Die Winterpause ist vorbei, der erste BOLANOW BRAWL des Jahres sollte im schleswig-holstein’schen Rendsburg stattfinden. Doof nur: Niemand hatte Bock zu fahren. Also wurde kurzerhand ein Trolley geordert, am Samstagnachmittag mit allem Gedöns vollgepackt und bondagemäßig eingewickelt und verschnürt. Im seit Tagen anhaltenden strömenden Regen schoben wir das Vehikel zum Bahnhof, inkl. ein paar Zwangspausen, wenn dieser Turmbau zu Babel einzustürzen drohte. Als wir beim Überqueren einer Ampel an einer vielbefahrenen Kreuzung am Kantstein hängenblieben, schafften wir’s in letzter Sekunde mit vereinten Kräften, der Zermalmung unter Autoreifen zu entkommen. Die Fahrt an sich war dann sehr entspannt, in RD angekommen platterte es aber genauso wie zuvor in der Hansestadt. Aufgrund mangelnder Ortskenntnisse drehte unser Tross den einen oder anderen überflüssigen Schlenker, verbog die Trolley-Achse in einem Schlagloch und schob das Ding durch den Matsch, bevor er völlig durchnässt an der T-Stube eintraf.
Die Organisatoren Hajo & Co. zeigten sich ob der Wahl unserer Anreise und der damit verbundenen Strapazen überrascht und offerierten erst mal erfrischendes Pils, mit dem Backstage-Kühlschrank bis zum Rand gefüllt war. Also Klamotten auf die Heizung und die geschundenen Körper auf die Sofas verteilt – und beraten, wie wir Experten hier überhaupt wieder wegkommen. Nachdem die Leipziger Streetpunks THE SPARTANICS eingetroffen waren, ging man sogleich auf Tuchfühlung und tauschte sich fachmännisch aus. Im letzten Jahr hatten diese Irren satte 53 Konzerte gespielt, da können wir nicht mithalten… Respekt! Soundchecks, lecker Risotto einwerfen etc., auf das Übliche folgte ein kleiner Ausflug: Ein Spaziergang, um mal bischn was von der Stadt zu sehen, mit anschließender Einkehr ins „Charleston“, einer sehr geräumigen Kneipe, deren Interieur sich in einem seltsamen Gestaltungs-Crossover aus Wikinger- und Löwenbildchen zusammensetzt. Die Getränke waren fair bepreist und so kippten wir uns einen hinter die Binde, bevor’s in die T-Stube zurückging. Der Beginn verzögerte sich noch bis ca. 22:30 Uhr, eigentlich kein Problem, wenngleich ich ahnte, dass es später sehr eng werden würde, noch etwas von den Leipziger Kollegen mitzubekommen – aufgrund des eher suboptimalen Bahnfahrplans planten Ole, Flo und ich, den Zug um 23:57 Uhr zu nehmen…
Unser Gig lief recht rund; dass wir urlaubsbedingt ein paar Wochen lang nicht mehr alle zusammen hatten proben können, dürfte man uns kaum angemerkt haben. Mich durch unhaltbare Behauptungen wie angeblichen McDonald’s-Fraß-Konsum in Misskredit zu bringen, hatten die geschätzten Bandkollegen bereits im Vorfeld erledigt, auf der Bühne hielten sie sich diesmal überraschenderweise zurück. Fürs Publikum waren wir ziemlich neu, man lauschte interessiert, ohne gleich durchzudrehen. Wir rechneten nicht unbedingt mit Zugabenforderungen und integrierten den zehnten und letzten Song ins normale Set, als plötzlich alle noch was hören wollten. Geprobt hatten wir aber leider nichts weiter und einfach irgendwas noch mal zu spielen war uns zu doof, weshalb wir klanglos die Bühne verließen – um die Erkenntnis reicher, zumindest für Konzerte mit nur einer weiteren Band uns doch mal wieder ein, zwei Stücke mehr draufzuschaffen.
Im Zuge der Umbaupause verstauten wir schnellstmöglich unser ganzes Gelöt im Technikkabuff hinter der Bühne, machten noch überraschend guten Umsatz am Merch-Bauchladen und dann, ja dann… musste ich in den sauren Apfel beißen und tun, was ich eigentlich hasse: Noch während des ersten Songs der SPARTANICS meine sieben Sachen packen und zusammen mit Flo zum Bahnhof eilen, dort noch auf Ole treffend, mit dem wir den ersten Teil der Strecke gemeinsam zurücklegten. Das ist echt ärgerlich, da ich die Leipziger liebend gern gesehen/gehört hätte. Christian, Raoul und Keith sowie Sandy blieben vor Ort, zogen sich die Band rein und feierten noch eine gute Party, während Flo und ich schließlich in die verdammte AKN umstiegen, wo ich Blut und Wasser schwitzte, weil jener Bummelzug an jeder Milchkanne hält, aber keine Toilette aufweist. Zudem stieg nach wenigen Stationen ein ganzer Pulk Wichtigtuer vom Wachpersonal ein, der unablässig die Reihen hoch und runter patrouillierte. Wat ‘ne nervige Scheiße! Dafür waren wir allerdings wie geplant um kurz nach 2:00 Uhr wieder in Hamburg und konnten uns sogar noch ‘nen Absacker inner Spelunke genehmigen.
Fazit: T-Stube top, THE SPARTANICS top, Trolley naja, Wetter und AKN Flop. Bleibt die Hoffnung, dass die umtriebigen Leipziger demnächst mal wieder in der Nähe zocken oder – noch besser – es zu ‘nem weiteren gemeinsamen Gig kommt. Und: Wir brauchen ‘nen Fahrer (m/w/d). Wer schon immer mal ‘ne Affenbande mitsamt Equipment durch die Gegend kutschieren und dabei nüchtern bleiben wollte, darf gern mit uns in Kontakt treten…
Danke an Hajo & Co., ans Rendsburger Publikum – und natürlich an Flo für die Schnappschüsse!

























































