggressiven, wenig feinsinnigen, dabei technisch durchaus anspruchsvollen versierten Sound, der live noch besser als von (mir eine Idee zu modern produzierter (das neue Album „Claiming Supremacy“ muss ich mir aber erst noch anhören)) Platte knallte, Energie freisetzte und eine Spannung erzeugte, die den gesamten Abend lang gehalten werden sollte – wenn auch über weite Strecken der Sound ein wenig übersteuert wirkte und der Gesang etwas unterging. Als letzten Song coverte man ANTHRAX’ „Metal Thrashing Mad“ in einer unglaublich geilen Version mit dem EUPHORIA-Sänger am Mic, bevor man die Bühne für INDIAN NIGHTMARE räumte.

































Auweia, schon wieder zwei Wochen her – aber speziell in der Vorweihnachtszeit kommt man ja zu nix, schon gar nicht zum Führen des Konzerttagebuchs. Also mal im Hinterstübchen (und den spärlichen Notizen) gekramt – wat war da los? Zunächst einmal trotz nur spärlichster Werbung in den sozialen Netzwerken eine erfreulich gefüllte Lobusch, in der sich zudem einige Freunde und gute Bekannte herumtrieben, ohne dass man sich verabredet hätte. Einer war gar auf dem falschen Gig gelandet, aber kurzerhand dageblieben. Gegen 22:30 Uhr gaben sich endlich einmal wieder KANISTERKOPF die Ehre, jenes lokale Trio, das sich dem wuchtigen Mehr-so-90s-style-Hardcore verschrieben hat. Die englischsprachigen Songs haben Schmackes und Groove, die Band verfügt über ausgefeilte Gitarrenarbeit und einen Bassisten/Sänger in Personalunion mit schön rau-räudiger Stimme sowie als vielleicht größten Trumpf mit Sympathiebolzen Herrn Lehmann über jemanden, der an seinen Kesseln den reinsten Drum-Porno anrührt! Nicht nur, dass man arschtight zusammenspielt, das Präzisionsdrumming mit seinen zahlreichen Fills und sonstigen Kabinettstückchen ist noch mal eine Klasse für sich. Ungefähr ab der Hälfte des Sets war das Publikum weichgeklopft und erwachte aus seiner Schockstarre, was sich in einem gepflegten Pogo vor der Bühne widerspiegelte. Der Gesang war zwischenzeitlich etwas leise geworden, wurde irgendwann aber nachreguliert, zwischen den Songs gab sich die Band ziemlich maulfaul – man lässt die Songs für sich sprechen. Die „Zugabe!“-Rufe am Ende wurden zunächst mit „Coole Bands spielen keine!“ quittiert; die Band ließ sich dennoch überreden und mit „Aber da wir keine coole Band sind…“ wurde der NWOBHM-Klassiker „2 Minutes To Midnight“ von IRON MAIDEN eingeleitet, das bekanntlich in einer stark dem eigenen Stil angepassten Version dargeboten wird. Alles in allem der bisher beste Gig der Band, den ich bisher gesehen habe und wie üblich gefallen mir persönlich die schneller durchgepeitschten Songs am besten, die jedoch gerade im Kontrast zu eher schleppenden Stücken, Feedback-Spielereien und Groove-Monstern ihre Wirkung entfachen.

















Die unermüdliche „Beyond Borders“-Konzertgruppe hatte vorgewarnt: Die räumlichen Kapazitäten seien begrenzt und man solle möglichst pünktlich erscheinen. Tatsächlich füllte sich an diesem Abend der jüngst renovierte Schuppen in Windeseile und relativ zeitig begann die Berliner Band mit dem seltsamen Bandnamen: Die wohl noch sehr jungen AFFE SUCHT STOCK spielten melodischen, wohl eher ‘90er-inspirierten Punkrock mit vornehmlich deutschen, kritischen Texten, für deren Interpretation sich der Drummer und die Gitarristin abwechselten, unterstützt von mehrstimmigem Background-Gesang. Mit zwei Gitarren war man relativ breit aufgestellt und zauberte manch nette Melodie hervor, wenngleich dem Gitarristen gleich beim ersten Song eine Saite riss. Die anderen drei machten zunächst ohne ihn weiter, bis er mit EAT-THE-BITCH-Tims Klampfe wiederkam und weiterfideln konnte. Nicht jeder Song war ein Kracher, doch einige Sahnestücke waren dazwischen und die Band wirkte doch sehr charmant und bestimmt nicht unsympathisch. Am besten lief mir aber das letzte Stück rein; astreiner Hardcore mit derbem, ohrenscheinlich englischem Gesang von hinter der Schießbude wech, der irgendwie auch auf die kommende Steigerung des Härtegrads vorbereite.


















An diesem Wochenende hätte man sich wieder in etliche Puzzleteile zerreißen müssen, hätte man jede interessante Veranstaltung in der Hansestadt mitnehmen wollen. Mir stand der Sinn nach ‘ner überschaubareren Sause und das Störtebeker lockte mit einem Gig der lokalen NOTGEMEINSCHAFT PETER PAN zusammen mit zwei mir unbekannten Bands. Die Berliner HC-Punks SZRAMA mussten krankheitsbedingt leider absagen, als Ersatz war das Duo LASTER-KADAVER eingesprungen. Im noch einige Beinfreiheit bietenden Störte eröffnete dieses irgendwann zwischen 22:30 und 23:00 Uhr vor auffällig vielen Vokuhila-Trägern (nach mal mehr, mal weniger ironischen Schnurris offenbar der letzte szeneinterne Antimodeschrei) mit Sludge-Gedröhne ohne Bass, dafür mit Kunstnebel, tiefer Klampfe mit vielen Effekten und Loops, die weitere Instrumente überflüssig machten. Das klang wie ein überlanger Soundcheck, monoton, schleppend und vorhersehbar. Freunde dieser Musik würden jetzt vermutlich eher doomig, atmosphärisch und rustikal sagen, aber ich penn‘ bei sowat echt weg. Der Shouter/Klampfer drehte zwischendurch Kippen und legte seine Axt auch mal ganz zur Seite, um zu den Loops nur noch zu brüllen. Da Stück an Stück ohne Pausen aneinandergereiht wurde, hinterließ das Ganze den Eindruck einer einzigen Endlosnummer. Selbst der berüchtigte Erste-Reihe-Tänzer im Metal-Dayz-Shirt verharrte regungslos und als sogar die Vokuhilas irgendwann das Weite suchten, hatte die Band offenbar ihr Soll erfüllt und räumte die Bühne. Nee, Sludge und ich werden in diesem Leben keine Freunde mehr.













