Geld für von Repression betroffene Anti-G20-Aktivistinnen und -Aktivisten zu sammeln, ist immer eine gute Sache, am meisten Spaß macht sie in Form von Solidaritätskonzerten bzw., wie in diesem Falle, -festivals. In die Fanräume des FC St. Pauli luden daher bereits am Freitag NIXDA, ABBRUCH, KONNY und P.O.P., was noch ohne Madame und mich über die Bühne ging und wohl ‘ne bestens besuchte, astreine Party war – gratuliere! Den Samstag eröffnete bereits um 16:00 Uhr Punk-Literat Jan Off mit einer Lesung. Als wir relativ pünktlich aufkreuzten waren wir jedoch erst die zahlenden Gäste Nummer 2 und 3, und obwohl sich noch ein paar weitere Nasen dorthin verirrten, blieb’s arg überschaubar – obwohl Jan normalerweise bei Lesungen in Hamburg die Bude spielend vollmacht. Er machte sich aber nicht sonderlich viel draus und las diverse launige kurze Texte aus unterschiedlichen Schaffensperioden. Etwas mehr dürfte er sich aber schon vom Nachmittag versprochen haben und so mutete seine Lesung dann auch radikal gekürzt an. Vermutlich wäre es besser gewesen, die Lesung vom Festival zu trennen und separat zu bewerben oder aber den Musik-Acts direkt vorzuschalten, ohne (sogar mehr als) zwei Stunden Leerlauf bis zum Konzerteinlass (in denen wir nach Hause fuhren und Sportschau glotzten).




























Endlich fielen mal wieder ein Anlass, frohgemut in die Flora zu schlendern, die Zeit dafür und der vorhandene Bock auf denselben Abend: Im Rahmen der „Verstrahlt“-Anti-Atomdrecksstaat-Soliparty legten im Gebäudeunteren diverse DJs auf, vor allem aber beanspruchten die große Bühne oben drei interessente Acts für sich. Als endlich aller Lohnarbeitssoll erfüllt und die allwöchentliche Sportpflichteinheit absolviert war, ging’s in die Schanze, erst mal Dinieren – natürlich beim Veggie-Schanzendöner, der abermals nicht enttäuschte. Da könnte ich echt täglich hin. Ein Jammer, dass solche Dönerbuden in Hamburg noch immer so rar gesät sind. Als wir kurz nach 21:00 Uhr am antikapitalistischen Bollwerk eintrafen, hieß es, die erste Band würde in ca. einer halben Stunde anfangen. Pustekuchen, da konnte man locker noch ‘ne Stunde draufpacken. Dafür war der ausufernd lange Soundcheck der Bands MØRDER und LES PÜNX bereits ein Spektakel für sich – inkl. fluchendem Mischer und Stromstöße verabreichendem Mikro. Mit Premium-Bier stießen wir auf einen Premium-Abend an.
Im Molotow hatten wir ja bereits mehrere Male Live-Erfahrung sammeln können, jeweils oben auf der großen Bühne – einmal davon im Rahmen der „Punk Rock Cocktail“-Spätkonzertreihe, die normalerweise unten im kleinen Karatekeller stattfindet, seinerzeit jedoch ausnahmsweise ins Erdgeschoss verlagert worden war. Das fand ich damals klasse; mittlerweile aber hatte ich auch Bock, mal die intimere Atmosphäre des Karatekellers von der Bühne zu spüren. Da passte es bestens, dass uns DJ Starry Eyes zum Jahresausklang noch einmal dorthin gelockt hatte. Allein zu spielen fand ich aber irgendwie doof, vor allem angesichts des großen Angebots starker Hamburger Underground-Bands. Also bemühten wir uns um eine zweite Band, was sich für die Zeit „zwischen den Jahren“ als echte Herausforderung entpuppte. Letztlich fanden wir in 1323 aber eine Combo, die mich bereits live überzeugt hatte und ich als sympathisch in Erinnerung hatte.


























































2015 gründete sich der Hamburger KAMIKAZE KLAN aus den Trümmern hanseatischer Hochkaräter wie EIGHT BALLS oder SMALL TOWN RIOT; Sänger George stieß von den DOGS ON SAIL hinzu, deren drittes Album er eingesungen hatte. Im April 2018 veröffentlichte man das Debütalbum, die offizielle Release-Party ließ jedoch bis Dezember auf sich warten. Für diese hatte man sich zwei hervorragend passende Bands ausgesucht, um mit ihnen die Bühne zu teilen.


















